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Bild: Der Frankfurter Musiker Matthias Baumgardt (r.) demonstrierte den Besuchern eindrucksvoll, dass und wie er sein Instrument beherrscht. Daneben naxos-Moderator und Filmpate Winfried Volkmann. 

 

„Warum soll ich mir teure E-Gitarren kaufen, wenn ich den angestrebten Sound auf einer selbstgebauten oder gar Kaufhausgitarre hinkriege?“ Mit dieser Frage leitete Matthias Baumgardt (55), Profi-Musiker und von 1979 bis 1984 Mitglied der Frankfurter Band „Straßenjungs“, das Filmgespräch am 12. Juni 2018 im naxos.Kino ein. Zuvor war die Davis Guggenheim-Doku „It might get loud“ gelaufen. Darin hatte der Regisseur drei Rockgitarristen der Musikgeschichte eingeladen, um ihre Findungswege zur Gitarre aufzuzeichnen: Jimmy Page (Ex-Led Zeppelin), The Edge (U2) und Jack White (Ex-Raconteurs und -White Stripes). Und es wurde tatsächlich laut, sowohl im Film als auch während des anschließenden Filmgesprächs. Denn Baumgardt hatte neben seiner Gitarre einen kleinen Vox-Verstärker inklusive Wah-Wah-Pedal und Echo im Gepäck. Damit sorgte er für einen Sound, der den Besuchern eine Gänsehaut über den Körper spannte. 

„Der Film spricht mir aus der Seele“, bekennt Baumgardt. So sei Jimmy Page in allen Fragen der Performance absolut geübt, beherrsche The Edge die Echos wie kaum ein anderer und hole Jack White aus einer selbstgebauten Gitarre das heraus, worauf es in der Rockmusik ankomme. Dann gibt er selbst eine Kostprobe zum Besten. Mit „Hilfsmitteln“ wie Wah-Wah-Pedal und Echo-King halt ein Rhythmus durch die Naxos-Halle nach, auf den er ein eindrucksvolles Solo legt: „Kein Teufelswerk, sondern schlichtes Handwerk“, merkt er an. 

Naxos-Moderator Wilfried Volkmann zitiert Jack White aus dem Film, wonach „jeder Gitarre spielen kann“, wie das Beispiel eines Zehnjährigen im Zusammenspiel mit White im Film belege. Baumgardt stimmt zu, seine Mutter habe ihn  inspiriert, indem bei Familientreffen immer Musik gemacht wurde. Ein sog. Riff – die kurze Abfolge einer sich immer wiederholenden Melodie – sei die Grundvoraussetzung für einen guten Song. Einen solchen könne man aber nicht erzwingen, sondern erst über Arbeit kreieren. „Irgendwann springt dann der Funke über und auf dieser Basis entsteht etwas“. Aber wenn dann im Studio das rote Licht leuchte, so der Gitarrist, sei es mit der Improvisation vorbei: „Dann wird Perfektion angestrebt“. 

Baumgardt besitzt nach eigenen Angaben „ein paar enachtziger Gitarren“. Da er feststelle, immer mehr zu seinen selbstgebauten zu tendieren, müsse er jetzt reduzieren, obwohl verschiedenartige Gitarren  auch stets für verschiedene Musikstile erforderlich seien. Und zum Schluss wird es nochmal laut. Der Musiker haut das Riff von „Whole lotta love“ raus. Der Sound füllt die Naxoshalle. Die Besucher grooven mit. Der anschließende Applaus ist genauso laut. „Sagenhaft“, so ein Besucher an der Theke.

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2018
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Foto: naxos.Kino Moderatorin Barbara Köster (l.), Jochem Hendricks (r)

Die Diskussion nach dem Film Leaning into the Wind drehte sich schnell sowohl zwischen dem Gesprächsgast Jochem Hendricks (Künstler und Kritiker aus Frankfurt) und der Moderatorin Barbara Köster als auch mit den BesucherInnen um den Kunstbegriff im Werk des Landart Künstlers Andy Goldsworthy. Für Hendrix ist der heute gezeigte Film selbst Teil der medialen Inszenierung des Künstlers und er sieht die Leistung und den Anspruch von Goldworth vor allem darin, Erfindungen und Formen der Kunst in die Natur zurück zu führen. Er macht die großen Leistungen der Landart gewissermaßen gartentauglich.

Goldsworthy könne vom Anspruch als Schamane gesehen werden, der unbestimmte Rituale im Kontakt mit der Natur inszeniert. Dahinter steht dann auch die Ablehnung des klassischen Kunstkontextes, wie die Präsentation von Objekten in Ausstellungen und Museen, wo sich seine Ergebnisse auflösen würden. Gleichwohl verstehe es Goldsworthy ganz gut, seine Kunstform zu vermarkten, wie etwa durch die zahlreichen Bildbände und eben auch den Film.

Barbara Köster hat sich beim Betrachten der zahlreichen Kunstaktionen im Film gefragt, ob sie jeweils einen Sinn dahinter entdecken kann. Für einen Besucher ist es eher ein Perspektivenwechsel, den Goldsworthy unternimmt, den „von der Hecke aus“, während eine andere Besucherin mitteilt, dass sie unabhängig von diesen Überlegungen den Film „einfach nur genossen“ hat.Kontrovers wird unter den BesucherInnen und im Podium auch diskutiert, ob und welchen Respekt oder Tabus Goldsworthy im Hinblick auf seine Eingriffe in die Natur hat.

