Aktuelles

 Dieses Zitat von Gregor Gysi stelle ich voran.
 
Die Filmvorführung musste leider abgebrochen werden, da die Vorführ-BluRay defekt war.
 
Ein paar Fragen sind mir vorab von Dirk Szuszies beantwortet worden.
 
"Hallo Wolfgang,
wir müssen uns kurz fassen, wir haben sehr viele Veranstaltungen
vor uns."
 
Wie seit ihr auf Walter Kaufmann aufmerksam geworden und wie habt ihr ihn kennen gelernt?

 

"Als Wessis kannten wir Walter Kaufmann nicht. Im Jahr 2000 kam er, angekündigt als Filmkritiker, zu der Premiere unseres Films "Die Letzte Mahadevi" in ein Berliner Kino. Er stellte sich uns nach der Vorführung selbst vor, stellte mehr als kluge Fragen, imponierte uns.

Seine Rezension machte einen tiefen Eindruck auf uns, weil sie außergewöhnlich gut
formuliert war. Dann erschien ein großer Artikel über sein neues Buch im Berliner
Tagesspiegel, wir waren elektrisiert und begannen, seine Bücher zu lesen.
Wir suchten den Kontakt zu ihm, er wohnte in Berlin Mitte am Märkischen Ufer,
wir in Kreuzberg am Oranienplatz, kaum ein Kilometer Luftlinie entfernt voneinander.
Wir lernten uns kennen und schätzen.
Lange verfolgten wir die Filmidee. 2010 entstanden in Berlin Kleinmachnow die ersten
Aufnahmen noch mit seiner zweiten Frau Angela Brunner in Kleinmachnow.
Aber kein Filmförderer war bereit, diesem Filmprojekt Mittel zu gewähren.
Und wir arbeiten aus Prinzip nicht mit den Fernsehanstalten.
Die Verantwortlichen von 1700 Jahre Jüdisches Leben erfuhren 2019 von unserem
Filmvorhaben und finanzierten als Hauptförderer das Filmprojekt. Aber wir selbst steuerten
erhebliche Eigenmittel aus den Mitteln der Referenzförderung hinzu, die wir für unseren
Film "Wir sind Juden aus Breslau" erhielten."

Welches ist in eurem Film der Schlüsselmoment -  seine wichtigste Prägung?
 
"Schwierige Frage, weil es im Leben von Walter Kaufmann unendlich viele
Schlüsselmomente gibt....
Abschied von den Eltern in Duisburg
Deportation auf der Dunera nach Australien
Rückkehr nach Deutschland, Entschluß, in der DDR zu leben und und und...
 
Geprägt wurde er von dem Verlust der Eltern, ein niemals bewältigtes Trauma,
von seinen Jahren in Australien, wo er als überzeugter Kommunist als Hafenarbeiter,
Seemann und beginnender Schriftsteller seine entscheidenden Impulse erhielt.
Immer wieder zeigte er uns in Berlin seinen australischen Paß, der sei sein Garant
für die Freiheit. Und geprägt haben ihn als Weltbürger natürlich all seine erstaunlichen
Erfahrungen in aller Welt."

Wie ist eure Meinung, ob er das Leben in der DDR zu positiv schildert?
"Die Filmsequenz, in der die Rückkehr von Walter Kaufmann 1955 nach
Duisburg gezeigt wird, ist für uns entscheidend bei der Frage, warum er sich
bewußt für ein Leben in der DDR entschieden hat. Er ist nie in die SED eingetreten,
er hat sich nicht von der Stasi anwerben lassen. Er hat niemanden verpfiffen oder
angeschwärzt. Und ja, er war kein entschiedener Oppositioneller in der DDR.
Für uns absolut nachvollziehbar. Die DDR war ihm keine Heimat, er war ein Rastloser,
der in die Welt wollte. Wir sind nicht der Auffassung, daß er im Film das Leben in der
DDR zu positiv schildert. Er war als Holocaustüberlebender ein gewiefter
Überlebensstratege, seine Zeit in der DDR kann nur im Gesamtkontext seines
viel größeren Erlebenshorizontes betrachtet werden. Und als Info: Christa Wolf
war als IM auf Walter Kaufmann angesetzt, das war ein dicker Skandal, aber für
Walter Kaufmann war das nicht wichtig, er wollte das nicht im Film erwähnen."
 
Wie gestaltete sich die Arbeit in den Archiven?
 
