Aktuelles

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Bild: Als Gesprächsgäste begrüßte naxos-Moderatorin Antje Lang (2.v.r.) Arooj Sajjad von Terre des Femmes (r.)sowie Monika Wittkowsky von Amnesty International, Frankfurt (l.), und Samer Aboutara, Syrienexperte bei Amnesty International, Frankfurt (2.v.l.).

Der Dokumentationsfilm “The Other Side of the River” beleuchtete am 21. Juni 2022 neben der Zwangsehe als ultimativer Unterdrückungsinstitution eine parallele Lebenserfahrung: Reflexionen über das Dasein als Feministin sowie kulturelle Außenseiterin in einer Situation, in der der Begriff „militanter Feminismus“ wörtlich verstanden werden kann.

Arooj Sajjad reagiert auf den Film betroffen, da sie selbst psychische Gewalt seitens ihrer Familie erfahren hatte. Gewalt in Form von Zwangsverheiratung dokumentiert Monika Wittkowskys Organisation, aufzuzeigen, wie Frauen manipuliert werden. Dahinter stünden wirtschaftliche Bewegungsgründe, Stichwort: Brautgeld. Machtstrukturen wie das Patriachat gelten dabei als Begründungen.

Dieses Verhalten stammt Samer Aboutara zufolge aus der Familientradition mit Zwangsehen ab neun Jahren. Die Folge: wirtschaftliche Vorteile für die Familie, nicht aber für die Braut, der sie zustünden. Wittkowsky wünscht daher den Frauen „die Power, für ihre Rechte zu kämpfen“. Das sei schwierig, so Aboutara, da die Gesellschaft immer noch Unterschiede durch Unterdrückung definiere.

Laut Sajjad seien immer noch zu viele Frauen durch Männer traumatisiert, die sie für eine Nacht benutzt hätten, was wiederum einer „nachhaltigen Zerstörung einer künftigen Ehe“ gleichkäme. So resultiere aus einer Zwangs- eine „Lustehe“ für die Familie ohne Rechte der Frauen und ohne eine Chance, aus der Ehe auszusteigen, so Aboutara. Auch gehörten Kinder im Zweifelsfall einer Trennung zum Mann. Als Konsequenz unterstütze er eine militärische Ausbildung mit dem Ziel, sich zu wehren.

Zwar könne es eine Ehre für Frauen sein, einer militanten Bewegung beizutreten , doch Schulbildung für Frauen sei die wichtigste Voraussetzung für einen Wandel, meinte Wittkowsy. Dazu ein sekptischer Aboutara: Ob in Syrien, dem Irak, der Türkei, Afghanistan oder in arabischen Ländern – das Problem sei, dass bereits Kinder im Grundschulalter in die Führungsparteien geholt würden, wo sie durch Koran mit Brainwashing und Schießtraining keine Chance hätten, aus diesem Kreislauf auszubrechen.

Rolf Henning

Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2022

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Bild: Filmgespräch am 14. Juni 2022 mit Theaterprinzipal Willy Praml (2.v.l.), Michael Weber, Künstlerischer Leiter Theater Willy Praml (l.), sowie Regisseur Otmar Hitzelberger (Mitte) und Stephan Mohr, Leiter Jugendatelier Bornheim (2.v.r.). Das Gespräch über den Dokumentationsfilm „Xenos auf Naxos“ leitete Carola Benninghoven, naxos-Kino.

18 arbeitslose junge Erwachsene mit zumeist Migrationshintergrund sollen in die Arbeitswelt integriert werden. Der Filmemacher Otmar Hitzelberger beobachtet sie über Monate mit der Kamera. Dabei dokumentiert er, wie die jungen Männer und Frauen in der damaligen Industrie-Ruine Naxoshalle unter Anleitung von Handwerksprofis ihre handwerklichen und mit Hilfe des Theaters ihre schauspielerischen Fähigkeiten entwickeln. Das Ganze sozial begleitet vom Jugendatelier Bornheim und unterstützt durch das EU-Förderprogramm ‚Xenos‘.

