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Di 30.04.
Anne Clark
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Von Claus Withopf, D 2018, 81 Min, Filmbeginn 19:30 Uhr
Filmreihe: „Musik im Dokumentarfilm”
Sprache: Deutsch

Mit dem Lied »Sleeper in Metropolis« war nach Punk und New Wave 1984 plötzlich eine neue Stimme da. Rau klang sie, jenseits der Schönheit des poetischen Gesangs und doch irgendwie lyrisch. Metallisch, rhythmisch und vor allem nicht gesungen, sondern gesprochen zu synthetischen, elektronischen Klängen. Diese Art des Vortrags, jene Spoken Poetry, gab es in der Popmusik davor eher selten. Allenfalls in den USA, wo Laurie Anderson mit Synthesizer und Stimme experimentierte und dazu auf einer gläsernen Geige spielte.

Mit Anne Clark hatte die Amerikanerin Laurie Anderson ihr englisches Gegenüber gefunden. 22 war Anne Clark damals. Der plötzliche Erfolg brachte ihr einen ungeahnten Geldsegen, aber nicht nur ihr. Management, Plattenfirma und andere hielten die Hand auf. Nach einer großen Tournee, für die reichlich Equipment angeschafft wurde, musste sie feststellen, dass ihr Manager mit allen Einnahmen verschwunden war und ihr die Schulden hinterlassen hatte. Als sie der Plattenfirma mit einem Anwalt drohte, sagte man ihr: »Dann wirst du in diesem Bereich nie wieder arbeiten!« Das war 1987, und Anne Clark zog sich zurück, ging nach Norwegen, um zu schreiben und sich neu zu erfinden.

Doch die Musik ließ sie nicht los. Immer wieder versammelte sie Musiker um sich, die ihr Klänge nahebrachten. Diese machte sie sich zu eigen und verband sie mit ihren Gedichten. Als Mischung aus Klassik, Pop und Folk entsteht der Anne-Clark-Sound, der im Voraus nie bestimmbar, aber immer typisch ist. Anne Clark mag die Improvisation in der Musik, ihr Gerüst ist das Wort. Oft sind es die ersten Aufnahmen, die bleiben. Vieles ist eben nicht wiederholbar. Ihre alten Hits jedoch nahm sie dann noch einmal auf. (epd- Film)