Schließlich dreht sich die Diskussion auch um die Kommerzialisierung der Kunstaktionen. Dies ist einmal für viele Künstler eine Notwendigkeit zur Existenzsicherung und kann bei großen Erfolgen und Einnahmen auch dazu genutzt werden, die Kunst weiter zu entwickeln.

Hendricks sieht, dass Goldsworthy in seiner Entwicklung entsprechend auch immer größere, umfangreichere Projekt gemacht, jedoch sich qualitativ nicht weiterentwickelt hat.

Eine weitere kritische Anmerkung geht dahin, dass er sich teilweise in spirituelle, religiöse Szenarien begibt, aber nicht erkennbar ist, dass damit eine Sinngebung einher geht.

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2018
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Bild: „Der Dokumentationsfilm „Der Fahrradkrieg – Kampf um die Straßen“ sorgt am 22. Mai für ein volles Haus im naxos-Kino. Die Diskussion zwischen den Filmgästen und den Besuchern veranschaulicht Gesprächsbedarf zum Thema: Mehr als eineinhalb Stunden dauert die Diskussion über die Bedürfnisse von Fußgängern, Fahrrad- und Autofahrern im städtischen Verkehr mit v.l.n.r.: Verkehrsdezernent des Frankfurter Magistrats Klaus Oesterling (SPD), Wolfgang Siefert (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses der Stadt Frankfurt, naxos-Moderator Wolf Lindner, Bertram Giebeler, Verkehrspolitischer Sprecher Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main e.V. (adfc), Heiko Nickel, Verkehrspolitischer Sprecher Verkehrsclub Deutschland (VCD Hessen e.V.), und Sylke Petry, Fuss e.V., Hessen.. 

 

Die Zahl der Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern in Frankfurt nimmt im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2016 zwar ab, doch die Zahl der Schwerverletzten nimmt zu. Fußgänger laufen, Radfahrer fahren bei Rot über die Straße, Autofahrer sind zu schnell unterwegs. Autos belasten darüber hinaus mit ihren Abgasen nicht nur die Luft, sie benötigen auch sehr viel Platz. Zudem können sie Menschen verletzen oder gar töten. Es wird deutlich, wie sich vor allem in Städten die Mobilität ändern muss, wenn sich etwas verändern soll. Zu dieser Problematik sitzt am 22. Mai 2018 eine illustre Diskussionsrunde auf dem Podium im naxos-Kino. Laut Sylke Petry vom bundesweit aktiven Fachverband Fußverkehr, kurz: Fuss e.V., Darmstadt, soll jeder in der Stadt Spaß haben am zu Fuß gehen. Heiko Nickels Verkehrsclub Deutschland engagiert sich für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit Interessenausgleich von U- und S-Bahnen, Bussen, PKW, Fahrrädern, Fußgängern und der umweltbewussten Nutzung des Autos. Bertram Giebeler versteht seinen Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (adfc) als Interessenvertretung der Radfahrer. Für Wolfgang Siefert, Verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Römer, kommt es auf ein gleichberechtigtes Miteinander von Fußgängern, Radfahrern und öffentlichem Nahverkehr an. Klaus Oesterling, Frankfurter Stadtrat und Verkehrsdezernent, besitzt nach eigenen Angaben weder Auto noch Führerschein („habe ich nie gemacht“) noch Dienstwagen, weiß aber, „wie man sich durch die Stadt bewegt“. 

Studien bzw. Erhebungen über die Mobilität sämtlicher Verkehrsteilnehmer verschwinden laut Oesterling in den meisten Fällen nach zwei Jahren in der Schublade. Politische Entscheidungen mit Zustimmung aller drei Frankfurter Regierungs-Parteien (wie z.B. über die Sanierung der Textorstraße in Sachsenhausen) gingen in der Regel zu Lasten entweder der Anlieger, Rad- oder Autofahrer. Das Problem dabei sei der vorhandene öffentliche Raum, der von einer politischen Mehrheit geplant werden müsse, meinte Bertram Giebeler. Sanierung sei dabei immer eine Chance, denn Geld sei ausreichend vorhanden. Aber: „Wir kommen nur weiter, wenn wir dem Autoverkehr Fläche nehmen“. Heiko Nickel zufolge wird die Mobilität auf den Straßen immer wichtiger. Deshalb müsse der öffentliche Raum vernünftig aufgeteilt werden. Städtische Autos stünden oft wochenlang an der gleichen Stelle, weshalb „parkende Autos in den Städten nichts zu suchen haben, außer für Handwerker und Lieferverkehr“. Giebeler pflichtet dem bei, indem er dafür plädiert, dass „Verkehrsmittel mit dem geringsten Platzanspruch bevorzugt werden müssen“. Sylke Petry verweist darauf, dass die Verkehrssicherheit auch vom Parken im öffentlichen Raum abhänge: „Auch Senioren und Kinder müssen in den Städten bequem zu Fuß gehen können, dies wird oft durch illegal auf dem Gehweg geparkte Autos verhindert“. 