„Die Naxoshalle war damals eine Wüste, ein Dschungel“, so Willy Praml. Doch hätten sie herausbekommen, dass EU-Mittel zur gesellschaftlichen Integration arbeitsloser Jugendlicher bereitstanden. Es sei ein Erfolg gewesen, „den Ort so hinzukriegen, dass man dort Theater machen kann“. Xenos bedeute fremd, so fragte Carola Benninghoven, wer die Fremden bei diesem Projekt gewesen seien. „Natürlich alle beteiligten Jugendlichen, die in Deutschland hineinwachsen wollten“, so Praml.

Stephan Mohr, Sozialarbeiter und Leiter Jugendatelier Bornheim, hatte eine Liste vom Arbeitsamt mit Jugendlichen ohne Schulabschluss, Job und Perspektive erhalten und sagte: „Wir haben die Jugendlichen so ausgewählt, dass wir auf Strukturiertheit, Zuverlässigkeit und Engagement geachtet haben“. Sie alle seien sich fremd gewesen und mussten an ihre Grenzen stoßen, um zu erfahren ,was alle voneinander lernen konnten. Die individuellen Erfahrungen von Ungleichbehandlung habe man, so Praml, in das sog. Lehrlingstheater integriert. Gleichzeitig wollte man die arbeitslosen Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt verhelfen.

Regisseur Otmar Hitzelberger kennt Praml seit 55 Jahren und hatte von dem Projekt gehört: „Ich bin den Jugendlichen auf die Pelle gerückt und habe sie ein Jahr lang begleitet, ein toller Job“. Auch für Mohr als Ansprechpartner sei es entspannt gewesen, denn es war damals ein neuer Weg, das Thema Integration über einen Film zu transportieren. Benninghoven sprach aber auch den Frust der Jugendlichen an. Man habe sich stets auf Augenhöhe mit den Beteiligten befunden, betonte Hitzelberger. Man sei nur an sie herangekommen, wenn man sich ganz normal verhalten habe: „Ich habe auch mit einem von ihnen gekifft“.

„Wir haben unser Projekt ´Bauhütte Naxos´ genannt. Das heißt Sozialarbeit zur Integration und eine Werkstatt, aus der Projekte resultieren konnten“, erklärte Praml. Obwohl einige männliche Teilnehmer ihre Mitarbeit zwischendurch immer wieder abgebrochen hätten, seien sie immer wieder ins Projekt zurückgekehrt. So erinnerte Michael Weber, Künstlerischer Leiter Theater Willy Praml, an einen der jugendlichen Zwischenaussteiger, der bei seiner Rückkehr gesagt hatte, er wolle „totales money verdienen“, die Naxoshalle kaufen und sie zu einer großen Aktions- und Performancehalle umwandeln. Aber letztlich wurde auch das Scheitern festgehalten, teilweise durch `keinen Bock-Haltungen´ der Jugendlichen, teilweise durch das Arbeitsamt, das nach zwölf Monaten die Jugend-ABMs abgeschafft hatte. Pramls Fazit: „Das Projekt war Chaos und Ruine pur, aber welch glorreiche Kultur-Kathedrale ist daraus entstanden“.

Rolf Henning

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2022

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Auf dem Foto von links nach rechts: Prof. Christopher Daase, Goethe Uni und Vorstandsmitgliede der Hess. Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, Dr. Vedrin Sahovic, Bezirk Frankfurt von Amnesty international und Moderatorin Carola Benninghoven vom naxos.Kino.

Gezeigt wurde der Dokumentarfilm der ukrainischen Journalistin Katya Soldak. Die Frage der Moderatorin, ob mit diesem Krieg zu rechnen war, verneinten beide Gesprächspartner gleichermaßen. Ein Angriffskrieg – ein Tabubruch und nach der UN Charta verboten – war unvorstellbar. Diese offene Brutalität wurde nicht für möglich gehalten.