"Wie immer ist die Arbeit in den nationalen und internationalen Archiven
zeitintensiv. Wir wollten aber unbedingt durchgehend im Film diese Ebene
der historischen Archivaufnahmen durchziehen.
Das Wichtigste dabei: wir erhielten von Walter Kaufmann die Erlaubnis,
seinen gesamten Nachlaß (Vorlaß) in der Staatsbibliothek Berlin einzusehen
und zu benutzen. Dort entdeckten wir zum Beispiel die für den Film
unglaublich wertvollen Briefe der Eltern von Walter an ihren Sohn und die
Briefe, die Walter Kaufmann von Kuba an seine schwangere Frau Angela
Brunner schrieb."
Wie hat sich Corona für die Arbeit am Film ausgewirkt?

"Anfang 2020 wollten Karin und ich in alle die Länder auf den
Spuren von Walter Kaufmann reisen, die im Film zu sehen sind.
USA, Israel, Japan, Australien.
Selbst gedreht haben wir alles in Deutschland und in Theresienstadt
und Auschwitz.
Corona machte alle Pläne zunichte, wir fanden tolle Kamerafauen und -männer
in allen Ländern, die den Film wichtig fanden und für uns die
Aufnahmen machten. Eine verrückte Zusammenarbeit, die jedoch
den Film gerettet hat.
Corona hat das Lebensende von Walter Kaufmann drastisch beeinträchtigt.
Ein bis zuletzt geselliger Mensch, der stets in Theatern, Kinos, politischen
Veranstaltungen zu finden war, war zuhaus gefesselt.
Er ist nicht an Corona gestorben, aber Corona hat ihm das Lebensende versaut."

(gesendet Fr., 23.09.22) 

 

Webseite von Karin Kaper und Dirk Szuszies: http://www.karinkaper.com/

Webseite Walter Kaufmann der Film: https://www.walterkaufmannfilm.de/

RBB Kulturradio Interview mit Regisseur Dirk Szuszies: https://www.walterkaufmannfilm.de/application/files/8216/3299/9775/RBBKulturradio.mp3

Pädagogisches Begleitheft Filmheft Walter Kaufmann: https://www.walterkaufmannfilm.de/download_file/view/106/215

Im VLB noch lieferbar:

Walter Kaufmann: - "Im Fluss der Zeit - Auf drei Kontinenten". Dittrich Verlag, Velbrück GmbH Bücher und Medien. ISBN: 978-3-943941-58-6
https://www.buchhandel.de/buch/Im-Fluss-der-Zeit-9783943941586

- "Schade, dass du Jude bist - Kaleidoskop eines Lebens". Dittrich Verlag, Velbrück GmbH Bücher und Medien. ISBN: 978-3-943941-89-0
https://www.buchhandel.de/buch/Schade-dass-du-Jude-bist-9783943941890

- "Die meine Wege kreuzten - Begegnungen aus neun Jahrzehnten". Quintus-Verlag. ISBN: 978-3-947215-24-9
https://www.buchhandel.de/buch/Die-meine-Wege-kreuzten-9783947215249

- "Gibt es Dich noch - Enrico Spoon? - Über Menschen und Orte weltweit". edition memoria. ISBN: 978-3-930353-38-5 https://www.buchhandel.de/buch/Gibt-es-Dich-noch-Enrico-Spoon--9783930353385

nach seinem Tod erschienen:

- L. Joseph Heid (Hg.): "Johanna Kaufmann, Sally Kaufmann 'Alles Schreiben hat ja das Ziel, daß wir drei wieder zusammenkommen' - Nachrichten an den Sohn Walter Kaufmann 1939-1943". Klartext Verlag Essen 2021 https://www.buchhandel.de/buch/-Alles-Schreiben-hat-ja-das-Ziel-dass-wir-drei-wieder-zusammenkommen--9783837520972

- Jürgen Seidel: "Begegnung mit einem Jahrhundertzeugen - Walter Kaufmann und seine Bücher". Edition digital. ISBN: 978-3-96521-453-8
https://www.buchhandel.de/buch/Begegnung-mit-einem-Jahrhundertzeugen-9783965214538

https://www.buchhandel.de/buch/Die-meine-Wege-kreuzten-9783947215249

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2022

haelftederstadt.jpg

Etwa 10.000 Porträts Chaim Bermans auf Glasnegativen sind überliefert. Was erzählen diese Bilder über den, der sie gemacht hat, die Porträtierten, die Zeitumstände? Wo fängt die Überlieferung an, wo hört sie auf. Es wird hier sichtbar animiert-imaginiert.

