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Di 06.08.
Halbwertszeiten
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Von Irina Kosean, Deutschland 2007, 80 Min, Filmbeginn 19:30 Uhr
Filmreihe: „SPIEL.DOK”

Seit den 80er Jahren dokumentieren die beiden Filmemacher Claus Strigel und Bertram Verhaag (DENKMAL FILM) die Ereignisse an der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf im Besonderen und die Entwicklung der Atomindustrie im Allgemeinen. Mehr als fünf Dokumentarfilme sind über die Jahrzehnte hinweg entstanden; das naxos.Kino hat vor etlichen Jahren den ersten davon („Spaltprozesse“) gezeigt. Nunmehr bieten wir Ihnen den dritten der Filme an („Halbwertszeiten“). Dass es trotz „Atomausstieg“ wichtig ist wachsam zu bleiben, zeigen die Entwicklungen im Hambacher Forst. Dieser Wald ist noch längst nicht gerettet!

Die Dokumentation zeigt, was aus den Menschen geworden ist und wie sie heute zu ihrem Engagement stehen. Mit hörbarer Protestnostalgie erklärt etwa Peter Jungfleisch: "Es müsste regelmäßig Wackersdorfs geben, dass sich die Leute gegenseitig näherkommen." Doch nicht nur für den Ex-Autonomen waren die insgesamt neun Jahre dauernden Demonstrationen eine Art kulturelles Erlebnis von sozialer Bedeutung. Auch für die inzwischen über 70-jährige Irmgard Gietl — die in einem der Nachbarorte mit Mann, Kindern und Haus zunächst "in einer heilen Welt" lebte — gerieten die Protestaktionen zu einem sozialen Coming-out.

Die Regisseurin Irina Kosean ist erst 24 Jahre alt. Ihr Film beginnt als Ich-Erzählung und mit Super-8-Aufnahmen aus ihrer frühen Kindheit, jener Zeit, in der Vater Kosean jedes Wochenende in Wackersdorf verbrachte. Im Herbst 2005 ist Irina Kosean dann selber hingefahren, hat einstige Widerständler getroffen, den damaligen bayerischen Innenminister Karl Hillermeier zuhause besucht, mit Gert Wölfel, dem einstmals designierten Chef der WAA, gesprochen und hat schließlich eigene Altersgenossen aus einem Jugendzentrum für politische Arbeit zur heutigen Lage von Jugend und Widerstand befragt. Heraus kam ein lebendiger, gelungener Film, der sich zum subjektiven Zugang, zum Nachfragen bekennt, und der im Übrigen von den Menschen lebt, die wir in ihm kennenlernen.