Im Rückblick stelle sich das anders dar, meint der Friedens- und Konfliktforscher Prof. Daase. Es gehe Russland darum, gegenüber dem „schwachen Westen“ Stärke zu beweisen. Diese Stärke werde in Russland sehr geschätzt. Die Ukraine verteidige ihre nationale Identität, die im Verlauf des jahrelangen Konflikts mit Russland gewachsen ist, nicht die Demokratie, wie die westliche Propaganda meint. Die Ukraine sei uns näher als Russland, da sie zu uns gehören will.

Ob und wie dieser Krieg zu stoppen sei: Weder Russland noch die Ukraine könne den Gegner besiegen, so Daase. Er befürworte Waffenlieferungen, um Russland an den Verhandlungstisch zu bringen.

Es gibt zweifellos paramilitärische, rechte Gruppen in der Ukraine, so Vedrin Sahovic von Amnesty international. Das Narrativ der Nazis in der Ukraine allerdings dient Russland, um die Hemmschwelle der eigenen Soldaten für diesen Kriegseinsatz abzusenken, so Sahovic. Amnesty dokumentiere in der Ukraine Kriegsverbrechen, werte auch SocialMedia Kanäle und Satellitenaufnahmen aus, um wirksam dem Narrativ Russlands „alles sei fake“ entgegenzutreten und die Fakten für die spätere juristische Aufarbeitung der Verbrechen zu sichern.

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2022

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Bild: Im Filmgespräch zwischen Moderatorin Carola Benninghoven (r.) und Joachim Diesner, Referent im Hessischen Landwirtschafts-Ministerium (l.), sowie Gerborg Böde von der 'SoLaWi Stolze Gärtner' Schmitten/Neu-Anspach (Mitte) ging es um den Dokumentarfilm „80.000 Schnitzel“, der am 17. Mai 2022 im naxos-Kino lief.

Ein Hof verwaist mit der alleinstehenden Großmutter. Kurz vor dem finanziellen Ruin übernimmt eine der beiden Enkelinnen den verschuldeten Gast- und Bauernhof. Der Film „80.000 Scbnitzel" begleitet die beiden durch Schicksalsschläge, indem er die Unvorhersehbarkeit des Lebens vor Augen führt. Die Frage: Ist Landwirtschaft rentabel, und wenn ja, wie und für wen?

Am Ende des Filmgesprächs zitierte Moderatorin Carola Benninghoven das Schlusszitat der Regisseurin aus dem Film. Da heißt es u.a. „Es geht nicht darum, sich kaputt zu arbeiten ….. ich kann mir so ein Leben nicht vorstellen ….. möchte frei sein und große Träume haben …. und bescheiden überleben.“ Gerborg Böde (38) betreibt mit ihrem Partner eine Solidarische Landwirtschaft mit Bio Obst- und Gemüseanbau in Neu-Anspach. Nach dem Studium ging sie ins Ausland, jobbte, landete schließlich im Tourismus und „hatte den Karren irgendwann gegen die Wand gefahren“. 2015 kehrte sie aus Chile zurück nach Deutschland, und zwar in die Landwirtschaft. „Ich bin in Harmonie mit mir, wenn ich draußen bin in der Natur“, so ihre Begründung. Nach dem ersten Jahr mit SoLaWi können sie noch nicht davon leben: „Hartes Leben, Trecker fahren lernen, alles händisch machen“, sagt sie. Auf kleinem Raum muss eng gepflanzt werden, um hohe Erträge zu erzielen. Und das mit unseren Kunden, „die uns gemeinsam unterstützen“.

Auf Joachim Diesner hat der Film realistisch gewirkt. Da Frauen in der Langwirtschaft häufig allein überleben, zeige der Film genau diese Selbstausbeutung, so der Referent im Hessischen Landwirtschafts-Ministerium. Die Enkelin im Film habe jedoch erste Erfolge verbucht – „und das als Nicht-Landwirtin“. Man dürfe sich die Landwirtschaft jedoch nicht schönreden à la Bullerbü. Besonders schwierig sei auf einem Hof die Partnerfindung. „Das sind oft Zweckehen.“ Die Verdienste lägen dann in etwa 40 bis 70 Prozent niedriger als bei „normalen“ Arbeitnehmern.

