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Ein KZ in Frankfurt am Main
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Von Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim e.V. (LAGG e.V.), D 2020, 80 Min, Filmbeginn 19:30 Uhr
Filmreihe: „überLeben”
Kurzfilm: Die Tochter, von Falk Schuster, Alexander Lahl, Max Mönch, Deutschland 2019, 6:32 Min.

Die 1880 als Heinrich Kleyer GmbH gegründeten Adlerwerke stiegen innerhalb weniger Jahre zum größten Fahrrad-Hersteller im Deutschen Kaiserreich auf. Darüber hinaus verfügten sie über eine innovative Produktpalette. Ab der Jahrhundertwende rückte der Automobilbau in den Vordergrund. Im Ersten Weltkrieg stellte man kriegswichtige Güter her. Diese „Tradition“ setzte sich im Nationalsozialismus fort. Die Adlerwerke produzierten jetzt fast ausschließlich für die Wehrmacht und stiegen zum größten Hersteller von Schützenpanzer-Fahrgestellen auf. Bereits im Juli 1941 entstanden Baracken für französische Zivilarbeiter auf dem Adlerwerkeareal. Ab 1942 verschleppte man vor allem Männer und Frauen aus „dem Osten“ nach Frankfurt, weshalb ein neues Massenquartier in Griesheim auf städtischem Grund entstand. Etwa 2.000 Menschen waren dort eingepfercht. Sie schufteten für die Adlerwerke, die 1943 das drittgrößte Zwangsarbeiterheer Frankfurts, nach den IG Farben und VDM, beschäftigten. Der alliierte Luftangriff vom 22.04.1944 führte in Frankfurt und bei den Adlerwerken zu schwersten Zerstörungen. Dringend wurden weitere Arbeitskräfte für die Aufrechterhaltung der Kriegsproduktion benötigt. Um den Bedarf zu decken, forderte die Firmenleitung KZ-Häftlinge an. Vier Monate später war das KZ-Außenlager in den Adlerwerke eingerichtet und erhielt den Decknamen „Katzbach“. Etwa 1.600 Männer wurden von der Werksleitung vorwiegend in den Konzentrationslagern Buchenwald und Dachau zur Sklavenarbeit ausgesucht. Die Todesrate bei den Adlerwerken übertraf die aller hessischen KZ-Außenlager. Die Häftlinge kamen aus acht Nationen, die meisten von ihnen waren Polen, die am Warschauer Aufstand 1944 beteiligt waren. Sie mussten in ungeheizten, teils zerstörten Hallen arbeiten. Und besaßen in dem eisigen Winter 1944/45 nur ihre zerlumpten Sommermonturen. Hygiene und ärztliche Versorgung gab es praktisch nicht. Gewalt und Schikane waren alltäglich. Die Menschen verhungerten buchstäblich oder fielen, völlig geschwächt, Krankheiten zum Opfer. Fluchtversuche wurden mit öffentlicher Hinrichtung bestraft. Am 23. März 1945 stellten die Adlerwerke ihre Produktion ein, am nächsten Tag wurden die letzten verbliebenen Häftlinge auf einen Todesmarsch nach Buchenwald geschickt. Von den rund 1.600 Häftlingen, die man in das Konzentrationslager „Katzbach“ verschleppt hatte, überlebten etwa 120 das Kriegsende. Gezeigt werden Filme, die sehr unterschiedliche Zugangsweisen zum Thema „das KZ mitten im Stadtviertel“ offerieren.

Zwei Interview-Filme und drei von Schüler*innen gedrehte Kurzfilme, die Biografien von Überlebenden in eine filmische Handlung übertragen.

Kooperation: LAGG e.V. und Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte „KZ-Katzbach“ in den Adlerwerken und zur Zwangsarbeit in Frankfurt am Main e.V.

 Bild von Dontpanic - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9486891