Aktuelles

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v.l.n.r. Co-Moderatorin Barbara Köster vom naxos.Kino, Regisseurin Cornelia Schendel, naxos-Moderatorin Antje Lang und Thomas Zosel, Spezialist für Jugendkriminalität im Frankfurter Polizeipräsidium.

 

Filmgespräch am 7. Juni 2017 zum Film "Tokat - das Leben schlägt zurück"

In den 90ern, als sie noch Mitglieder von Frankfurter Jugendbanden waren, haben sie Drogen vertickt, Jacken abgezogen und Prügel ausgeteilt. Sie wurden dafür gefürchtet. Was heute aus ihnen geworden ist, zeigte gestern der Dokumentarfilm „Tokat - das Leben schlägt zurück“ im restlos ausverkauften naxos.Kino.

Corne­lia Schen­del, eine der beiden Regisseurinnen, sagte im anschließenden Gespräch, sie wollten mit dem Film keine falschen Erwar­tun­gen an reiße­ri­sche Gangs­ter­strei­fen voller Ghetto-Kitsch und mit fliegenden Fäuste wecken. Vielmehr sollte ein Portrait entstehen über Hakan, Kerem und Dönmez, damals und heute.

Thomas Zosel, Spezialist für Jugendkriminalität im Polizeipräsidium Frankfurt, wies auf die damalige AG Griesheim der Frankfurter Polizei hin, die die allergrößten Probleme mit Jugendbanden zu bewältigen hatte. „Damals waren Banden auf sich selbst gestellt, es waren eher lockere Zusammenschlüsse, bei denen Drogen im Vordergrund standen. Heute gibt es keine Banden dieser Art mehr, da sie streng nach wirtschaftlichen Kriterien organisiert sind.“ Aber auch die Polizei habe sich weiterentwickelt: Jugendhäuser, Jugendgerichtshilfe sowie Integration und Prävention spielten eine deutlich größere Rolle.

Barbara Köster und Antje Lang, Moderatorinnen vom naxos.Kino, erinnerten an die ersten Szenen des Films, die die Besucher kurz auf eine falsche Fährte führten: schnell wechselnde Doku-Ausschnitte, in denen türki­sche Jugend­li­che mit Spring­mes­sern fuch­teln und Poli­zis­ten mit erns­ter Miene beschlag­nahmte Waffen­ar­se­nale präsen­tie­ren. „Man hatte ein konkretes Männlichkeitsbild – und das sollte anderen Angst machen, sagte Köster“. Auf der anderen Seite habe die Uniform der Polizei als Reizfigur gegolten, entgegnete Zosel. Deshalb sei man in Zivil aufgetreten, was wiederum Barrieren abgebaut, Kontakte geschaffen und einen besseren Zugang zu den Gangs ermöglicht habe. „Wir haben uns aber auch geprügelt“, räumte er ein, „denn wir hatten die Aufgabe, ein öffentliches Sicherheitsgefühl herzustellen“. Heute komme jedoch Erziehung vor Strafe, damit sich schon früh in den Köpfen der Jugendlichen etwas ändere. Dazu gehörten Prävention durch Aufklärung sowie Integration mit Verschmelzung unterschiedlicher Ethnien, was nicht immer einfach sei.

Zurück zum Filminhalt: Die drei Freunde Kerem, Dönmez und Hakan waren Mitglied in berüch­tig­ten Frank­fur­ter Jugend­ban­den. Ihre Fami­lien stam­men ursprüng­lich aus Bayat, einem 400-Seelen-Dorf in Ostana­to­lien. Sie alle seien damals überfordert gewesen, versuchte Polizei-Profi Zosel zu erklären: kaum Bildung, keine Sprachkenntnisse, Hilfsarbeiten und Peer-Group-Bildung durch Abschottung nach außen. Die Jugendgangs mit einer Stärke von bis zu 30 Mann hätten wiederum ihrerseits einen Gruppenzwang ausgelöst. Das alles sei jedoch kein realistisches Abbild einer allgemeinen türkischen Kultur gewesen.