Böde kann nach eigenen Angaben mit ihren Mischkulturen von 4,5 bis 6 Tausend Euro pro Hektar und Jahr rund 80.000 Euro erwirtschaften. Diesner warf ein, davon den Aufwand abziehen zu müssen, „dann relativieren sich die Zahlen“. Eigentlich müsste sie zwei Personen beschäftigen, um den Ertrag zu sichern, „da unsere Kunden nur sporadisch mitarbeiten können“. Benninghoven fragte, wie realistisch das romantische Landleben sei, mit Gasthof, Vieh und Feldern.

Laut Diesner zwingt der Strukturwandel auch in der Landwirtschaft zur Spezialisierung: entweder Milch, Acker oder Geflügelbetriebe mit entsprechender Automatisierung. So koste ein Kuhplatz etwa 12.000 Euro, ein neuer Kuhstall 120.000 Euro, mit dem man erst nach 20 Jahren Geld verdiene. Am meisten kosteten in der Landwirtschaft jedoch die Arbeitsplätze. Darlehen als Anfänger könne man insofern vergessen, weil hier keine Bank mitspielen würde.

Rolf Henning

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2022

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Bild: Zum Filmgespräch mit Moderatorin Ruth Fühner (r.) kamen Dr. Hans-Jürgen Bömelburg, Professor für Osteuropäische Geschichte an der Uni Gießen (l.), und der Journalist und Filmemacher Andrej Bockelmann (Mitte) am 10. Mai 2022 ins naxos-Kino. Es lief Bockelmanns Dokumentarfilm „Die Niederlage – Vom missbrauchten Frieden zur Kapitulation 1945“.Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung statt.

Vor 75 Jahren wurde Auf dem Timeloberg vor den Toren Lüneburgs das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa eingeleitet und damit das von Hitler-Deutschland verursachte millionenfache Leid und Sterben beendet. Am 4. Mai 1945 unterzeichnete dort eine Delegation des Oberkommandos der Wehrmacht die Teilkapitulation. Das bedeutete faktisch das Ende aller Kampfhandlungen.

Andrej Bockelmann, 1941 in Lüneburg geboren, habe nur vage Kindheitserinnerungen an die damalige Zeit: „Morde und Erschießungen“. 1955 ist seine Familie von dort weggezogen. Von der Teilkapitulation habe er erst 1977 erfahren und noch im selben Jahr nach Recherche seine Erstversion von „Die Niederlage“ produziert. Den Hessischen Rundfunk überzeugte er mit seiner 45-Minuten-Reportage, sodass ihm eine Überarbeitung von 90 Minuten Länge zugesprochen wurde, die er 1982 nach ausgiebiger Recherche fertigstellte.

Laut Hans-Jürgen Bömelburg seien noch 1977 viele Menschen in ihren ehemaligen NS-Funktionen verwickelt gewesen, „also NS-sozialisiert“. So habe der Jahrestag der Kapitulation dort „anscheinend niemanden interessiert. Deutsche Erinnerungen setzen 1944 mit den Flüchtlingswellen ein, nicht aber mit der Kapitulation“.

Im Dokumentarfilm erscheint unter anderem Nicolaus von Below, der seit 1937 fast acht Jahre lang als Adjutant der Luftwaffe und der „Adjutantur der Wehrmacht beim Führer und Reichskanzler" mit einem wechselseitigen Vertrauensverhältnis zu Hitler angehörte. Bockelmann habe Below, der nie zuvor ein Interview gegeben hatte, zu einem solchen „herumgekriegt“ und ihn zu der Aussage veranlasst, dass damals niemand mit einem Krieg gerechnet habe. Bockelmann bezeichnete das als „eine der größten NS-Lügen“. Denn es habe in den Folgejahren nur ein schleichender Prozess der Erkenntnis innerhalb der deutschen Bevölkerung eingesetzt, dass das Deutsche Reich den Krieg provoziert und begonnen hat.

