Aktuelles

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Frankfurt am Main, 10. Mai 2017 - Oberndorf ist eine 14.000-Einwohner-Stadt am Ostrand des Schwarzwaldes. Verfallende Häuser und geschlossene Geschäfte kennzeichnen das derzeitige Stadtbild. Seit den 80er Jahren sind zwei Drittel der Arbeitsplätze in den beiden Rüstungsbetrieben Mauser und Heckler & Koch verloren gegangen. Bereits vor 30 Jahren hatte Filmemacher Wolfgang Landgraeber auf dem Höhepunkt der Friedensbewegung dort den Dokumentarfilm „Fern vom Krieg" gedreht. Am 9. Mai 2017 lief im naxos.Kino eine Bestandsaufnahme nach 30 Jahren: „Vom Töten leben“.

Die Diskussion mit den Betroffenen sei nach dem zweiten Film weitaus sachlicher gewesen als vor 30 Jahren, sagte Landgraeber, dennoch hätten sie sich strikt gegen den Filmtitel ausgesprochen. „Aber Oberndorf produziert seit 200 Jahren Waffen. Millionen Menschen haben mit diesen Produkten Millionen Menschen massakriert. Deshalb habe ich auf dem Titel bestanden“, so der Regisseur. So werde alle Viertelstunde auf der Welt ein Mensch durch Waffen von Heckler & Koch erschossen. Auch hätten etwa G3-Präzisions-Gewehre eine jahrzehntelange Lebensdauer. Deutsche Wertarbeit werde somit zu „deutscher Tötungswertarbeit, die immer noch weltweit gehandelt wird“. Entstanden früher Kriege zum Großteil durch soziale Ungleichheit, so resultierten sie heute verstärkt durch pseudo-religiöse Motive.

Das bestätigte der 80jährige Ulrich Pfaff. Der ehemalige Diakon und Religionslehrer aus Altoberndorf erinnerte sich an die Friedenszeit in den 50er Jahren, die „für die Existenz unserer Stadt fast wie eine Bedrohung war“. Er hat den Übergang von militärischer zu ziviler Produktion miterlebt: „Wir haben unter anderem Näh- und Rechenmaschinen entwickelt. Auch haben wir über die Entwicklung von Dialysegeräten für den privaten Gebrauch nachgedacht. Konversion gab es demnach schon“, sagte der ehemalige Referent für Friedensdienste und Entwicklungspolitik beim gesamtkirchlichen Amt für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. (Konversion = Umstellung eines Rüstungskonzerns auf die Produktion ziviler Produkte, Anm. der Redaktion). Doch dann wurde die militärische Produktion wieder freigegeben.

Langraeber verwies in diesem Zusammenhang auf den letzten Besuch von Kanzlerin Merkel in Saudi-Arabien, bei dem die Saudis erklärten, keine Waffen mehr aus Deutschland kaufen zu wollen. Kein Wunder, meinte er, denn Heckler & Koch habe den Saudis eine Fabrik zur Eigenproduktion gebaut. Auch in den USA errichte das Unternehmen eine größere Unit für die Produktion von Pistolen und Sportgewehren, da dort kein Kriegswaffen-Kontrollgesetz bestehe.

Ob die aktuelle Verödung von Oberndorf die späte Strafe für die Waffenproduktion sei, wollte abschließend Wolf Lindner wissen. Dazu Friedensaktivist Paff: „Die Industrie hat sich rationalisiert. Die Arbeitsplätze sind von ehemals 20.000 auf nunmehr 800 abgebaut worden. Mit weniger Mitarbeitern kann H&K heute mehr als je zuvor produzieren und liefern und die Gewinne sind anscheinend gestiegen“.

Bildunterschrift:

v.l.n.r.: Regisseur Wolfgang Landgraeber sowie Ulrich Pfaff mit Ehefrau Renate aus Oberndorf, engagierte Kriegsgegner, die auch im Film vorkommen, sowie Moderator Wolf Lindner vom naxos.Kino.

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2017
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von links: Barbara Köster, Boubacar Sangaré, Dr. Antonia Witt (Foto: Jannis Gebken)

Im Anschluss an den Film, der am 2. Mai im Rahmen des Kooperationsprojektes "Dissidents on Stage" mit der Goethe Universität Frankfurt, Excellenzcluster Normative Ordersim naxos.Kino gezeigt wurde, diskutierten der Regisseur Boubacar Sangaré, Barbara Köster (naxos.Kino) und Dr. Antonia Witt (EXC) über die Folgen des Aufstands für Burkina Faso und die Möglichkeiten von Künstlerinnen und Künstlern, politische Protestbewegungen zu unterstützen.