Zugeparkte Radwege seien die Regel und bildeten Gefahrenquellen. Viele Menschen wüssten zwar, dass Radfahren gesünder und vernünftiger sei, trauten sich aber wegen der großen Gefahren nicht mit dem Rad in den Verkehr, heißt es seitens der Besucher. Siefert fordert dazu auf, Unterschriften für den Radentscheid zu sammeln. Oesterling kritisiert hingegen zunehmend wild abgestellte Leihräder, die gleichermaßen ein öffentliches Ärgernis bildeten. Nickel kritisiert, man könne in Frankfurt nicht annehmbar Rad fahren, woraufhin er vernünftige Lösungen für Radler fordert. Deshalb müsse seiner Meinung nach ein Mobilitätskonzept helfen, Platz zu sparen. „Das muss in einer laufenden Legislaturperiode der Dreierkoalition zu bearbeiten sein“. 

Wird der zunehmende Radfahrerfluss – wie etwa in Kopenhagen – auf Flächen des Fußverkehrs gelenkt, so empfindet ihn Petry auch als Bedrohung für Fußgänger: „Auf Gehwegen ist entspanntes Bewegen angesagt, hier muss Fortbewegung in Schrittgeschwindigkeit ohne permanente Aufmerksamkeit möglich sein. Das muss bei Planungen berücksichtigt werden“. Jedoch sind vorhandene Straßen im Allgemeinen Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte alt. Sie nähmen laut Nickel etwa 90 Prozent des öffentlichen Raums ein, „deshalb brauchen wir endlich neue Konzepte“. Einfach nur Schilder mit der Aufschrift „Fahrradstraße“ aufzustellen, funktioniere nicht, so Siefert. Deshalb fordert Giebeler innerstädtisch ein Konzept „Fahrradstraße reloaded“. Oesterling nennt die zahlreichen Öffnungen gegen den Verkehr in Einbahnstraßen als Beispiel, um den Radfahrern entgegen zu kommen, was aber auf Dauer keine befriedigende Lösung sei. 

Was künftig realisierbar sei, fragte Moderator Wolf Lindner nach. Dazu die Besucher: Ampelschaltungen müssten pro Radfahrer eingestellt werden, das Beispiel Dänemark zeige seit langem ein weitaus positiveres Verhältnis zwischen Fußgängern, Rad- und Autofahrern, Autofahren müsse in der Innenstadt langsamer werden, sämtliche Verkehrsteilnehmer sollten mehr Rücksicht aufeinander nehmen, um mögliche Aggressionen von vornherein zu entspannen, denn „Grün heißt nicht sicher, deshalb nehmen die Konflikte zu“. 

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2018
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Am Nachmittag des Samstag, 9. Juni werden ab 14 Uhr im Kino in der Naxoshalle 5 Kurzfilme von jungen Frankfurter Filmemachern gezeigt. Ein Gespräch mit den Filmemachern ist danach vorgesehen.

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2018
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Bild:  Eine engagierte und kontroverse Diskussion zwischen den Gesprächsgästen Stefan Jäger (l.), Abteilungsleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Frankfurt, der Frankfurter Autorin und Regisseurin Ina Knobloch sowie den Besuchern moderierte Gerd Becker (r.) im Anschluss an den Film „Free Speech“. 

Die Frage, wie Rede- und Meinungsfreiheit in einer Demokratie aussehen sollte, können auch die Protagonisten des gezeigten Films nicht endgültig beantworten. Engagiert und teilweise kontrovers verlief dann auch die Diskussion zwischen den Besuchern und den beiden Gesprächspartnern im Anschluss an den Dokumentarfilm „Free Speech“ am 15. Mai 2018 im naxos-Kino. Problematisch an der Meinungsfreiheit sei die Sprache bei der Informationsübertragung, betonte naxos-Moderator Gerd Becker, indem er auf das aktuell kritisch diskutierte „Sozial-Kreditsystem“ Chinas verwies, das jedem der rund 1,2 Milliarden Menschen durch Überwachung ein Punktekonto nach sozialer, wirtschaftlicher und politischer Tauglichkeit erstellt. Er bezeichnete es als „orwell´sche Krisenprävention“. 

Die Frankfurter Autorin und Regisseurin Dr. Ina Knobloch hatte einen „beobachtenden Film mit gut ausgewählten Interview-Partnern“ gesehen, mit dem Ziel, „die Demokratie nicht zu gefährden“. Stefan Jäger, Abteilungsleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Frankfurt, sah dagegen einen „problematischen Film“, dessen zielführende Absicht er nicht erkennen konnte: „Meine Erwartung hat er nicht erfüllt“. Becker hob hervor, dass der Film zwei Aspekte behandele: 1. Redefreiheit als Kern von Demokratie, 2. die Auswirkungen neuer Medien auf die Demokratie. 

Knobloch zufolge seien Gesetze zur Einschränkung der Redefreiheit richtig, um mögliche Informationsmanipulationen zu verhindern. Den idealen Weg dorthin habe der Film jedoch auch nicht aufzeigen können. Redefreiheit sei einzuschränken, wenn zum Beispiel der Holocaust verleugnet würde, schloss sich Jäger an. Mitbedenken müsse man jedoch, dass es stets um einen „ungehinderten Zugang zu Informationsquellen“ gehe, ergänzte Becker. 