„Wir waren fixiert auf Schlä­ge­reien, wir woll­ten cool sein und es jedem bewei­sen“, sagt Kerem in einer Szene, während die Kamera den heute Anfang 40jäh­ri­gen zu Gele­gen­heits­jobs, zu Arzt­ter­mi­nen und auf eine Reise nach Bayat beglei­tet. Er spricht beiläu­fig über seine krimi­nelle Vergan­gen­heit mit insgesamt zwölf Jahren Gefängnis wegen Totschlags. Ohne falschen Stolz. Aber auch ohne sich mit zur Schau gestell­ter Reue medi­en­wirk­sam zu insze­nie­ren. Dönmez wurde wegen einer Reihe von Straf­ta­ten inzwischen in die Türkei abge­scho­ben. Das begrüßte er anfangs als Chance, um von den Drogen loszu­kom­men und einen Neuan­fang zu wagen. Auch Hakan lebt inzwi­schen wieder in Bayat. Er ist davon über­zeugt, dass er erst eine Frau findet, wenn er ein Haus gebaut hat. Aber wovon? Während er das sagt, steht er „als Heimatloser ohne Pass“ alleine zwischen seinen kärg­li­chen Grund­mau­ern.

„Tokat“ ist nicht zuletzt ein Film über drei Männer in der Midlife-Crisis, die auf jenen Teil ihres Lebens zurück­bli­cken, der sie beson­ders geprägt hat. „Wir wollten niemanden bloßstellen. Uns war wich­tig zu zeigen, dass die Prot­ago­nis­ten bei allem, was sie getan haben, auch liebens­werte Seiten haben“, so die Regisseurin. Nachdem sie ihnen den Film gezeigte hatte, waren sie einerseits stolz, andererseits stark betroffen, denn sie hätten eingesehen, dass sie für ihr heutiges Leben selbst verantwortlich sind.

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2017
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V.l.n.r.: Willi Preßmar von der Heinrich-Böll-Stiftung, Regisseur Thomas Giefer, Rupert von Plottnitz und Moderator Wolf Lindner.

Filmbesprechung  im Naxoskino

Frankfurt am Main, 2. Juni 2017 – Vor 50 Jahren wird der Student Benno Ohnesorg (26) am Rande einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien in Berlin von dem Polizisten Karl-Heinz Kurras mit einem Pistolenschuss aus kurzer Distanz tödlich in den Hinterkopf getroffen. Vor diesem Hintergrund zeigte das naxos.Kino gestern Abend die Filme „Der Polizeistaatsbesuch“ und „Der 2. Juni 1967“. Dieser Abend fand in Kooperation mit der Heinrich- Böll-Stiftung Hessen statt. Zum anschließenden Filmgespräch waren Regisseur Thomas Giefer, der ehemalige Hessische Justizminister Rupert von Plottnitz sowie Willi Preßmar von der Heinrich-Böll-Stiftung gekommen.

Nach Worten von Giefer, der den Film „Der 2. Juni 1967“ mit einer Handkamera aufgenommen hatte, hat dieses Datum ein politisches Bewusstsein ausgelöst: „Eine unglaubliche Bewegung hat sich entwickelt. Wir hatten das Gefühl, die Welt hat sich verändert“. Hier eine außerparlamentarische Opposition (APO), die die geplanten Notstandsgesetzte verhindern will, dort eine nach den USA am höchsten ausgerüstete Polizei-Organisation. Im naiven Glauben an den passiven Widerstand werden die Protestierenden von der Polizei und Mitgliedern des persischen Geheimdienstes Savak brutal niedergeknüppelt. Die Demonstrationsfreiheit wird mal eben ausgesetzt. Derweil sitzt der autokratische Monarch in der Deutschen Oper in Berlin. „Am 3. Juni waren wir in einer Schockstarre“, ergänzt Willi Preßmar. Die Übergriffe bezeichnet er als „Exzesse“. Damals sei ein Flächenbrand in Deutschland losgegangen, die Demonstranten seien die Vorreiter gewesen.