Pawel Siczek hierzu:
"von den Menschen, von denen ich erzählen wollte, gab es nicht einmal ein Grab (...)
- ihre Gesichter und Namen waren ausradiert.(...)
Insofern grenzt es an ein Wunder, dass die Porträts aus Chaim Bermans Atelier als filigrane Glasnegtive erhalten geblieben sind.
Ich wollte erfahren, wer diese Bilder gemacht und in welcher Welt dieser Fotograf gelebt hat -
und ich wollte diese Welt der Menschen auf den Bildern kennen lernen.

Denn diese Menschen schienen mir so nah, so alltäglich, und gleichzeitig waren sie Wesen einer anderen, nahezu vergessenen Epoche:
Bürger eines Polens, das heute unwahrscheinlich erscheint: Ein Kosmos voll unterschiedlicher Sprachen, Religionen und Lebensweisen,
der über Jahrhunderte den Alltag von Polen bildete und heute so unendlich fern und unwiederbringlich vergangen scheint.

Ich suchte die wenigen schriftlichen Dokumente zusammen
(…) durchforstete die regionalen Museen, Bibliotheken und Archive. Parallel dazu traf ich nach und nach die Zeitzeugen."


Was hält das Publikum von dieser Produktionsweise?:
neben den Klassischen Zeitzeugen, eine imaginierende Animation einzusetzen, die die ungesicherte Überlieferung darstellt,
dann die junge Generation, die das historische Bildmaterial einfügt und in Relation setzt zum Heute.

"So schaut der Film hinter die Oberfläche der Jetztzeit, findet überall Berührungspunkte mit der Vergangenheit, demonstriert mit Poesie und Intuition, weshalb es für eine Gesellschaft (...) so wichtig ist, ihren Werdegang zu kennen."

Und immer wieder die zerbechlichen Glasträger eines brüchigen Zusammenlebens.
Die unbeantworteten Fragen hat uns Pawel Siczek unten beantwortet.

-------------------------------------------------

-> Presseheft RealFiction Filmverleih

-> Rezension in der TAZ vom 05.11.2015

-> Filmkritik Kino-Zeit
-------------------------------------------------

Lieber Herr Voss Vielen Dank für Ihren Bericht. -

Ich bin so hin- und hergerissen bei diesem Film. Wir hätten noch so viel machen können damals. Vor allem fehlen mir die deutschen Zeitzeugen aus der Gegend. Ich habe schließlich zwei von ihnen entdeckt und konnte mit ihnen reden. Aber wir hatten einfach keine Mittel mehr, um mit ihnen zu drehen. Wir waren (wieder mal) hoffnungslos unterfinanziert, und ich musste verschiedene Nebenjobs machen, um den Film fertigzubekommen.

Dann mussten wir mehrere Personen aus der Vergangenheit weglassen, da wir uns weitere Trickfilmprotagonisten nicht leisten konnten. Zwei weitere animierte Gestalten (samt ihren Geschichten) hätten damals etwa 70’000 EUR mehr gekostet, und die hatten wir einfach nicht, konnten auch nicht einsparen.

Den Trickfilm haben wir angewendet, weil es nahezu kein Bildmaterial aus der Gegend gab. Die allermeisten Schriftstücke und Bilder sind im Krieg verloren gegangen. Vor allem durch Brände. Und beim Trickfilm war mir wichtig, dass die Ästhetik sich an der Ästhetik der Gegend orientiert. Und diese ist einfach von naiver Volksmalerei und hölzernen, etwas ungelenken aber doch schönen Gestalten geprägt. Es gab dort keine akademisch geschulten Künstler, sondern Amateurtheater, Bauernmalerei, Stickereien… Aber alles ist an die Orte hinein-animiert, wo es tatsächlich geschehen war.

Das junge Paar - Iwona und Michal - ist auch heute ein Paar. Mit Michal habe ich gerade telefoniert. Sie seien glücklich zusammen, sie leben und arbeiten in Warschau. Michals Fotosammlung wurde vor ein paar Jahren in der Region ausgestellt, dazu wurde auch ein Ausstellungskatalog veröffentlicht (auf polnisch).