Dass Einschränkung der persönlichen Meinungsäußerung immer wieder vorkämen, sagte ein Betroffener aus dem Publikum, was die Gesprächsrunde bestätigte. Wichtig vor diesem Hintergrund sei eine Erziehung in puncto digitalisierter Wissensverbreitung, so ein Besucher. Über eine Einschränkung der persönlichen Meinungsäußerung beklagte sich der Besucher Abraham Melzer. Ihm wurden nach eigenen Angaben mehrmals Räume durch die stadtnahe Saalbau verweigert, als er dort im Zusammenhang mit der Frankfurter Buchmesse 2017 eine Lesung aus seinem aktuellen Buch durchführen wollte. Obwohl diese Verbote zweimal einer gerichtlichen Überprüfung nicht standgehalten hatten, verweigerte man dem Autor des Buches die Möglichkeit, seine Meinung in Räumen der Saalbau zu äußern. Begründung: die darin enthaltenen Kritik an der Politik des Staates Israel. 

Der Film sei zwar „rührend“, aber wirkliche Probleme der Rede- und Informationsfreiheit würden nicht thematisiert, hieß es an anderer Stelle. Jäger forderte deshalb, den „seriösen“ Journalismus zu unterstützen und zu fördern: „Kompetenter Journalismus braucht nicht nur Zeit für Recherche und Geld, sondern auch die Möglichkeit, die Ergebnisse zu veröffentlichen“. Knobloch stimmte dem grundsätzlich zu, nannte jedoch ein Bespiel für Zensur innerhalb der öffentlich-rechtlichen Sender. Danach wurde der Film „Ausgewählt und ausgegrenzt" trotz intensiver Recherche und hoher Kosten wegen Israel-Freundlichkeit nicht gesendet. Sie bezeichnete das Beispiel jedoch als nachvollziehbar: „Niemand in Deutschland bemüht sich besser, ausgewogen zu berichten als der ÖR-Rundfunk“. 

Thema des gezeigten Films sei die Bedeutung von Meinungsfreiheit, bestätigte Becker, nicht aber die Freiheit der Medien. „Wir haben die sozialen Medien noch gar nicht unter Kontrolle“, stimmte Knobloch zu. So genannte „Geldgeber“ könnten eine Meinung viral verbreiten lassen, für oder gegen eine Person, eine Ideologie, gar gegen einen Staat: „Da brauchen wir Gesetze, die derartiges verhindern“. Die Besucher waren sich einig, dass nur glaubwürdige Informationen zur Meinungsbildung führten. Verschwörungstheorien müssten aufgedeckt werden. Zu diesem Zweck sei es erforderlich, persönliche Daten aus sozialen Netzen anzufordern, um deren schutzlose Verwendung zu verhindern. Meinungsfreiheit könne auch in demokratischen Staaten, Organisationen und Institutionen noch nicht immer und überall gelebt werden.

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2018
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Bild: naxos.Kino Moderator Gerd Becker (r.) diskutierte mit Prof. Thomas Elsaesser (M) und Dr. Konrad Elsaesser (l.) sowie den Besuchern über den Film „Die Sonneninsel“.