„Ein kollektives Schämen beziehungsweise eine Kollektivschuld setzte sich erst langsam durch“, sagte Bömelburg. Passivität und ein Ablehnen von Verantwortung seien die zentralen Aspekte gewesen. Daraufhin stellte Moderatorin Ruth Fühner fest, dass auch England und Frankreich als imperiale Mächte keine Rücksicht auf die „kleineren Staaten“ genommen hätten, getreu dem Motto: Wir zeigen jetzt den Deutschen, dass sie den Krieg verloren haben. Ab 1949 haben die Alliierten die Deutschen im Gegensatz zu Kollaborateuren in Frankreich und Italien „wieder machen lassen“, so Bömelburg. In Deutschland hingegen sei nach 1945 in Sachen „Rache an den Nazis durch eine Nacht der langen Messer“ nichts passiert, so Bockelmanns Fazit.

Rolf Henning

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2022

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Einige sind noch mit DEGENHARDT-Liedern wie SPIEL NICHT MIT DEN SCHMUDDELKINDERN aufgewachsen.

 Nur sehr wenige wissen, das Franz Josef Degenhardt auch ein erstklassiger Autor von Romanen und Erzählungen war.


Dies später  - nun der Reihenfolge nach:
Carola Moritz (Gesang) und Michael Vardopoulos (E-Piano) stimmten ein mit
"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern", "Dies mal werd ich nicht", "Wölfe mitten im Mai" und "Kleinstadtsonntag".


ZÜNDSCHNÜRE von Reinhard Hauffs ist die Verfilmung des gleichnamigen Roman-Bestsellers von Degenhardt aus dem Jahr 1973, für den WDR 1974.
Schildert den aufrechten Widerstand gegen die Nazis der wenigen übriggebliebenen Kommunisten und Sozialdemokraten - hier nun aus der Perspektive der Heranwachsenden.
Die Väter weggesperrt oder tod fehlen, die Jungen übernehmen mit List und Witz.

Nach dem Film stellte Wolfgang Voss im Schnelldurchlauf das erzählerische Werk Degenhardts vor, das heute gänzlich vergessen, doch auch einmal lange auf den Bestenlisten stand.

Durchweg zeichnen die 8 Romane Degenhardts die sprachliche Kraft aus, Situationen und Milleus zu schildern, zu Fabulieren und zu Räsonieren, auf Grund von hervorragenden Recherchen und Ideen. Dabei werden die solidarischen Kräfte der Menschen geschildert aber auch, wie die Kräfte der Gesellschaft auch widerstandslos durch die Individuen hindurch greifen. Kraft und Brechung eigentlich immer  zusammen.

In Auswahl besonders hingewiesen wurde auf: ZÜNDSCHNÜRE (1973),

PETROLEUM UND ROBBENÖHL (1976, Jugendbuchpreis),

AUGUST HEINRICH HOFFMANN, GENANNT VON FALLERSLEBEN (1991)

und FÜR EWIG UND DREI TAGE (1998).

Das Kritische Lexikon der Gegenwartsliteratur unterschlägt leider die Erzählung Petroleum und Robbenöl, obwohl diese mit den dt. Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde. Man kann nicht alle dort abgegebenen Bewertungen der Texte teilen.

Schön wäre es für das Filmgespräch noch mehr über die Widerstandsgeschichte zu erfahren oder über die Tradition des Burg-Waldeck-Festivals (1964–1969).

Titelsong (Anfang und Ende des Spielfilms) 

Trailer (Pidax)

 

 

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2022

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Bild: naxos-Moderatorin Ruth Fühner (r.) diskutiert am 3. Mai 2022 mit Elisabeth Botsch (l.), Leiterin der Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“ bei der Hans-Böckler-Stiftung, sowie mit der Soziologiestudentin Laura Klein über den Film „Frohes Schaffen - Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“.