Die Zusammenarbeit mit der Shalom Fundation war etwas kompliziert, aber letztlich gelungen und kooperativ. Die Chefin der Foundation hat den Film öffentlich gelobt und ihn im Rahmen der Veranstaltungen der Foundation aufführen lassen. (Von den meisten Aufführungen in Polen erfahre ich kaum etwas, ich höre nur später, Leute hätten den Film da oder dort gesehen.)

Beste Grüsse!
Pawel Siczek

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2022

alles-bauhaus-oder-was.jpg

So eindrücklich und lebendig der Dokumentarfilm VOM BAUEN DER ZUKUNFT - 100 JAHRE BAUHAUS die visionäre Stimmung und den Aufbruch der Moderne auch schildert, zweifelte das Filmgespräch doch daran, ob der Film hält, was der Titel verspricht.

Hier der Aufbruch in einen neuen Humanismus, dort das Scheitern der großen Planbarkeit des Menschen. Die Kipp-Punkte dieser Entwicklung fasst der Film zu ungenau.

Starke und überzeugende Impulse durch das Bauhaus, Eingemeindung aber auch alles Modernen unter diesem Label ist ein Stück Anmaßung.

Die Architekturklasse am Bauhaus begann 1927 - da hatte das Team um Ernst May z.B. schon einen großen Teil des NEUEN FRANKFURT vollendet.

Anschaulich wird Ittens Vorkurs nachvollzogen und digital-tänzerisch Kandinskys "Punkt und Linie zu Fläche" transformiert usw. - aber bleibt es nicht doch im Film eben ein zweiter musealer Aufguss? In der so dargestellten Auffassung darf die Moderne nicht altern. Aber sie tut es.

Hier wirklich schlaues Ergänzen von fehlender Infrastruktur in den Slums Südamerikas - dann wieder doch der große weiße Mann, der weiß, was gut ist für's gemeine Volk.

Die Wirkung, die das Bauhaus in der Welt hatte nach seiner Auflösung wird spannend beschrieben, fehlt aber doch so ein naheliegendes Beispiel wie die HfG Ulm und die Unterscheidung, wer sich tatsächlich in diese Tradition stellt.

Was wurde aus allem? Lassen sich Fehlplanungen wie die AUTOGERECHTE STADT endlich und wie überwinden? Für Frankfurt gefragt: ERNST MAY - UND WAS DANN?

So wird ein wichtiger Fehler zwar benannt: Zukunft ist nicht wirklich planbar! - aber letztlich tappt dieser Dokumentarfilm doch wieder in diese Erzählfalle.

Beispiele aus Offenbach ("Arrival City") und Frankfurt aus dem Publikum stimmen dann positiver, zeigen, dass Planlosigkeit und das Projekt der Moderne sich doch noch manchmal finden...

 

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2022

2022-07-19.jpg

Das Filmgespräch musste leider ohne unseren Gast Prof. Beutelspacher stattfinden.

Daher ging es also recht wenig mathematisch zu.

Das Werk Maurits Cornelis Eschers (1898 - 1972) gliedert sich lt. der offiziellen Homepage in folgende Abschnitte:

- Jugendwerk
- italienische Periode
- Schweiz und Belgien
- Zurück in Holland
- Anerkennung und Erfolg

Die Themen:
- Mathematisch
- unmögliche Konstruktionen
- Symmetrie und Unendlichkeit
- Metamorphosen

Techniken:
- Holzschnitt
- Holzstich
- Lithographie
- Mezzotinto
- Radierung
- Linoliumschnitt
- Wasserfarben

319 Ausstellungen fanden zu seinen Lebzeiten statt. 448 große Werke und ca. 2000 Zeichnungen sind überliefert.

Escher war kein Mathematiker der Formeln sondern eher ein geometrischer Konstrukteur der Lösungsansätze philosophischer Probleme.

Zu sehr zwingt der Film das Werk in die zeitliche Folge der erzählten Biografie.

Wir vermissen vor allem seine Auseinandersetzung mit seinen Zeitgenossen vor allem Rene Magritte. Auch über die Beziehung zu seiner Frau das gemeinsame Leben hindurch erfahren wir nicht genug.

Escher macht seine Täuschungen in der Konstruktion sichtbar und nachvollziehbar. Dies unterscheidet ihn von der verrätselten Kunst der Zeitgenossen des Syrrealismus.

    "Das man eine Täuschung mit einer nachvollziehbaren,
     spielerischen Verbindung zur Realität ausführt"

Ein schnell gebasteltes Möbiusband ermöglichte dem Publikum, ein Stück Unendlichkeit mitzunehmen für die Gute Stube...