In den 1920er Jahren steht Liesel Elsaesser zwischen zwei Männern: Sie ist mit dem Architekten Martin Elsaesser verheiratet, liebt aber gleichzeitig den Architekten Leberecht Migge. In seinem Essayfilm „Die Sonneninsel“ schildert Thomas Elsaesser, Enkel von Martin, die Liebes- und Familiengeschichte unter Verwendung privater Filmaufnahmen und Dokumente aus dem Familienarchiv. Das naxos-Kino zeigte den Film am 8. Mai 2018. Martin Elsaesser (1884-1957) prägte als Stadtbaudirektor (1925 bis 1935) von Frankfurt die Architektur der Stadt (insbesondere die Großmarkthalle) entscheidend. Leberecht Migges' Interesse hingegen galt hauptsächlich der Garten- und Landschaftsarchitektur. Auf der „Sonneninsel" in der Nähe von Berlin versuchte er mit Liesels Unterstützung, seine Idee von sozialem Ausstieg und Selbstversorgung umzusetzen. Dort begegneten sich auch die beiden Männer. Zum Filmgespräch kamen zwei Gäste aus der Familie. Thomas Elsaesser (75) ist Professor für Film- und Fernsehwissenschaften an der Universität von Amsterdam. Als Enkel des Architekten Martin Elsaesser ist er ein Vertreter der internationalen Filmwissenschaft, dessen Bücher und Essays in mehr als 20 Sprachen erschienen sind. Neben ihm saß Konrad Elsässer (70), Großneffe von Martin Elsaesser. Er ist Geschäftsführer der Martin-Elsaesser-Stiftung, einer 2009 in Frankfurt gegründeten, gemeinnützigen Einrichtung, die dem ideellen und baulichen Erbe Martin Elsaessers verpflichtet ist.  Themenmittelpunkt ist die Reflexion der konträren architektonischen Konzepte Elsaessers und Migges: hier das Bauen im Geiste des kapitalistischen Wachstumsdenkens, dort eine Stadtplanung, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist und auf Ideen zurückgeht, die bis heute in der grünen Bewegung fortleben. „Ausgangspunkt für den Film war die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), das von ihr erworbene Gebäude der Frankfurter Großmarkthalle, das unter Denkmalsschutz steht, so stark baulich zu verändern, dass dessen architektonische Integrität gefährdet war“, sagte Thomas Elsaesser. Eine von Frankfurter Architekten eingeleitete Aktion „Rettung der Großmarkthalle“ wandte sich an die Nachfahren des Architekten Martin. In einer außergerichtlichen Einigung zwischen EZB, Stadt Frankfurt und den Elsaesser-Nachfahren verpflichteten sich die drei Parteien, das künstlerische Erbe dieses wichtigen Architekten des „Neuen Frankfurt" zu bewahren. Zu diesem Zweck wurde die Martin-Elsaesser-Stiftung ins Leben gerufen, die mit Ausstellungen und Publikationen an die Öffentlichkeit tritt. So entstand auch die Idee des Dokumentarfilms, der das Schaffen Martin Elsaessers wieder ins Gedächtnis rufen soll. „Als Medienhistoriker habe ich einen professionellen Produzenten beauftragt, den Film zu machen“, so Thomas Elsaesser. Die Recherche habe acht Jahre, die anschließende Produktion weitere zwei Jahre in Anspruch genommen. Früher hätten die Schmalfilme ausschließlich Familienbezug gehabt, erst später habe er die Dokumentation des Migge’schen Nachhaltigkeitsprojekts wie auch des Werbens um die zukünftige Ehefrau in den Filmen seines Vaters entdeckt. „Es handelt sich um eine Kombination aus Briefen, Gedichten und gesprochenen Worten“, ergänzte Konrad Elsaesser. „Man kann es aber auch als tragische Fabel erzählen: ein Mann stiehlt einem anderen die Frau, entführt sie auf eine Insel, stirbt aber bald, sodass der Andere zwar wieder mit seiner Frau lebt, aber im Schatten seines toten Rivalen“, so Thomas Elsaesser. Auf die Frage von naxos-Moderator Gerd Becker , wie denn die anderen Familienmitglieder aus dem Film auf die sehr privaten Bildern reagiert hätten, meinte der Regisseur, sie hätten die damaligen Verhältnisse „jeder innerhalb seines eigenen Familienverbands mitbekommen, und da divergierten die Erinnerungen der Nachfahren der Töchter von denen der Söhne“. Die Reaktionen von Filmbesuchern Osteuropas, vor allem aus ehemalig von Nazis besetzten Ländern, sei hingegen „geprägt von der Neugier, wie die Deutschen selbst den Krieg erlebten, und wie die Arbeit auf eigenem Boden mit Selbstversorger-Ideologie durchaus als Widerstand gegen Diktatur und Kollektivismus verstanden werden kann“. In den USA habe sich das Interesse auf die „Komplexität der Familiengeschichte“ konzentriert. In London etwa sei er mit der Aussage konfrontiert worden, „Ihr seid doch alle Nazis gewesen, oder?“, wo hingegen in Los Angeles Reaktionen zu hören waren, wie „der Regisseur setzt hier seinen Vater als Regisseur ein“. Technisch sei der Film über „die Wunder des Digitalen“ möglich gewesen: „Bilder nicht größer als ein Fingernagel werden auf der großen Leinwand wieder lebendig.“ Die Lebensgeschichten der circa zwölf Personen, die damals auf der „Insel“ lebten oder sie besuchten, seien hochinteressant, aber hätten den thematischen Rahmen des Films gesprengt, räumte der Regisseur ein. Das wolle er künftig vielleicht noch einmal „intensiv aufarbeiten“. Seitens der Besucher hieß es, einen solchen „dichten Film mit so viel Material geschaffen“ zu haben, sei schon „grandios“.  ]Die Frage kam von einem Zuschauer

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2018
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Bild: naxos-Moderator Wolf Lindner und seine Filmgäste Hans Ulrich Fischer (Mitte), IG Metall-Bildungszentrum, Sprockhövel, und Friedhelm Hengsbach, prominenter Vertreter der katholischen Sozialethik.

 

Arbeit ist mehr als Broterwerb, sie ist Religion geworden. Regisseur Konstantin Faigle (1971-2016) hatte 2012 einen Dokumentarfilm gedreht, der zur Senkung der Arbeitsmoral beitragen soll. Passend zum „Tag der Arbeit“ lief sein Film „Frohes Schaffen“ am 1. Mai 2018 im naxos-Kino. 

Zum anschließenden Filmgespräch hatte naxos-Moderator Wolf Lindner zwei kompetente Gesprächspartner eingeladen. Friedhelm Hengsbach  war bis zu seiner Emeritierung 2005 Professor für Christliche Sozialwissenschaft bzw. Wirtschafts- und Gesellschaftsethik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Hans Ulrich Fischer ist im Audio-visuellen Zentrum (AVZ) des IG Metall-Bildungszentrums Sprockhövel zuständig für die Herstellung von Bildungsfilmen. 

Arbeit als Religion zu bezeichnen, habe ihn am Film gestört, meinte Hengsbach. Auch zeige der Film nur Extremfälle. Normale Werktätige tauchten nicht auf. „Das ist nicht die Welt, in der wir leben“, sagte der katholische Sozialethiker und Jesuit. Kritisch äußerte sich auch Fischer als Gewerkschafter. Arbeit als Sinn darzustellen, sei zu kurz gekommen: „Mir war der Film zu unpräzise, weil hier versucht wurde, eine Theorie zu verfilmen. Das geht immer schief“. 