Burkina Faso ist nur eines von vielen afrikanischen Ländern, in denen amtierende Regierungen versuchen, sich über die Manipulation von Verfassungen an der Macht zu halten. Und nicht überall ist Protest dagegen so erfolgreich wie in Burkina Faso. Boubacar Sangaré betonte, dass transnationale zivilgesellschaftliche Netzwerke dafür eine wichtige Rolle spielen können. Aus diesem Grund wurde der Film Une révolution africaine etwa mit Filmemachern aus verschiedenen westafrikanischen Ländern diskutiert und hat die Arbeit vieler Filmemacher aus der Region beeinflusst. Das Internet spielt dabei eine besondere Rolle. So wurde etwa der Großteil des Fimmaterials bereits während des Aufstands auf einer Online-Platform des Filmkollektivs Ciné.Droit.Libre veröffentlicht.

Ob die Revolution nun tatsächlich zu einem Wandel geführt hat, ist noch zu beurteilen. Sie hat aber in jedem Fall gezeigt, dass das Volk von Burkina Faso sich wehrt, wenn Machthaber glauben, es ignorieren zu können.

Das Filmgespräch wurde aufgezeichnet und kann unter dem unten stehendem Link aufgerufen werden.

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2017

Im Jahr 2003 zeigten wir den Film Fritz Bauer - Tod auf Raten in einer überfüllten Naxoshalle. Erstmals in unserer Kinogeschichte haben wir im Abstand von wenigen Tagen eine zweite Vorführung angesetzt und hatten 120 Reservierungen. Am Tag der Vorstellung hat uns völlig unerwartet die Regisseurin das Zeigen des Films verboten. Weil aber weit über hundert Besucher da waren, hatten wir ohne Filmvorführung ein 2 ½ stündiges „Film“gespräch.

Die Regisseurin Ilona Ziok hat in den vergangenen Jahren weiter am Gedenken an Fritz Bauer gearbeitet.

Hier die neuesten Informationen: Dem Fritz Bauer-Freundeskreis aus Braunschweig sowie unserer Filmproduktion ist es mit großartiger Unterstützung des Generalstaatsanwalts des Landes Brandenburg Prof. Dr. Rautenberg gelungen, eine Fritz-Bauer-Briefmarke in Auftrag zu geben. Der Entwurf stammt von dem Heidelberger Künstler und pensionierten Präsident der AdK Berlin Klaus Staeck.

Hier die Seite von Prof. Rautenberg, wo Sie lesen können, wie diese Briefmarke zu bekommen ist: http://www.erardo-rautenberg.de/briefmarke-fritz-bauer-motiv/.

Es wäre schön, wenn auch Sie diese Briefmarke nutzen würden, denn sie erinnert nicht nur an den Wegbereiter deutscher Demokratie Fritz Bauer, sondern sie ist mit dem Artwork von Klaus Staeck auch künstlerisch wertvoll

Wolf Lindner, naxos.Kino

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2017
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Ausverkauftes Haus im 25. April 2017 im naxos.Kino. Es läuft „Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Hat sich sechs Jahre nach der Filmpremiere etwas im Umgang mit der Zeit geändert, fragt naxos-Vorstand und Moderator Gerd Becker den Filmemacher Florian Opitz im anschließenden Filmgespräch. Speed als System habe sich nicht geändert, das Rad drehe sich nur schneller und extremer. Um etwas zu ändern, müssten wir an unserem Wohlstand kratzen. Insofern könne Verzicht zu Gewinn führen. Aber „der Film geht von einem Ich aus. Und ich bin kein Entschleunigungsberater. Deshalb gebe ich auch keine Tipps zur Zeitautonomie“, sagte Opitz.

In seinem Film präsentiert er sich als vielbeschäftigter Regisseur und Familienvater, der mit dem Handy telefoniert, während er das Kind anzieht. Zeitraffer-Aufnahmen zeigen ihn auf dem Fahrrad durch Kreuzberg rasen, mit dem Kaffee im Pappbecher in der U-Bahn, mit müden Augen vor dem Bildschirm. Wir sehen ihn in einer Kongresshalle beim Vortrag eines Zeitmanagement-Gurus und im Therapiegespräch bei einem Burnout-Experten. Bei Reuters erfährt er, dass Nachrichten für die Finanzwelt längst von Computern im Mikrosekundentakt generiert werden, weil das menschliche Gehirn dafür viel zu langsam ist. Zeitrafferaufnahmen von Menschenmassen und Verkehr untermalen die Interviews.