Nur wer Arbeit hat, zählt als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Der Film „Frohes Schaffen - Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“ warf Fragen auf nach einer künftigen Bedeutung von Arbeit: ob es dank Automatisierung und KI bessere Jobs gibt, ob die dann arbeitslos Gemachten glückliche Arbeitslose sind und das alles dank eines Bedingungslosen Grundeinkommens.

Die Studentin Laura Klein ist seit November 2021 Bezieherin eines solchen Grundeinkommens. Sie erhält für ein Jahr monatlich 1.000 Euro. Finanziert werde die Jahressumme aus Spenden, sogenanntem Crowdfunding. Ihre Bewerbung sei per Los ohne bürokratische Überprüfungen gezogen worden. „Als Studentin habe ich ein Jahr Sicherheit, arbeite aber als studentische Hilfskraft noch in einem Nebenjob“, sagte sie. Ruth Fühner fragte nach möglichen Nachteilen des Grundeinkommens. Darauf Klein: „Keine, außer man gewöhnt sich daran“.

Die Hans-Böckler-Stiftung habe keine offizielle Meinung zum Bedingungslosen Einkommen. Elisabeth Botsch wies jedoch auf die enormen Verteilungsprobleme hin und räumte „unterschiedliche Meinungen innerhalb der Gewerkschaften“ ein. Beschleunigung durch Digitalisierung, Home-Office, Corona und Klimakrise sorge für permanente Veränderungen mit immensem Einfluss auf die Arbeitswelt Daraus resultiere oft Angst und Unsicherheit der Beschäftigten vor sich verändernden Tätigkeiten. „Deshalb müssen wir Fachkräfte qualifizieren, und dazu brauchen wir einen starken sozialen Staat“, sagte Botsch. Doch ob das mit einem Bedingungslosen Einkommen möglich sei, erscheine ihr eher unwahrscheinlich.

Man solle laut Klein schon darüber nachdenken, ob das Bedingungslose Grundeinkommen – einmal etabliert – auf Dauer die Gewerkschaften überflüssig machen könnte. Beziehen Rentner ein solches Einkommen, fragte Fühner nach. Die gut Bezahlten investierten zumeist in Reisen, verzichteten jedoch darauf, sich kreativ zu beteiligen, etwa in Ehrenämtern oder in der Gründung von Tauschringen, was wiederum anderen nützen würde.

Hier Wachstum durch mehr Wachstum als Symbol für den Kapitalismus, warf Botsch ein. Dort deutlich veränderte Werte wie Arbeitszeit, Arbeitsverträge, Vereinbarkeit mit dem privaten Sektor: „Arbeitsverdichtung muss entschleunigt, individuelle Bedürfnisse stärker berücksichtigt werden“. In diesem Zusammenhang müsse das Thema Kultur bei erhöhter Freizeit Fühner zufolge für alle zugänglich gemacht werden. Die Tendenz gehe hier eher zu einer Kulturindustrie mit Sozialen Medien, Influencern/ innen und Werbung, die ihrerseits einen gewissen Druck ausübe, so Klein.

Aus Sicht der Hans-Böckler-Stiftung könne Nachhaltigkeit in der Arbeitswelt eine Lösung sein. Darunter verstand Botsch „gute Arbeit, faire Gehälter, Mitspracherecht und Partizipation als Basis für künftige Generationen“. Aber auch Spendenaktionen von Unternehmen mit Netzwerkbildung sowie ideelle Zusammenarbeit durch Ideen- und Wissenstausch für ein gemeinsames Ziel sei für die Studentin Klein vorstellbar.