Lindner ging dann direkt ins Publikum, um Stimmen der Besucher einzufangen. Der Film provoziere, stelle Arbeit teils als Fetisch, teils als Ethik dar, hieß es unter anderem. Den einen habe er in Sachen Gelderwerb gegen Arbeitskraft Denkanstöße vermittelt, andere hatten sich mehr Inspiration im Sinne von Alternativen erhofft. Weitere Besucher empfanden den Film als leicht und witzig, der sie veranlasst habe, mehr über das Phänomen Arbeit nachzudenken. Einigkeit bestand drüber, dass man von Arbeit nicht reich werde. Folglich versuche man, über Arbeit „einigermaßen durchs Leben zu kommen“. 

Hengsbach betonte, dass die Mehrheit darauf angewiesen sei, als abhängig Beschäftigte zu arbeiten, auch unter zunehmendem Druck. „Personalgespräche und Betriebsvereinbarungen sind kein ausreichendes Mittel zur Humanisierung der Arbeit.“ Die Industrie 4.0 sei nur die neueste Sau, die durchs Dorf getrieben werde, soziale Kontakte gerieten immer mehr in den Hintergrund. Würde entstehe hingegen aus der menschlichen wechselseitigen Achtung: „Das muss kollektiv in den Betrieben, durch Gewerkschaften und soziale Bewegungen realisiert werden, denn die Zukunft der Arbeit ist die Achtung der Menschen voreinander“. 

Fischer zufolge sei die gesellschaftliche Akzeptanz der Gewerkschaften gestiegen. Eine Humanisierung der Arbeitswelt bezeichnete er für heute jedoch als schönen Traum: „Überall wird versucht, die Arbeitszeitverkürzung zu umgehen. Gleichzeitig wünschen die Beschäftigten mehr Autonomie. Das ist kein religiöser Konflikt.“ Der Beginn der Produktion werde durch die spätere Verwertung markiert. „Die Gewerkschaften sind nicht für die Produkte zuständig, sondern eigentlich nur dafür, die Löhne aus dem Wettbewerb herauszuhalten“. 

Insgesamt gehe es nicht um die Senkung der Arbeitsmoral. Es gehe zunächst einmal um den Kampf um Würde und gerechtes Entgelt. Neue Formen der Arbeit müssten den Beschäftigten künftig verstärkt Chancen zu einer Karriereplanung und -entwicklung bieten, darüber war man sich einig.

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2018
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Foto (von links): naxos-Moderatorin Hilde Richter (Mitte) im Gespräch mit Swenja Löw (l.), Milchkönigin 2014 Rodgau, und Konstantin von Mackensen, Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof in Bad Vilbel.

Milchkühe grasen genüsslich auf der Weide. Dieses gern gezeichnete Idyll von der Landwirtschaft ist längst überholt. Vom Melkstand auf dem Hof bis hin zur Abfüllung in den Molkereien ist die Milchproduktion wirtschaftlich optimiert. So wird das Grundnahrungsmittel Milch längst auf dem Weltmarkt gehandelt, folgt im globalen Handel vielfach den gleichen Regeln wie etwa Erdöl – mit allen Risiken und Hoffnungen auf bessere Preise. Mit dieser Thematik beschäftigte sich der Dokumentarfilm „Das System Milch“ am 24. April 2018 im naxos.Kino. 

Swenja Löw kommt von einem Hof mit 130 Kühen in Rodgau-Jügesheim. Sie hat drei Jahre Landwirtin gelernt und anschließend Agrarbetriebswirtschaft studiert. Die Landesvereinigung Milch Hessen hat sie 2014 zur Milchkönigin Rodgau ernannt. Voraussetzung: ein landwirtschaftliches Verhältnis zur Milch. Auch Konstantin von Mackensen, Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof in Bad Vilbel, Bundespreisträger Ökologischer Landbau 2018, hat „viele Jahre unter Kühen verbracht“. Heute bildet er vor allem junge Landwirte in biologischem Landbau aus. 

„Lebensmittel werden heute ökonomisiert. Darin wird Milch als Rohstoff verstanden“, sagte Mackensen. Eine Kuh sei eine Quelle, aus der ein Betrieb fruchtbar wird. Der Stallplatz sei jedoch begrenzt, beklagte Löw: „Wir stehen unter Druck, denn die kleinbäuerliche Idylle ist nicht mehr zu stemmen. Immer mehr Kleinbetriebe gehen kaputt“. Zudem nehme eine allgemeine Kontrolle überhand: „Dokumentation über jedes einzelne Tier ist Pflicht“. In der Konsequenz verdiene man im Büro mehr als vor Ort mit den Tieren. Löw bezeichnete diese Situation als frustrierend, da es immer schwieriger sei, drei Generationen auf dem eigenen Hof zu ernähren. Inzwischen empfinde sie eine 80- bis 100-Stunden-Woche als normal, zumal „Milchroboter für unseren Familienbetrieb die beste Lösung“ seien. 

Wie denn eine Wachstumsphilosophie zu bremsen sei, fragte naxos-Moderatorin Hilde Richter. „Zuerst aufs Tier schauen“, meinte Mackensen und forderte Subventionen über die Anzahl der Tiere, nicht aber über die Fläche. Extremzüchtungen lehnte er zwar ab, räumte jedoch ein, dass letztlich der Kunde an der Kasse bezahlt: „Landwirte lösen die Probleme der Landwirtschaft nicht, weil die Gesellschaft entscheidet, was sie will und zu zahlen bereit ist. Billig ist nicht immer gut“. 