Ruhiger wird es erst, als Opitz sich auf die Suche nach alternativen Lebensmodellen begibt: ein ausgestiegener Investmentbanker und eine Schweizer Bergbauernfamilie. In Chile trifft er einen amerikanischen Multimillionär, der in Südamerika 900.000 Hektar Land gekauft hat, um es vor industriellem Raubbau zu schützen. Im Königreich Bhutan im Himalaja findet Opitz bestenfalls Anregungen, weil es in seiner Landesverfassung das persönliche Glück seiner Bürger über den wirtschaftlichen Profit gestellt hat. Schließlich meint er, dass wir einfach unsere Fantasielosigkeit überwinden müssten. Ob die Lösung nun Bruttonationalglück, Wachstumsverzicht, Grundeinkommen oder sonst wie heiße, sei „egal“. Entschleunigung sei in allen Richtungen offen. Sie erfordere allerdings einen Reifeprozess.

Ein solcher habe bereits zu zahlreichen Modellen geführt, wie etwa zu Dorf- oder Produktionsgemeinschaften, warf Becker ein. Vieles sei bereits projektiert worden, bestätigte Opitz. Aber die meisten Alternativmodell seien Kopfgeburten, die das bestehende Modell des Kapitalismus nicht sinnvoll ersetzen könnten. Er wolle mit seinem subjektiven Film lediglich Alternativen aufzeigen, wie sich gestresste Banker, gehetzte Berater oder techno-süchtige Freaks der Zwangsjacke Beschleunigung entledigt hätten.

Insgesamt drohe eine allgemeine gesellschaftliche Entfremdung durch einen gefühlten Mangel an Zeit, äußerten sich viele der Besucher. Allein der Begriff „Freizeit“ beinhalte eine Fremdbestimmung durch vorgestaltete und -geplante Organisation. Und geradezu ein Widerspruch in sich sei ein sog. Coaching für Leute, die aussteigen wollten.

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Moderator Gerd Becker (l.) mit dem Filmemacher Florian Opitz.

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2017
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Frankfurt am Main, 19. April 2017 – Drop City gilt noch heute als die erste ländliche Hippie-Kommune der 1960er-Jahre in den Vereinigten Staaten. Regisseurin Joan Grossman erzählt in ihrem Filmprojekt von den ersten Ideen, der Realisierung und letztlich dem Verfall der Künstlerkolonie. Am 18. April 2017 war sie zu Gast im naxos.Kino und diskutierte mit den Besuchern im Anschluss an den Film „Drop City“ aus der neuen Filmreihe „Protest.Widerstand.Aufstand.“. „Es war äußerst schwierig, ein Experiment, das über acht Jahre lief, in einem 80-minütigen Film zu zeigen“, sagte sie zu Beginn.

Grossmans Film erzählt die Geschichte der Filmemacherin JoAnn und Gene Bernofsky, den Künstlern Richard Kallweit und Clark Richert sowie Kreativen und Intellektuellen, die im Laufe der Zeit in Drop City ihre Heimat fanden. Die Einwohner konzentrieren sich auf Kunst, Architektur und eine nachhaltige Lebensweise. Philip Wallmeier von der Goethe-Uni, deren „Excellenzcluster Normative Orders“ Kooperationspartner der naxos.Kino-Gruppe in dieser Filmreihe ist, bezeichnete diese Idee als „gutes Beispiel für Protest und Widerstand“. „Die Ursprungsidee von Drop City war die einer ehrlichen Gemeinschaft“, bestätigte Grossman.