Deutliche Worte auch von Rupert von Plottnitz, für den die damals noch junge Demokratie der BRD „ein Hirngespinst“ war: „Manche meinen, die BRD sei zu der Zeit eine demokratische Drapierung des 3. Reiches“. Trotz der damaligen Sonderrechte Westberlins sei eine Knüppelpolitik nicht erlaubt gewesen. Dennoch hätten die Demonstranten eine Entwicklung für die Demokratie in Deutschland in Gang gesetzt.

Dokumentationen spiegelten immer den jeweiligen Zeitgeist wider, hieß es seitens der Besucher mit der anschließenden Frage, was sich denn bis heute verändert habe. Die aktuelle politische Lage zeige zwar ein Ende der Knüppelpolitik, meinte Preßmar, aber Geheimdienstbehörden vertuschten heute Übergriffe weitaus häufiger als früher. Wie damals die Springer-Presse das öffentliche Klima gegen die APO geschürt habe, machten es heute eben AFD und Pegida, sagte von Plottnitz. Zwar packe ihn nach wie vor die Wut, wenn Bürgerrechte mit Füßen getreten würden, aber das Verhältnis von Bürgern und Polizei habe sich heute grundlegend geändert. Der Film habe seine Biographie geprägt, bekannte Regisseur Giefer. Er habe später auch die iranische Revolution und andere gezeigt. Aber Wut spüre er beim Betrachten des Films heute nicht mehr.

Den Studenten damals habe dieser Tag einen Schub gegeben, auf den sie noch nicht vorbereitet waren. Ihre Bewegung habe dennoch für eine neue Haltung gesorgt, so das Fazit von Moderator Wolf Lindner vom naxos.Kino.

 

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2017
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Von l. nach r.: Hilde Richter (naxos.Kino), Felix Anderl (EXC), Ascan Breuer (Regisseur und Produzent)

 

Im Mittelpunkt der „Trilogi Java“ steht der preisgekrönte Kinodokumentarfilm Jakarta Disorder, der am 16.5.2017 im Rahmen des Kooperationsprojektes "Dissidents on Stage" mit der Goethe Universität Frankfurt, Excellenzcluster Normative Orders im naxos.Kino gezeigt wurde.

Der Film beobachtet über viele Jahre eine soziale Bewegung in den Slums der Megacity Jakarta. Die politische Dynamik der Bewegung gipfelte in der Wahl Joko Widodos zum neuen Präsidenten Indonesiens.

Im Fokus stehen zwei Frauen um die 60, die aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten kommen: Wardah Hafidz ist eine Intellektuelle, der Kopf der Bewegung, und Nenek (Oma) Dela, wie sie sich selbst nennt, die in Slum lebt. Wardah kämpft seit 20 Jahren für die Rechte der Armen in Jakarta und ist Gründerin des „Urban Poor Consortiums“. Sie versucht den Armen ein neues Selbstbewusstsein zu vermitteln, den Status Quo und die Ausbeutung durch die superreichen Eliten einfach hinzunehmen. Das ist ein ambitioniertes Unterfangen, weil ja die vom Westen installierte antikommunistische Militärdiktatur über Jahrzehnte etwas anderes gelehrt hatte.

Der Regisseur Ascan Breuer im Interview: „Es geht weniger um Jakarta und Indonesien an sich, als vielmehr um Prozesse, die für viele Menschen, auch für uns in Europa, eine Rolle spielen: Um die Frage, ob die bloße Institutionalisierung eines demokratischen Systems reicht, oder ob Demokratie nur dann sinnvoll ist, wenn sie auch mit Leben gefüllt wird und von den Menschen getragen wird. Auch der Prozess der so genannten Gentrifizierung in den Städten und die damit verbundene Vertreibung ganzer Bevölkerungsteile ist für viele Menschen Realität, ob in Jakarta, Istanbul oder Sao Paulo“.