Rolf Henning

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2022

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Bild: Marianne Spohner (l.), naxos-Kino, im Filmgespräch mit Judith Hummel (r.), Performerin, Choreografin und Studierende des Master of Contemporary Dance Education an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, und Britta Schönbrunn (Mitte), Master of Arts (M.A.), Dozentin für somatische und zeitgenössische Tanz-Techniken, Tanz Performance. Grundlage war der Dokumentationsfilm „Cunningham“, der am 26. April 2022 im naxos-Kino lief.

Merce Cunningham gilt in der Tanz-Szene als einer der visionärsten Köpfe des zeitgenössischen Tanzes. Angefangen im New York der 1940er-Jahre war seine Karriere bis in die frühen 70er-Jahre geprägt von einer außerordentlichen Risikobereitschaft und kreativen Ideen. Später schaffte er den Durchbruch und galt seither als richtungsweisender Choreograf und Tänzer. Die Filmemacherin Alla Kovgan zeichnete in ihrem biografischen Dokumentarfilm Cunninghams berufliches und privates Leben nach und erweckt mit 3D-Technik sowie den letzten Mitgliedern der Merce-Cunningham-Dance-Company seine legendären Choreografien wieder zum Leben. Der Tänzer starb 2009 im Alter von 90 Jahren.

Britta Schönbrunn war in den 1990-er Jahren zwei Jahre Mitglied der Cunningham-Dance-Company in New York. „Cunningham war damals sehr erfolgreich und oft auf Tournee. Deshalb habe ich ihn selten gesehen“, sagte sie. Aber sein Motto „Mach es, tue es“, sei stets präsent gewesen. Cunningham gebe den Tänzern im Film zwar viel Freiheit, habe im realen Tanz-Leben jedoch weitaus strenger agiert, räumte Marianne Spohner ein. Er habe bis zum Extrem mit seinen Tänzern gearbeitet. Das Schrittmaterial sei immer vorgeschrieben gewesen, aber mit Interpretationsfreiheit für jede/n seiner Dance-Company, so Schönbrunn.

Judith Hummel meinte, das Visionäre an ihm sei seine Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern wie Warhol, Malern wie Rauschenberg, Komponisten wie Cage und den Tänzern und Tänzerinnen: „Das war ausschlaggebend für seine Avantgarde, für sein Revolutionäres“. Schon beim ersten Hören der Musik könne seine Company darauf tänzerisch einsteigen. Allerdings nur im Zählsystem eines jeden Einzelnen, in seinem/ ihrem eigenen Rhythmus. Dadurch entstehe eine einmalige Choreographie, weil jede/r seine/ ihre Schritte kenne: „Independent but interdependend“. Aber: „Cage-Klänge waren Töne, keine Musik im konventionellen Sinn“. Etwas Derartiges gelänge nur über permanentes Training sechs Mal die Woche, um etwa eine „Musik“ von 48 Minuten Dauer körperlich durchzustehen.

Irritierend für Schönbrunn waren die glamourösen Räumlichkeiten des Films im Gegensatz zu den spartanischen Originalauftritten der Company. Das sei wohl eine Idee der Regisseurin gewesen, meinte sie. Cunningham sei bis ans Ende seines Lebens immer Choreograph geblieben, vom Stuhl aus oder an der Stange.

Rolf Henning

Zuletzt aktualisiert: 28. April 2022

Ab Sa. 02.04. gelten keine Beschränkungen mehr.

Wir möchten unsere Gäste bitten, sich trotzdem an Abstandsregeln zu halten, in Gedrängesituationen eine Maske zu tragen und die übliche Husten- und Niesetikette einzuhalten.

Herzlichen Dank!



Zuletzt aktualisiert: 20. April 2022

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Es war enttäuschend, dass dieses historisch so interessante und spannend erzählte Thema kaum Publikum hatte  - umso überraschender die benahe hitzige Debatte, die dann doch zu Stande kam.


Im Campus Galli bauen ca. 40 Personen seit mehreren Jahren an Hand des frühmittelalterlichen St. Gallener Klosterplans diese Klosteranlage in der heutigen Wirklichkeit mit den Mitteln des 9. Jahrhunderts nach.


