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Di 23.10.
Eine gefangene Frau - A Woman Captured
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Von Bernadett Tutza-Ritter, Ungarn 2017, 89 Min. Min, Filmbeginn 19:30 Uhr
Filmreihe: „ÜberLeben”
Sprache: Original mit engl. UT
Kurzfilm: The Beach, 7:22 Min, Neuseeland 1995 von Dorthe Scheffmann

A Woman Captured begleitet Marish, eine 53-jährige Ungarin, die seit über zehn Jahren bei einer Familie lebt und dieser als Haushaltshilfe und Kindermädchen zur freien Verfügung steht, ohne bezahlt zu werden.

Ihr Pass wurde ihr abgenommen und es ist ihr nicht erlaubt, das Haus ohne Absprache zu verlassen. Sie ernährt sich ausschließlich von den Essensresten der Hausherren und hat nicht einmal ein eigenes Bett. Marishs Alltag ist gezeichnet von Demütigung und Angst. Doch heimlich träumt sie davon, ihr altes Leben zurückzugewinnen.

Die Präsenz der Kamera lässt sie spüren, dass sie nicht alleine ist und sie beginnt, Vertrauen zu Regisseurin Bernadett Tuza-Ritter zu entwickeln. Nach zwei gemeinsamen Jahren fast sie all ihren Mut zusammen und beschließt, der Knechtschaft zu entfliehen.

Beklemmend, Unfassbar, Persönlich. Der erste Langfilm der ungarischen Regisseurin Bernadett Tuza-Ritter verfolgt die reale Horror-Story einer Frau mittleren Alters, die in die Fänge der „modernen Sklaverei“ geraten ist. Wie man gleich zu Beginn des Films lernt, ist diese Art der Haltung von „Hausangestellten“ ein weitverbreitetes, jedoch weitestgehend unerschlossenes Gebiet, mit über einer Million Menschen in Europa.

Als Marish – was, wie man im Laufe des Films erfährt, nicht ihr richtiger Name ist – über einem Foto, das kurz nach ihrer Ankunft im Haus aufgenommen wurde, erwähnt, dass sie 53 Jahre alt ist, ist man als Zuschauer für einen Moment ebenso erstaunt wie die Regisseurin: „You’ve aged quite a lot here.“ Seit über elf Jahren steht sie unter der Fuchtel der dominanten Matriarchin Eta, die stolz darauf ist, keinen Handschlag in ihrem eigenen Haushalt zu tun, sondern stattdessen diversen Angestellten mit knüppelharter Arbeit im Tausch gegen Zigaretten, Kaffee und einem Sofa als Schlafplatz den Rücken zu brechen. Zusätzlich arbeitet Marish teilzeit in einer Fabrik. Doch den Hungerlohn, den sie dort verdient, muss sie an Eta abgeben. Am Ende bleibt ihr nichts. - Was ihr nur helfen kann ist die Flucht...