Unendlichkeit to Go gibt's nur beim naxos.KINO 



Zuletzt aktualisiert: 08. September 2022

2022_07_12pommern.jpg

Vielfältige Stimmen zu dem vergessenen Thema:
die Folgen des nahezu vollständigen Bevölkerungsaustausches und die Verschiebung der Grenzen im polnischen Teil von Pommern nach dem 2 Weltkrieg.
Hochgradig poetische Bilder zwischen den Interviews.
Form und Inhalt des Dokumentarfilms „Es war einmal Pommern“ wurden in einem ausführlichen Publikumsgespräch erörtert.
Über die rege Resonanz zu diesem Nischenthema waren erstaunt und erfreut: der Filmemacher Michael Majerski, Andrzej Kaluza vom Deutschen Poleninstitut und als Moderator vom naxos.KINO Wolfgang Voss

Homepage Michael Majerski: https://arkonafilm.de/de/filme.html

Gedicht aus dem Film „Es war einmal Pommern“


„Pommern, Ostwind“
Der Himmel hängt tief über Pommern und die Wege sind weit.
Der Wind, gesät von Wahnsinnigen bläst unbändig, mal von hier mal von dort.
Nur nachts bleibt er kurz stehen und ruht sich aus, versteckt in der Vorstadt oder in den Schatten der pommerschen Dörfern. Pst. Pst.
Und wartet geduldig. Mit Morgengrauen sammelt er dann über den Dächern noch freischwebende Gedanken bevor sie den Weg in ihre noch schlafenden Körpern zurückfinden. Und streut sie, mal hier mal dort.
Daraus entstehen neue Lieben, Sehnsüchte, Begierden. Oder Böse. Dann wütend bricht
Bäume, zerrt Menschen aus ihren Häusern auf Wege ins Nirgendwo und jagt sie, von Ost nach West. Ostwind.
Müde, hält an. Manchmal lässt er sich dann sogar zähmen. Verwundet bleiben die
Menschenkolonnen auf den Wegen stehen, halten an, schauen sich um. Pst. Pst.
Und fangen das Leben von vorne an. Mal hier, mal dort.
Bis der nächste Krieg kommt.


Auf polnisch:
„Pomorze, wiatr od wschodu”
Nisko wisi niebo nad Pomorzem, nad jego drogami, po których raz stamtąd raz stąd wieje zły wiatr zasiany przez szaleńców. Jedynie nocą przystaje i odpoczywa schowany na przedmieściach miast i w cieniach pomorskich wiosek. Cicho, sza
I cierpliwie czeka do brzasku. A potem zbiera te wszystkie zbudzone myśli zanim wrócą do swych śpiących ciał i rozsiewa po pomorskich drogach, albo gubi nie wiedząc gdzie. To tu, to tam.
Rodzą się wtedy nowe miłości, pragnienia i żądze. A czasem zło. Wtedy wiatr z wsiekłością łamie drzewa, porywa ludzi, wypędza ich z domów na drogi do nikąd. I gna ze wschodu na zachód. Ostwind.
Kiedy zmęczony przystaje, cichnie, a nawet czasem daje się obłaskawić. Wtedy zatrzymują się zdumione pochody wygnańców. Cicho, sza. Zaczynają nowe życie, to tu, to tam.
Aż do nowej wojny.


Homepage Deutsches Poleninstitut: https://www.deutsches-polen-institut.de/

Ausblick auf das Film-Herbstprogramm des DPI. Hier eine kleine Auswahl :

Donnerstag, 6. Oktober 2022, 20:15 / programmkino rex
FilmFokus Ukraine: "Maidan"
Ein Film von Sergei Loznitsa (UKR 2014, 133 Min. OmeU), Einführung: Andrzej Kaluza

Donnerstag, 13. Oktober 2022, 20 Uhr / programmkino rex
FilmFokus Belarus: "Courage" (rexFilmGespräch)
Ein Film von Aliaksei Paluyan. Vorführung im Beisein des Regisseurs (DE 2021, 90 Min., OmU). Einführung und Moderation: Andrzej Kaluza

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2022

IMG_20220628_222914.jpg

Auf dem Foto von links: Sophia Edschmid, Leiterin des "Atelier Goldstein" und der Künstler Julius Bockelt sowie die Moderatorin Heike Rösch vom naxos.Kino

Zuletzt aktualisiert: 08. September 2022

IMG_2551.jpg

Bild: Als Gesprächsgäste begrüßte naxos-Moderatorin Antje Lang (2.v.r.) Arooj Sajjad von Terre des Femmes (r.)sowie Monika Wittkowsky von Amnesty International, Frankfurt (l.), und Samer Aboutara, Syrienexperte bei Amnesty International, Frankfurt (2.v.l.).