Die Landwirtschaft sei wesentlich abhängig vom Wetter. Erschwerend hinzu käme die permanente Dokumentationspflicht mit ihren Fristen, die die eigentliche Arbeit weitestgehend einschränke, meinte Löw. So würde eine Produktion wie in Afrika in Deutschland sofort  eingestellt werden. „Wir lassen uns immer wieder verarschen. Wir stumpfen ab und Computer steuern uns Verbraucher“, hieß es aus dem Publikum. So hätten sich allein in Frankreich zuletzt aufgrund  der industrialisierten Milchwirtschaft rund 600 Bauern das Leben genommen. Im Film bezeichnete ein dänischer Bauer die Milchwirtschaft als „ein Rennen, das nicht zu gewinnen ist“. Parallel dazu tauchten Bilder von einem Großhof in China auf, die beängstigend, science fiction-mäßig wirkten: steril, industriell, sauber. Zwar sei sowohl der Konsument als auch der Landwirt dagegen ohnmächtig, dennoch meinte Löw: „Deutschland produziert die besten Lebensmittel zum günstigsten Preis“. 

Mackensen wies auf den „riesigen Einfluss der Lobbyisten auf die Landwirtschaft“ hin. So werde die hessische Durchschnittskuh keine fünf Jahre mehr alt, obwohl sie noch nicht ausgewachsen sei: „Ein bescheuertes, unökonomisches System“. Hinderungsgründe, aus einem solchen System auszusteigen, seien die Lebensgrundlage am Standort, die Flächenausstattung sowie die Finanzierung und Genehmigung eines weiteres Ausbaus, so Löw. Landwirtschaftsprobleme sollten stets über den eigenen Hof gelöst werden, meinte Mackensen. Eine Umstellung als Landwirt sei nur mit Menschen möglich, die das auch wollten. Seine Vision: Der Landwirt geht zur Gesellschaft und die Gesellschaft geht zum Landwirt.

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2018
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Foto (von links): Wolf Lindner, naxos.Kino, Elke Sasse, Filmemacherin, Ramona Lenz, medico international

Bevor naxos.Kino Moderator Wolf Lindner das Gespräch mit den heutigen Expertinnen begann, gab er einigen FilmbesucherInnen das Wort. Viele BesucherInnen im naxos.Kino waren nach dem Film „MyEscape“ betroffen über die erschütternden und mit Gewalt verbundenen Erlebnisse, die die Flüchtlinge mit ihren Mobiltelefonen festgehalten hatten. Die Filmemacherin Elke Sasse berichtete, dass der Film im Jahr 2015 entstand, als sehr viele Menschen auf der Flucht waren und hierzulande nach dem „wir schaffen das...“ in vielen Städten noch eine große Hilfsbereitschaft und Willkommenskultur vorhanden war. Ramona Lenz, Referentin für Flucht und Migration bei der Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international, erläuterte, dass die Zunahme der Flüchtlingszahlen 2015 vor allem auf veränderte Bedingungen in den Ländern wie Syrien, Afghanistan, Eritrea u.a. zu suchen ist. So wurde damals die Nahrungsmittelhilfe für syrische Flüchtlinge in der Region durch das Welternährungsprogramm so stark reduziert, dass die Menschen nicht mehr davon leben konnten. Gleichzeitig schlossen die Nachbarländer Syriens nach und nach ihre Grenzen, was viele Syrerinnen und Syrer dazu veranlasste, das Land noch schnell über die letzte offene Grenze in die Türkei und weiter nach Europa zu verlassen.

In Berlin entstand wie Elke Sasse erläuterte die Idee, Fluchtgeschichten zu erzählen mit den Videos, die Flüchtlinge auf ihrer Flucht selbst mit ihren Mobiltelefonen aufgezeichnet hatten. Dazu wurden auch durch Aufrufe in sozialen Medien eine Vielzahl von Handy Filmausschnitten gesammelt. Einige Flüchtlinge hatten sehr viel Material aufgenommen und 10 dieser Fluchtgeschichten werden dann im Film erzählt und in Intervies kommentiert. Das Filmen dieser Fluchterlebnisse war für einige sehr gefährlich, besonders für Flüchtlinge aus Eritrea, die gezielt nach Mobiltelefonen durchsucht wurden. Die Dauer der Flucht ist sehr unterschiedlich. Während die Flucht aus Syrien in 2 bis 3 Monaten gelingen konnte, ist der Weg aus Afghanistan meist länger und die Flucht aus Eritrea erfolgt über viele Länder und Stationen mit teils langen Zwischenaufenthalten, so dass bis 2 Jahre dafür benötigt werden.

Medico international arbeitet in vielen Ländern aus denen die Flüchtlinge kommen, aber auch in den Transitländern mit unterschiedlichen lokalen Partnerorganisationen zusammen, um die Bedingungen für die Menschen während ihrer Flucht zu verbessern. Ramona Lenz berichtet, dass solche Hilfen in Libyen kaum möglich sind, da dort unterschiedliche Milizen die Macht haben, die mit brutaler Gewalt Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern und deren Familien ausbeuten und unterdrücken. Nichtsdestotroz kooperiere die EU mit genau solchen Milizen, damit sie die Menschen in Libyen festhalten und an der Flucht über das Mittelmeer nach Europa hindern. In vielen Herkunfts- und Transitländern der Migration würden Gelder der Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt, damit die Regierungen im Bereich der Migrationskontrolle kooperieren, was in der Regel nichts anders bedeute als die Verhinderung von Flucht und Migration nach Europa.