Im Anschluss an den Film berichteten der Regisseur Ascan Breuer "(Dokumentarisches Labor)" und Felix Anderl (EXC) über die Folgen und die weitere Entwicklung der Widerstandsbewegung in Jakarta und diskutierten die Frage nach der Möglichkeit der Selbstermächtigung und Partizipation von entmachteten und unterprivilegierten Bevölkerungsteilen. Moderiert wurde das Gespräch von Hilde Richter (naxos.Kino)

Videos:

Jakarta Disorders, Diskussion 16.5.2017 im naxos.Kino

Info zum Film und Trailer Jakarta Disorders

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2017
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Frankfurt am Main, 23. Mai 2017 – Beim Nippon Connection Filmfestival verwandelt sich Frankfurt am Main jedes Jahr in die heimliche Hauptstadt Japans. Mehr als 100 neue japanische Lang- und Kurzfilme laufen in diesem Jahr vom 23. bis 28. Mai 2017 im Kino der Naxoshalle, im Mousonturm und im Deutschen Filmmuseum.

Am 23. Mai 2017 wurde es auf dem Gelände der Naxoshalle japanisch: zahlreiche Gäste erwarteten den Eröffnungsfilm „La Terre Abandonnée“. Der Film schildert die Kleinstadt Tomioka in der Sperrzone um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, die 2011 evakuiert wird. Nur Naoto Matsumura weigert sich, fortzuziehen. Mittlerweile kommen auch frühere Bewohner trotz hoher Strahlenwerte regelmäßig nach Tomioka, um in ihren Häusern und Gärten nach dem Rechten zu sehen. Ihre Hoffnung, sich bald wieder in der Heimat niederlassen zu können, erscheint angesichts wissenschaftlicher Erkenntnisse über radioaktive Strahlenbelastungen und Halbwertszeiten irrational. Der Dokumentarfilm konzentriert sich jedoch vor allem auf den unerschütterlichen Überlebenswillen, der sich in der Haltung dieser Menschen spiegelt.

Das Nippon Connection Festival ist das weltweit größte Festival für japanische Filme in Frankfurt. Die Veranstalter erwarten in diesen Tagen mehr als 18.000 Besucher aus aller Welt. Neben den Filmen erleben die Besucher ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Workshops, Vorträgen, Performances, Konzerten und Ausstellungen.

Platz für den Nachwuchs bietet die Reihe „Nippon Visions“. Darin präsentieren Filmemacher ihre Sichtweise auf die japanische Gesellschaft, die vor zahlreichen Herausforderungen steht. Darüber hinaus präsentiert das Festival sogenannte „Roman Porno“-Erotikfilme, die von der Kritik für ihren visuellen Einfallsreichtum und ihre narrative Komplexität gefeiert werden. Aktuell präsentiert das Festival davon neun Filme der Regisseure Tatsumi Kumashiro und Noboru Tanaka.

Auch für das leibliche Wohl der Gäste ist gesorgt: Neben Mehlteig-Bällchen mit Oktupus, Sushi, Reiskuchen, Ramen-Nudeln und Weizen-Nudelsuppe stehen unter anderem auch Kirin-Bier und Gude-Pils auf der Speisekarte.

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2017
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Frankfurt am Main, 10. Mai 2017 - Oberndorf ist eine 14.000-Einwohner-Stadt am Ostrand des Schwarzwaldes. Verfallende Häuser und geschlossene Geschäfte kennzeichnen das derzeitige Stadtbild. Seit den 80er Jahren sind zwei Drittel der Arbeitsplätze in den beiden Rüstungsbetrieben Mauser und Heckler & Koch verloren gegangen. Bereits vor 30 Jahren hatte Filmemacher Wolfgang Landgraeber auf dem Höhepunkt der Friedensbewegung dort den Dokumentarfilm „Fern vom Krieg" gedreht. Am 9. Mai 2017 lief im naxos.Kino eine Bestandsaufnahme nach 30 Jahren: „Vom Töten leben“.