Der Dokumentationsfilm “The Other Side of the River” beleuchtete am 21. Juni 2022 neben der Zwangsehe als ultimativer Unterdrückungsinstitution eine parallele Lebenserfahrung: Reflexionen über das Dasein als Feministin sowie kulturelle Außenseiterin in einer Situation, in der der Begriff „militanter Feminismus“ wörtlich verstanden werden kann.

Arooj Sajjad reagiert auf den Film betroffen, da sie selbst psychische Gewalt seitens ihrer Familie erfahren hatte. Gewalt in Form von Zwangsverheiratung dokumentiert Monika Wittkowskys Organisation, aufzuzeigen, wie Frauen manipuliert werden. Dahinter stünden wirtschaftliche Bewegungsgründe, Stichwort: Brautgeld. Machtstrukturen wie das Patriachat gelten dabei als Begründungen.

Dieses Verhalten stammt Samer Aboutara zufolge aus der Familientradition mit Zwangsehen ab neun Jahren. Die Folge: wirtschaftliche Vorteile für die Familie, nicht aber für die Braut, der sie zustünden. Wittkowsky wünscht daher den Frauen „die Power, für ihre Rechte zu kämpfen“. Das sei schwierig, so Aboutara, da die Gesellschaft immer noch Unterschiede durch Unterdrückung definiere.

Laut Sajjad seien immer noch zu viele Frauen durch Männer traumatisiert, die sie für eine Nacht benutzt hätten, was wiederum einer „nachhaltigen Zerstörung einer künftigen Ehe“ gleichkäme. So resultiere aus einer Zwangs- eine „Lustehe“ für die Familie ohne Rechte der Frauen und ohne eine Chance, aus der Ehe auszusteigen, so Aboutara. Auch gehörten Kinder im Zweifelsfall einer Trennung zum Mann. Als Konsequenz unterstütze er eine militärische Ausbildung mit dem Ziel, sich zu wehren.

Zwar könne es eine Ehre für Frauen sein, einer militanten Bewegung beizutreten , doch Schulbildung für Frauen sei die wichtigste Voraussetzung für einen Wandel, meinte Wittkowsy. Dazu ein sekptischer Aboutara: Ob in Syrien, dem Irak, der Türkei, Afghanistan oder in arabischen Ländern – das Problem sei, dass bereits Kinder im Grundschulalter in die Führungsparteien geholt würden, wo sie durch Koran mit Brainwashing und Schießtraining keine Chance hätten, aus diesem Kreislauf auszubrechen.

Rolf Henning

Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2022

IMG_2511.jpg

Bild: Filmgespräch am 14. Juni 2022 mit Theaterprinzipal Willy Praml (2.v.l.), Michael Weber, Künstlerischer Leiter Theater Willy Praml (l.), sowie Regisseur Otmar Hitzelberger (Mitte) und Stephan Mohr, Leiter Jugendatelier Bornheim (2.v.r.). Das Gespräch über den Dokumentationsfilm „Xenos auf Naxos“ leitete Carola Benninghoven, naxos-Kino.

18 arbeitslose junge Erwachsene mit zumeist Migrationshintergrund sollen in die Arbeitswelt integriert werden. Der Filmemacher Otmar Hitzelberger beobachtet sie über Monate mit der Kamera. Dabei dokumentiert er, wie die jungen Männer und Frauen in der damaligen Industrie-Ruine Naxoshalle unter Anleitung von Handwerksprofis ihre handwerklichen und mit Hilfe des Theaters ihre schauspielerischen Fähigkeiten entwickeln. Das Ganze sozial begleitet vom Jugendatelier Bornheim und unterstützt durch das EU-Förderprogramm ‚Xenos‘.

„Die Naxoshalle war damals eine Wüste, ein Dschungel“, so Willy Praml. Doch hätten sie herausbekommen, dass EU-Mittel zur gesellschaftlichen Integration arbeitsloser Jugendlicher bereitstanden. Es sei ein Erfolg gewesen, „den Ort so hinzukriegen, dass man dort Theater machen kann“. Xenos bedeute fremd, so fragte Carola Benninghoven, wer die Fremden bei diesem Projekt gewesen seien. „Natürlich alle beteiligten Jugendlichen, die in Deutschland hineinwachsen wollten“, so Praml.

