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Bild: Stefanie Landgraf, Autorin, Regisseurin und Kommunikationswissenschaftlerin, und Abraham Melzer, linker israelischer Publizist der unabhängigen jüdischen Online-Zeitschrift „Der Semit", während des Filmgesprächs im naxos-Bistro mit den Besuchern und Moderator Wolf Lindner (r.).

„Israelis und Palästinenser, die Geschichte ist nicht nur eine Wahrheit. Du musst auch die Geschichte Deines Feindes kennen“, eröffnete der israelische Publizist Abraham Melzer das Filmgespräch am 27. August 2019. Der viel beachtete und als Unterrichtsmaterial eingesetzte Dokumentarfilm „Liebe Grüße aus Nahost“ beschreibt die Reise einer Gruppe junger Deutscher durch Israel und das besetzte Westjordanland. Dort erleben die 16- bis 22-jährigen ein Gebiet, das sie aus den Medien als Region der Kriege, Terrorakte und Flüchtlingsschicksale kennen. Es wird eine Reise in zwei Wirklichkeiten: zwei Völker, eine Geschichte – zu ihrem Erstaunen völlig unterschiedlich von Israelis und Palästinensern erzählt.

Die Geschichten beider Gruppen seien zu unterschiedlich, man müsse daher „das Narrativ des anderen kennenlernen“, so Melzer weiter. „Deshalb haben wir beide Seiten zu Wort kommen lassen“, sagte Regisseurin Stefanie Landgraf. Ihr Team mit Ko-Regisseur Hannes Gulde hätte durchaus brutale Bilder zeigen können, was aber nicht das Anliegen des Films war. Vielmehr wollte man Gespräche und Kooperationen zeigen. Auch wenn der Film eine Kritik an israelischer Politik sei, so sei er keineswegs als Propaganda pro Palästina zu verstehen.

Warum Israel so aggressiv sei? „Weil es die Welt zulässt und es die deutsche Gesellschaft über Medienberichte akzeptiert“, antwortete Melzer. Die Palästinenser hätten die Juden nach 1945 aufgenommen und nie gedacht, eines Tages von ihnen vertrieben zu werden. Dabei gehöre den Palästinensern das Land. Insgesamt ziele der Film darauf ab, sowohl die israelische als auch die palästinensische Propaganda zu entlarven, da es innerhalb beider Seiten Bereitschaft zur Annäherung gebe.

„Im Fernsehen dürfen wir den Film nicht senden“, kritisierte die Regisseurin. Deshalb sei sie in die Schulen gegangen und zeige dort ihr Medienpaket. „Denn über den Nahen Osten wird an Schulen nichts behandelt. Es herrscht ein Nullwissen.“ Immerhin hätte ein Großteil der Schulen ihre Dokumentation inzwischen angenommen und eingesetzt.