Die Diskussion mit den Betroffenen sei nach dem zweiten Film weitaus sachlicher gewesen als vor 30 Jahren, sagte Landgraeber, dennoch hätten sie sich strikt gegen den Filmtitel ausgesprochen. „Aber Oberndorf produziert seit 200 Jahren Waffen. Millionen Menschen haben mit diesen Produkten Millionen Menschen massakriert. Deshalb habe ich auf dem Titel bestanden“, so der Regisseur. So werde alle Viertelstunde auf der Welt ein Mensch durch Waffen von Heckler & Koch erschossen. Auch hätten etwa G3-Präzisions-Gewehre eine jahrzehntelange Lebensdauer. Deutsche Wertarbeit werde somit zu „deutscher Tötungswertarbeit, die immer noch weltweit gehandelt wird“. Entstanden früher Kriege zum Großteil durch soziale Ungleichheit, so resultierten sie heute verstärkt durch pseudo-religiöse Motive.

Das bestätigte der 80jährige Ulrich Pfaff. Der ehemalige Diakon und Religionslehrer aus Altoberndorf erinnerte sich an die Friedenszeit in den 50er Jahren, die „für die Existenz unserer Stadt fast wie eine Bedrohung war“. Er hat den Übergang von militärischer zu ziviler Produktion miterlebt: „Wir haben unter anderem Näh- und Rechenmaschinen entwickelt. Auch haben wir über die Entwicklung von Dialysegeräten für den privaten Gebrauch nachgedacht. Konversion gab es demnach schon“, sagte der ehemalige Referent für Friedensdienste und Entwicklungspolitik beim gesamtkirchlichen Amt für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. (Konversion = Umstellung eines Rüstungskonzerns auf die Produktion ziviler Produkte, Anm. der Redaktion). Doch dann wurde die militärische Produktion wieder freigegeben.

Langraeber verwies in diesem Zusammenhang auf den letzten Besuch von Kanzlerin Merkel in Saudi-Arabien, bei dem die Saudis erklärten, keine Waffen mehr aus Deutschland kaufen zu wollen. Kein Wunder, meinte er, denn Heckler & Koch habe den Saudis eine Fabrik zur Eigenproduktion gebaut. Auch in den USA errichte das Unternehmen eine größere Unit für die Produktion von Pistolen und Sportgewehren, da dort kein Kriegswaffen-Kontrollgesetz bestehe.

Ob die aktuelle Verödung von Oberndorf die späte Strafe für die Waffenproduktion sei, wollte abschließend Wolf Lindner wissen. Dazu Friedensaktivist Paff: „Die Industrie hat sich rationalisiert. Die Arbeitsplätze sind von ehemals 20.000 auf nunmehr 800 abgebaut worden. Mit weniger Mitarbeitern kann H&K heute mehr als je zuvor produzieren und liefern und die Gewinne sind anscheinend gestiegen“.

Bildunterschrift:

v.l.n.r.: Regisseur Wolfgang Landgraeber sowie Ulrich Pfaff mit Ehefrau Renate aus Oberndorf, engagierte Kriegsgegner, die auch im Film vorkommen, sowie Moderator Wolf Lindner vom naxos.Kino.

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2017
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von links: Barbara Köster, Boubacar Sangaré, Dr. Antonia Witt (Foto: Jannis Gebken)

Im Anschluss an den Film, der am 2. Mai im Rahmen des Kooperationsprojektes "Dissidents on Stage" mit der Goethe Universität Frankfurt, Excellenzcluster Normative Ordersim naxos.Kino gezeigt wurde, diskutierten der Regisseur Boubacar Sangaré, Barbara Köster (naxos.Kino) und Dr. Antonia Witt (EXC) über die Folgen des Aufstands für Burkina Faso und die Möglichkeiten von Künstlerinnen und Künstlern, politische Protestbewegungen zu unterstützen.