Ähnlich hätten sich zwischen 1965 und 1973 in den USA rund 600 Kommunen etabliert. Drop City gehörte zu den ersten dieser Art und hatte viele weitere Kommunen und experimentelle Projekte geprägt. Vor diesem Hintergrund fragte Moderator Andrej Bockelmann, ob es noch heute Kommunen oder gar „grüne“ Parteien in den Staaten gäbe. Daraufhin meinte die Regisseurin, dass die heutige gesellschaftspolitische Lage weniger für ein damaliges Argument des Verzichts spräche. Vielmehr hätten Technologie und Wissenschaft einen höheren Stellenwert in Sachen (Um-) Weltverbesserung. Und so etwas koste eben Geld. Obwohl Drop City letztlich scheiterte, habe das Beispiel Nachfolgern jedoch neue Impulse zur Weiterentwicklung der ursprünglichen Idee gegeben. So seien die frühen Experimente mit Sonnenenergie und Recycling längst von nachfolgenden Generationen aufgenommen worden. Zwar sei das Phänomen der Kommunen deutlich zurückgegangen. Dafür sei verstärkt eine neue Kultur des „Co-Housing“ mit Hilfe von Solarenergie, neuen Konstruktionsstrukturen und neuem Materialismus festzumachen. „Nur ist alles sehr viel teuerer“, sagte Grossman. Auch sei der Faktor Spaß heutzutage weitaus geringer ausgeprägt.

Immerhin habe Drop City acht erfolgreiche Jahre bestanden und sich gegenseitig mit anderen, damals entstehenden Kommunen positiv wie negativ beeinflusst. Die Bewohner waren zwar jung und entsprechend naiv, hatten jedoch eine soziale Struktur, die für eine Kommune notwendig ist. Die ursprüngliche Intention der Gründer, Drop City als einen Ort der Kunst und des intellektuellen Austausches zu schaffen, war am Ende allerdings verloren gegangen. Bereits 1969 hatten alle ursprünglichen Bewohner Drop City verlassen. Sie lebten teilweise in Nachfolgekommunen, deren Bau- und Lebensweise von Drop City inspiriert wurden.

Bildunterschrift:

v.l.n.r.: Modeartor Andrej Bockelmann, Regisseurin Joan Grossman und Philip Wallmeier vom Excellenzcluster Normative Orders der Goethe-Uni.

Das Filmgespräch wurde vom Excellenzcluster Normative Orders aufgezeichnet. Über den unten stehenden Link kann die Aufzeichnung angesehen werden.

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017
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Gut besucht war der Filmabend am 4. April. Mit CITIZENFOUR lief der erste Film in der sechsteiligen Reihe, die das naxos.Kino zusammen mit der Goethe Universität Frankfurt, Forschungsgruppe Internationale Dissidenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen", zeigt.

Schon um 19 Uhr erfolgte eine Einführung in die Reihe mit dem Titel „Dissidents on stage. Protest. Widerstand. Aufstand“ durch den Projektleiter Prof. Dr. Christopher Daase und Rebecca Schmidt, Geschäftsführerin des Excellenzclusters. Eine Übersicht über die sechs Filme gab Maik Fielitz vom Excellenzcluster.

Gerd Becker, Vorstandsmitglied des naxos.Kino-Dokumentarfilm & Gespräch e.V., begrüßte die Gäste und freute sich über die gelungene Kooperation zwischen der naxox.Kino-Initiative, die ausschließlich durch ehrenamtlich engagierte FilmfreundInnen getragen wird, mit dem renommiertem Institut der Goethe Universität. Gemeinsames Anliegen ist es, über Dokumentarfilme aus unterschiedlichen Ländern Widerstandsbewegungen in ihrer Entstehung und in ihrem Wirken vorzustellen. Die jeweils anschließende Diskussion mit den Filmemachern und Experten aus dem Excellenzcluster entspricht dem seit zwölf Jahren im naxos.Kino umgesetzen Konzept, den Besuchern nach jedem Film eine vertiefte authentische Beschäftigung mit der Filmthematik zu ermöglichen.

Nachdem der Film gezeigt wurde, gab es denn auch ein sehr interessantes Filmgespräch mit Dirk Wilutzky, dem Produzenten von CITIZENFOUR, Martin Schmetz vom Excellenzcluster und mit Moderator Wilfried Volkmann, naxos.Kino.

Die Einführung und das Filmgespräch wurden per Video vom Excellenzcluser aufgezeichnet und können über den untenstehenden Link angesehen werden.

Der nächste Film in der Reihe ist „Drop City“ (2012), zu dem wir die Produzentin Joan Grossmann, New York City, erwarten sowie Philip Wallmeier vom Excellenzcluster und den Filmemacher und Produzenten Andrej Bockelmann, naxos.Kino. Diesen Film können Sie am Dienstag, 18. April um 19.30 Uhr im naxos.Kino sehen - bei freiem Eintritt.