Stephan Mohr, Sozialarbeiter und Leiter Jugendatelier Bornheim, hatte eine Liste vom Arbeitsamt mit Jugendlichen ohne Schulabschluss, Job und Perspektive erhalten und sagte: „Wir haben die Jugendlichen so ausgewählt, dass wir auf Strukturiertheit, Zuverlässigkeit und Engagement geachtet haben“. Sie alle seien sich fremd gewesen und mussten an ihre Grenzen stoßen, um zu erfahren ,was alle voneinander lernen konnten. Die individuellen Erfahrungen von Ungleichbehandlung habe man, so Praml, in das sog. Lehrlingstheater integriert. Gleichzeitig wollte man die arbeitslosen Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt verhelfen.

Regisseur Otmar Hitzelberger kennt Praml seit 55 Jahren und hatte von dem Projekt gehört: „Ich bin den Jugendlichen auf die Pelle gerückt und habe sie ein Jahr lang begleitet, ein toller Job“. Auch für Mohr als Ansprechpartner sei es entspannt gewesen, denn es war damals ein neuer Weg, das Thema Integration über einen Film zu transportieren. Benninghoven sprach aber auch den Frust der Jugendlichen an. Man habe sich stets auf Augenhöhe mit den Beteiligten befunden, betonte Hitzelberger. Man sei nur an sie herangekommen, wenn man sich ganz normal verhalten habe: „Ich habe auch mit einem von ihnen gekifft“.

„Wir haben unser Projekt ´Bauhütte Naxos´ genannt. Das heißt Sozialarbeit zur Integration und eine Werkstatt, aus der Projekte resultieren konnten“, erklärte Praml. Obwohl einige männliche Teilnehmer ihre Mitarbeit zwischendurch immer wieder abgebrochen hätten, seien sie immer wieder ins Projekt zurückgekehrt. So erinnerte Michael Weber, Künstlerischer Leiter Theater Willy Praml, an einen der jugendlichen Zwischenaussteiger, der bei seiner Rückkehr gesagt hatte, er wolle „totales money verdienen“, die Naxoshalle kaufen und sie zu einer großen Aktions- und Performancehalle umwandeln. Aber letztlich wurde auch das Scheitern festgehalten, teilweise durch `keinen Bock-Haltungen´ der Jugendlichen, teilweise durch das Arbeitsamt, das nach zwölf Monaten die Jugend-ABMs abgeschafft hatte. Pramls Fazit: „Das Projekt war Chaos und Ruine pur, aber welch glorreiche Kultur-Kathedrale ist daraus entstanden“.

Rolf Henning

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2022

IMG_4481.jpg

Auf dem Foto von links nach rechts: Prof. Christopher Daase, Goethe Uni und Vorstandsmitgliede der Hess. Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, Dr. Vedrin Sahovic, Bezirk Frankfurt von Amnesty international und Moderatorin Carola Benninghoven vom naxos.Kino.

Gezeigt wurde der Dokumentarfilm der ukrainischen Journalistin Katya Soldak. Die Frage der Moderatorin, ob mit diesem Krieg zu rechnen war, verneinten beide Gesprächspartner gleichermaßen. Ein Angriffskrieg – ein Tabubruch und nach der UN Charta verboten – war unvorstellbar. Diese offene Brutalität wurde nicht für möglich gehalten.

Im Rückblick stelle sich das anders dar, meint der Friedens- und Konfliktforscher Prof. Daase. Es gehe Russland darum, gegenüber dem „schwachen Westen“ Stärke zu beweisen. Diese Stärke werde in Russland sehr geschätzt. Die Ukraine verteidige ihre nationale Identität, die im Verlauf des jahrelangen Konflikts mit Russland gewachsen ist, nicht die Demokratie, wie die westliche Propaganda meint. Die Ukraine sei uns näher als Russland, da sie zu uns gehören will.

Ob und wie dieser Krieg zu stoppen sei: Weder Russland noch die Ukraine könne den Gegner besiegen, so Daase. Er befürworte Waffenlieferungen, um Russland an den Verhandlungstisch zu bringen.

