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Di 08.11.
Censored Voices
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Von Mor Loushy und Amos Oz, Israel 2014, 84 Min, Filmbeginn 19:30 Uhr

Der Sechstagekrieg 1967 endet mit einem Triumph für Israel: Jerusalem, Gaza und Westbank sind ab nun in israelischer Hand. Nur einen Monat danach interviewte der Schriftsteller Amos Oz die beteiligten Soldaten, die berichteten, was wirklich geschah. Diese schonungslosen, intuitiven Zeugnisse von einem Krieg wurden streng zensiert und durften dem israelischen Bewusstsein nicht zugänglich gemacht werden … bis jetzt!
Hinter der Euphorie verbergen sich andere Stimmen. Die Stimmen der Soldaten. Die jungen Krieger kehrten zurück in ihre Häuser. Verwirrt, traumatisiert, voller Angst- und Schuldgefühle. Amos Oz war zum damaligen Zeitpunkt noch kein international gefeierter Schriftsteller und Nobelpreisnominierter. Er war ein einfacher Soldat, der am 6-Tage-Krieg teilnahm und nach Kriegsende fühlte, dass unter dem ganzen Siegestaumel und Jubel etwas schwelte.
Mit einem Tonbandgerät ausgerüstet begab er sich zusammen mit Abraham Schapira (ebenfalls im Film zu sehen) in die Kibbuze des Landes. Sie stellten Fragen, auf die sie umfangreiche, ehrliche und ungeschönte Antworten bekamen. Die Soldaten beschrieben sich selbst als zerrissen zwischen dem Gefühl des Triumphes und dem Gefühl von Schmutz, Schmerz, Scham und Unheil. Sie berichteten von Missbrauch, Deportation, Tötungen von Gefangenen, Plünderung, Lynchjustiz und Erniedrigung. Sie sind als Opfer in diesen Krieg gezogen und kamen als Täter zurück. Doch ihre Stimmen wurden nie gehört. Sie wurden aufgrund ihrer Brisanz vom Militär zensiert.