 

 

 

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2017
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Frankfurt am Main, 7. April 2017 – Während der Mitgliederversammlung des naxos.Kino – Dokumentarfilm und Gespräch e.V. haben die Anwesenden am 6. April 2017 einen neuen Vorstand gewählt. Er besteht aus Gerd Becker, der mit 85 Prozent der Stimmen wieder gewählt wurde, dem neuen Vorstandsmitglied Hilde Richter, die 90 Prozent der Stimmen erhielt, sowie Kassenwärtin Renate Krömer, die mit 95 Prozent zum gleichberechtigten Vorstandsmitglied gewählt wurde. Die Wahlen erfolgten in offenen Abstimmungen. Zuvor hatten die Mitglieder den alten Vorstand, bestehend aus Gerd Becker, Herbert Grohr und Renate Krömer, entlastet und den Jahresabschluss 2016 genehmigt.

Vorstands- und Vereinsarbeit optimieren

In seinem den Wahlen vorausgehenden Vorstandsbericht über das Jahr 2016 betonte Becker, dass sich extern die neue Kinoreihe „Theaterfilm“ erfolgreich bei den Besuchern etabliert habe. Intern habe die neue Homepage zu einer effizienteren Zusammenarbeit beigetragen. Neben allen Erfolgen – wie etwa die Organisation von Festivals im Kinoprogramm – meinte er jedoch selbstkritisch, dass die Vorstands- wie auch die Vereinsarbeit intern wie extern optimiert werden müsse.

Herbert Grohr, Technischer Leiter und Ex-Vorstandsmitglied, nannte als Erfolgsbeispiel die neue Abspieltechnik, die „nach Leistungskriterien einer 1A-Hardware“ entspreche. Auch die neue Datenbank sei erfolgreich in die Website integriert und erleichtere die interne Kommunikation wesentlich.

Bei ihrem Amtsantritt als Finanzvorstand Mitte 2016 hatte Renate Krömer bereits die Notwendigkeit gesehen, weiterhin Förderanträge stellen zu müssen. Ein Förderantrag für eine Filmreihe beim Amt für multikulturelle Angelegenheiten wurde zwar Ende 2016 gestellt, aber leider abgelehnt. Die derzeitige finanzielle Lage bezeichnete sie als "ausgeglichen".

Nach Worten des ehrenamtlichen Geschäftsführers Wolf Lindner hat der Verein 2016 „alle wesentlichen Ziele erreicht“. Besonders hervor hob Lindner das neue Filmprojekt in Zusammenarbeit mit der Goethe-Uni, das in der Filmreihe „Protest.Widerstand.Aufstand.“ mündete sowie die Realisierung der neuen Vereins-Homepage.

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Der neue Vorstand des naxos.Kino – Dokumentarfilm und Gespräch e.V. von links nach rechts: Renate Krömer, Gerd Becker und Hilde Richter.

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2017

Frankfurt am Main, 12. April 2017 – „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“ von Peter Weiss zählt zu einem der Schlüsseltexte der deutschen Nachkriegsgeschichte. 1967 ist es von Peter Brook mit der Royal Shakespeare Company verfilmt worden. Am 11. April 2017 zeigte das naxos.Kino die Verfilmung in der Reihe „Große Theaterfilme“. Es geht bei Weiss um die Frage, welche Revolution ausgerufen werden soll: die soziale eines Marats oder die individuelle eines de Sades. Aus dem Kampf um die „richtige“ Revolution geht schließlich Marat als knapper Sieger hervor.

Karlheinz Braun, ehemaliger Lektor von Peter Weiss und Leiter des Suhrkamp-Theaterverlags, bezeichnete den Film während der anschließenden Podiumsdiskussion als „wüstes anti-Bourgois-Drama mit Pantomime, Musik und Choreografie“. Es handele sich nicht um gefilmtes Theater, sondern um einen großen Kinofilm. Der Theatermacher Jürgen Flügge erinnerte sich an den Tag, an dem er den Film zum ersten Mal sah: Der ehemalige Dramaturg im Theater am Turm war damals „erschlagen vom Feuer“ des Films und nannte ihn eine Theater-Pranke. Darin würden Spaß und Grauen geschildert, fast wie im Vaudeville, nur härter und raumgreifender. Insgesamt ein revolutionärer Film über die Revolution. Was aber haben Deutsche mit Revolution zu tun, fragte Willy Praml, Theatermacher, Regisseur, Mitgründer und Leiter des Theater Willy Praml in der Naxos-Halle. Revolution führe zu Anarchie, zumindest im Theater. Heute gebe es diese Form von Theater kaum mehr. „Die Vorlage kommt zu didaktisch, zu wiederholend daher, aber sieht man den Film, so ist es großes Theater“, sagte Praml. Weiss habe eine Bombe gelegt in die restaurative Kultur, so das Fazit von Moderator Werner Heinz, „nach 50 Jahres ist es so packend wie damals“.