Viele der Flüchtlinge, denen die Flucht nach Deutschland geglückt ist haben es hier schwer, weil sie nicht individuell als Flüchtling anerkannt sind, sondern einen "subidiären Schutz" erhalten. Dadurch ist auch der Familiennachzug nicht möglich. Zermürbend sind dabei auch die hohen bürokratischen Hürden und die monate- und jahrelange Wartezeiten, bis es zu Entscheidungen kommt. Seit einiger Zeit arbeitet Elke Sasse an einem weiterem Film, bei dem es um Nachrichten und Videos geht, die Flüchtlinge in Europa von ihren Verwanden undFfreunden bekommen  

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2018
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Bild: naxos-Moderatorin Barbara Köster und Kerstin Luisa Pramme, Buddhismus-Lehrerin im Diamantweg (r.).   

Hannah Nydahl (19462007) war eine Lehrerin (Lama) der Karma-Kagyü-Linie des tibetischen Buddhismus. Wie ihr Ehemann Ole Nydahl hat sie seit 1973 bis zu ihrem Tod 2007 sowohl zur Entwicklung und Verbreitung des tibetischen Buddhismus in der westlichen Welt als auch zur Erhöhung seines Bekanntheitsgrades wesentlich beigetragen. Während der Hochzeitsreise mit ihrem Mann in den Himalaya 1968 trafen sie den Drukpa-Siddha Lopön Tsechu Rinpoche. Auf einer zweiten Reise in den Himalaya 1969 trafen sie dann den 16. Karmapa, das geistige Oberhaupt der Karma Kagyu-Linie. Sie gehörten zu seinen ersten westlichen Schülern. Nach einer Zeit der Ausbildung und Meditation bat der 16. Karmapa die beiden, in seinem Namen Meditationszentren im Westen zu gründen.  

Der Buddhismus kenne nur ein Produkt: Glück. Ziel sei es, Freude zu produzieren. Freiheit bedeute darin, „innere Freude im gegenwärtigen Moment zu erleben“. So eröffnete Kerstin Luisa Pramme,  Diamantweglehrerin und im beruflichen Leben Seminarleiterin in Frankfurt am Main, das Filmgespräch zum Film „Hannah – ein buddhistischer Weg zur Freiheit“ am 10. April 2018 im naxos-Kino. 

Den Film bezeichnete Pramme als einen „kulturhistorischen Ausbruch mit Mut“. Sie selbst habe Hannah im Alter von zehn Jahren kennengelernt. Nydahl war eine der gefragtesten Übersetzerinnen aus dem Tibetischen ins Englische, Deutsche oder Dänische. Die Hälfte des Jahres übersetzte sie für Lamas am „Karmapa International Buddhist Institute“ (KIBI) in New Delhi, Indien, wo sie sowohl an der Übersetzung zahlreicher buddhistischer Texte beteiligt war, als auch die Reisen hoher Lamas der Karma-Kagyü Linie organisierte. Später habe Pramme  mit der Protagonistin einige Jahre als Studentin verbracht. Da damals keine Lehrbücher zur Verbreitung der buddhistischen Lehren existierten, habe die Dänin die tibetischen Schriften in die englische Sprache übersetzt. So habe sie in Kopenhagen Tibetismus studiert, um ihre Übersetzungen wissenschaftlich abzusichern. Unterstützt wurde sie von Beginn an von ihren tibetischen Lehrern. „Für mich war Hannah die coolste Frau, die ich kennengelernt habe, so soll der Film denn auch Hannahs Leben nicht in Vergessenheit geraten lassen“, sagte Pramme.

Aus den rund 84.000 Belehrungen von Buddha hätten sich zahlreiche Strömungen ergeben. In Tibet hätten sich diese Strömungen auf vier Hauptlinien konzentriert, wobei ein Lehrer die Qualität haben müsse, inhaltlich übergreifend zu wirken. Warum immer ein Mann der oberste Lama sein müsse, begründete Pramme mit dem indischen Kastensystem, das von einer deutlichen Bevorzugung von Männern gekennzeichnet sei. Aber es sei stets eine Frau an der Seite eines Meditationslehrers, „die in den meisten Fällen mit ihm verheiratet ist“. 

Erstaunlich war, dass Hannah und ihr Mann Lama Ole Nydahl bei allem Verzicht auf Besitz ständig zwischen Südamerika, Asien und Europa hin und her pendeln konnten. Finanziert hätten sie ihre ständigen Reisen, indem sie sich ihr Erbe auszahlen ließen, ihre Lebenskosten extrem gering gehalten hätten und oft von Freunden eingeladen worden seien. Später hätten sie eine Stiftung gegründet, die die Reisekosten finanziert habe.  

Hannahs Mann Ole, inzwischen 77 Jahre, besucht bis heute auf Einladung seiner Schüler die rund 750 Zentren in über 45 Ländern und vermittelt erfolgreich Buddhas Lehren.

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2018