Es gibt zweifellos paramilitärische, rechte Gruppen in der Ukraine, so Vedrin Sahovic von Amnesty international. Das Narrativ der Nazis in der Ukraine allerdings dient Russland, um die Hemmschwelle der eigenen Soldaten für diesen Kriegseinsatz abzusenken, so Sahovic. Amnesty dokumentiere in der Ukraine Kriegsverbrechen, werte auch SocialMedia Kanäle und Satellitenaufnahmen aus, um wirksam dem Narrativ Russlands „alles sei fake“ entgegenzutreten und die Fakten für die spätere juristische Aufarbeitung der Verbrechen zu sichern.

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2022

IMG_2503.jpg

Bild: Im Filmgespräch zwischen Moderatorin Carola Benninghoven (r.) und Joachim Diesner, Referent im Hessischen Landwirtschafts-Ministerium (l.), sowie Gerborg Böde von der 'SoLaWi Stolze Gärtner' Schmitten/Neu-Anspach (Mitte) ging es um den Dokumentarfilm „80.000 Schnitzel“, der am 17. Mai 2022 im naxos-Kino lief.

Ein Hof verwaist mit der alleinstehenden Großmutter. Kurz vor dem finanziellen Ruin übernimmt eine der beiden Enkelinnen den verschuldeten Gast- und Bauernhof. Der Film „80.000 Scbnitzel" begleitet die beiden durch Schicksalsschläge, indem er die Unvorhersehbarkeit des Lebens vor Augen führt. Die Frage: Ist Landwirtschaft rentabel, und wenn ja, wie und für wen?

Am Ende des Filmgesprächs zitierte Moderatorin Carola Benninghoven das Schlusszitat der Regisseurin aus dem Film. Da heißt es u.a. „Es geht nicht darum, sich kaputt zu arbeiten ….. ich kann mir so ein Leben nicht vorstellen ….. möchte frei sein und große Träume haben …. und bescheiden überleben.“ Gerborg Böde (38) betreibt mit ihrem Partner eine Solidarische Landwirtschaft mit Bio Obst- und Gemüseanbau in Neu-Anspach. Nach dem Studium ging sie ins Ausland, jobbte, landete schließlich im Tourismus und „hatte den Karren irgendwann gegen die Wand gefahren“. 2015 kehrte sie aus Chile zurück nach Deutschland, und zwar in die Landwirtschaft. „Ich bin in Harmonie mit mir, wenn ich draußen bin in der Natur“, so ihre Begründung. Nach dem ersten Jahr mit SoLaWi können sie noch nicht davon leben: „Hartes Leben, Trecker fahren lernen, alles händisch machen“, sagt sie. Auf kleinem Raum muss eng gepflanzt werden, um hohe Erträge zu erzielen. Und das mit unseren Kunden, „die uns gemeinsam unterstützen“.

Auf Joachim Diesner hat der Film realistisch gewirkt. Da Frauen in der Langwirtschaft häufig allein überleben, zeige der Film genau diese Selbstausbeutung, so der Referent im Hessischen Landwirtschafts-Ministerium. Die Enkelin im Film habe jedoch erste Erfolge verbucht – „und das als Nicht-Landwirtin“. Man dürfe sich die Landwirtschaft jedoch nicht schönreden à la Bullerbü. Besonders schwierig sei auf einem Hof die Partnerfindung. „Das sind oft Zweckehen.“ Die Verdienste lägen dann in etwa 40 bis 70 Prozent niedriger als bei „normalen“ Arbeitnehmern.

Böde kann nach eigenen Angaben mit ihren Mischkulturen von 4,5 bis 6 Tausend Euro pro Hektar und Jahr rund 80.000 Euro erwirtschaften. Diesner warf ein, davon den Aufwand abziehen zu müssen, „dann relativieren sich die Zahlen“. Eigentlich müsste sie zwei Personen beschäftigen, um den Ertrag zu sichern, „da unsere Kunden nur sporadisch mitarbeiten können“. Benninghoven fragte, wie realistisch das romantische Landleben sei, mit Gasthof, Vieh und Feldern.

Laut Diesner zwingt der Strukturwandel auch in der Landwirtschaft zur Spezialisierung: entweder Milch, Acker oder Geflügelbetriebe mit entsprechender Automatisierung. So koste ein Kuhplatz etwa 12.000 Euro, ein neuer Kuhstall 120.000 Euro, mit dem man erst nach 20 Jahren Geld verdiene. Am meisten kosteten in der Landwirtschaft jedoch die Arbeitsplätze. Darlehen als Anfänger könne man insofern vergessen, weil hier keine Bank mitspielen würde.

Rolf Henning

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2022