Dazu Stimmen seitens der Besucher: „Aufgrund der aktuell gesunden Wirtschaftslage besteht in Deutschland kein Grund zu einer Revolution“, „Eine Revolution muss aus der Zukunft kommen, aber man weiß nie, wohin sie einen führt“, „Wie sollen wir denn eine Revolution betreiben?“. Ein Besucher warnte davor, den Film in die Hände des IS fallen zu lassen. Ein anderer meinte, zum „Thema aufschlitzen, verbrennen, foltern“ hätten die Europäer bereits alle Facetten von Gewalt angewandt. Beim Stichwort Revolution meinte Moderator Heinz, hier setzten sich Masse und Dynamik derart durch, dass sie nicht mehr steuerbar seien. Willy Praml steuerte schließlich dem Ende des Filmgesprächs entgegen, als er meinte: „Eigentlich ist alles schon gesagt“.

 

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2017
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Frankfurt am Main, 21. März 2017

Die Entwicklung John Lennons zum Antikriegsaktivisten war im Anschluss an den Dokumentationsfilm das Diskussionsthema. Gerd Becker, Vorstandsmitglied der naxos.Kino-Gruppe, und Holger Marcks vom Excellencecluster Normative Orders der Goethe-Uni sprachen mit den Gästen.

Bereits Ende der 1960er-Jahre beginnt die politische Radikalisierung Lennons. Gemeinsam mit Yoko Ono organisiert er Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, die berühmten "Bed-Ins" in Amsterdam und Montreal und schafft mit „Give Peace a Chance" die Hymne der Friedensbewegung. Lennon klinge moralisierend mit seiner permanenten Forderung nach Frieden, meinte Gerd Becker, betonte aber, dass die Thematik noch heute aktuell sei.

Lennon schreibt vor allem politische Protestlieder. Darin thematisiert er unter anderem den Aufstand in der Attica Correctional Facility, die Black Panther-Bewegung, den Nordirlandkonflikt und den Dichter und Anarchisten John Sinclair, der 1969 in den USA wegen des Besitzes von zwei Marihuana-Zigaretten zu zehn Jahren Haft verurteilt wird. Lennon lässt sich in dieser Zeit aber auch von dem Anarchisten Jerry Rubin, dem Polit- und Sozial-Aktivisten Abbey Hoffmann und dem Performance-Künstler David Peel politisch instrumentalisieren, von denen jedoch keiner eine nachhaltige Politikstrategie hat.

Die deutsche Linke mit ihrem Radikalisierungsprozess ab 1968 habe Lennons Engagement eher als „eine lächerliche Performance“ abgetan, meinte Holger Marcks. Während die amerikanische Linke eher von einem Hippie-Anflug charakterisiert gewesen sei, sei die Gegenkultur in Frankreich und Deutschland weitaus radikaler ausgeprägt gewesen: „In den USA war der bewaffnete Kampf etwa der Black Panthers weitaus geringer als etwa in Deutschland“.

Die Besucher waren der Ansicht, dass Lennon aufgrund seines ausgeprägten Engagements für die Black Power-Bewegung von der Nixon-Regierung gezielt in die radikale Ecke gedrängt wurde, um ihn zu neutralisieren. „Die USA verfügten schon damals über einen ausgeprägten Mechanismus, mit dem Menschen manipuliert werden können“, unterstricht Gerd Becker. Allerdings war die Black Panther Party damals schon gespalten und hatte somit wenig oder nur ein vorübergehendes Gewicht.

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2017
Wegen der Neubauten auf dem Naxos-Gelände ist der Haupt-Zugang zur Naxoshalle momentan nur über die Waldschmidtstraße möglich! (gegenüber dem Mouson Turm)
Einzelne Besucher können seit kurzem auch den Durchgang Wittelsbacher-Allee Nr. 29 benutzen - ob als dauerhafte Lösung muss noch geklärt werden.
Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2016