Die Eingangsfrage, worin der Sinn so einer historischen  Rekonstruktionsarbeit läge, beantwortete unser Gast Dr. Meinrad von Engelberg: das interessante läge in der Spannung, dass hier sozusagen eine Hardware ohne dazugehörige Software gebaut werde; hier solle ein historisches Ergebnis erziehlt werden, ohne auch nur annähernd das historische Empfinden, den Glauben, die Abhängigkeiten oder das Wissen teilen zu können.

Wolfgang Voss erzählte aus seiner museumspädagogischen Erfahrung, die einen Schwerpunkt auch auf experimentelle Archäologie gesetzt hatte - aber allgemeiner: die experimentelle Praxis sei immer eine Annäherung an eine vergangene Wirklichkeit aber auch ein Aufzeigen von Möglichkeiten (so könnte es gewesen sein), das Spannende: Historisches praktisch, haptisch aber auch phantasiegeladen - eine qusi-historische Erfahrung am eignen Leibe spühren zu können.
Das Nach-Schöpfen kann generell bewußt machen: unsere Kulturlandschaft ging und geht aus einer Vielzahl von Wechselwirkungen von Nutzungs-, Versorgungs und Entsorgungsansprüchen hervor. Wirtschaften und Umwelt wirken auf einander ein. Dies wird sichtbar in Sozialem, Hierarchien, Siedlungsformen und der Landschaft.
Menschliche Basics werden wieder bewust gemacht: Feuer entfachen, Gewicht, Transport, Maße, Zeit und Zeiterfassung.

Einwände aus dem Publikum in Hinsicht auf die Wissenschaftlichkeit und wirkliche nutzbringende, Verwendbarkeit und Verwertbarkeit in der heutigen Zeit. Das mache doch weltweit viel besser und effektiver die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit).
Capus Galli also als spätromantische Fluchtregression?

Unbestritten: hier werden mehr die Sehnsüchte der Jetztmenschen befriedigt, als ein Einblick in frühmittelalterliche Lebenswirklichkeit gegeben.

Aber eben auch der Ansatz des Gründers dieses Projektes Bert M. Geurten sollte wahrgenommen werden: "Das Kloster als Ursprung der modernen europäischen Stadt mit Landwirtschaft, Industrie, Handwerk, Medizin und Forschung"...
Daneben "die emotionale Aufgabe, die kulturellen Wurzeln im Auge zu behalten".

Nebeneinander gestellt wurden also: Die Regeln Benedikts und das Buch "Wir Konnten auch anders. Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit" von Annette Kehnel.
Hier eine strenge Reglementierung, die man eher in China vermuten würde, dort der Hinweis auf historisch nachweislich gelungene Praktiken der Nachhaltigkeit in vormoderner Zeit.

Hier deutet sich eine Spannunng an, die der Film gerade nicht erzählt: der Film wurde hoch gelobt wegen Schnitt und Bildauswahl; es zeigt sich aber auch: wir haben es hier mit einem Imagefilm zu tun.


Meinrad von Engelberg merkte dazu an: der gleiche Filmemacher, der mit seinem Film-Portrait des Burgenbaus in Guédelon den Gründer des Campus Galli-Projekts genau den Anstoß zu dieser Idee lieferte - genau der Gleiche zeigt uns nun seine aktuelle Dokumentation über eben dieses Projekt. Der Film ist also keine wirkliche Außensicht.
Auslassungen - bei aller Ästhetik - werden offensichtlich: hier Mittelalter - und zu Hause doch die warme Dusche, Ferien vom Leben im Winter konnte kein wirklicher Mensch des Mittelalters machen - nur der gedachte im Campus Galli, der zur nächsten Saison dann wieder kommt...

Sehen wir also in diesem Projekt  - wie es der Klappentext schon anpreist  - ein handwerkliches, archeologisches und menschliches Abenteuer - der Jetztzeit.

Wolfgang Voss

 

 

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2022