Burkina Faso ist nur eines von vielen afrikanischen Ländern, in denen amtierende Regierungen versuchen, sich über die Manipulation von Verfassungen an der Macht zu halten. Und nicht überall ist Protest dagegen so erfolgreich wie in Burkina Faso. Boubacar Sangaré betonte, dass transnationale zivilgesellschaftliche Netzwerke dafür eine wichtige Rolle spielen können. Aus diesem Grund wurde der Film Une révolution africaine etwa mit Filmemachern aus verschiedenen westafrikanischen Ländern diskutiert und hat die Arbeit vieler Filmemacher aus der Region beeinflusst. Das Internet spielt dabei eine besondere Rolle. So wurde etwa der Großteil des Fimmaterials bereits während des Aufstands auf einer Online-Platform des Filmkollektivs Ciné.Droit.Libre veröffentlicht.

Ob die Revolution nun tatsächlich zu einem Wandel geführt hat, ist noch zu beurteilen. Sie hat aber in jedem Fall gezeigt, dass das Volk von Burkina Faso sich wehrt, wenn Machthaber glauben, es ignorieren zu können.

Das Filmgespräch wurde aufgezeichnet und kann unter dem unten stehendem Link aufgerufen werden.

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2017

Im Jahr 2003 zeigten wir den Film Fritz Bauer - Tod auf Raten in einer überfüllten Naxoshalle. Erstmals in unserer Kinogeschichte haben wir im Abstand von wenigen Tagen eine zweite Vorführung angesetzt und hatten 120 Reservierungen. Am Tag der Vorstellung hat uns völlig unerwartet die Regisseurin das Zeigen des Films verboten. Weil aber weit über hundert Besucher da waren, hatten wir ohne Filmvorführung ein 2 ½ stündiges „Film“gespräch.

Die Regisseurin Ilona Ziok hat in den vergangenen Jahren weiter am Gedenken an Fritz Bauer gearbeitet.

Hier die neuesten Informationen: Dem Fritz Bauer-Freundeskreis aus Braunschweig sowie unserer Filmproduktion ist es mit großartiger Unterstützung des Generalstaatsanwalts des Landes Brandenburg Prof. Dr. Rautenberg gelungen, eine Fritz-Bauer-Briefmarke in Auftrag zu geben. Der Entwurf stammt von dem Heidelberger Künstler und pensionierten Präsident der AdK Berlin Klaus Staeck.

Hier die Seite von Prof. Rautenberg, wo Sie lesen können, wie diese Briefmarke zu bekommen ist: http://www.erardo-rautenberg.de/briefmarke-fritz-bauer-motiv/.

Es wäre schön, wenn auch Sie diese Briefmarke nutzen würden, denn sie erinnert nicht nur an den Wegbereiter deutscher Demokratie Fritz Bauer, sondern sie ist mit dem Artwork von Klaus Staeck auch künstlerisch wertvoll

Wolf Lindner, naxos.Kino

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2017
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Ausverkauftes Haus im 25. April 2017 im naxos.Kino. Es läuft „Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Hat sich sechs Jahre nach der Filmpremiere etwas im Umgang mit der Zeit geändert, fragt naxos-Vorstand und Moderator Gerd Becker den Filmemacher Florian Opitz im anschließenden Filmgespräch. Speed als System habe sich nicht geändert, das Rad drehe sich nur schneller und extremer. Um etwas zu ändern, müssten wir an unserem Wohlstand kratzen. Insofern könne Verzicht zu Gewinn führen. Aber „der Film geht von einem Ich aus. Und ich bin kein Entschleunigungsberater. Deshalb gebe ich auch keine Tipps zur Zeitautonomie“, sagte Opitz.

In seinem Film präsentiert er sich als vielbeschäftigter Regisseur und Familienvater, der mit dem Handy telefoniert, während er das Kind anzieht. Zeitraffer-Aufnahmen zeigen ihn auf dem Fahrrad durch Kreuzberg rasen, mit dem Kaffee im Pappbecher in der U-Bahn, mit müden Augen vor dem Bildschirm. Wir sehen ihn in einer Kongresshalle beim Vortrag eines Zeitmanagement-Gurus und im Therapiegespräch bei einem Burnout-Experten. Bei Reuters erfährt er, dass Nachrichten für die Finanzwelt längst von Computern im Mikrosekundentakt generiert werden, weil das menschliche Gehirn dafür viel zu langsam ist. Zeitrafferaufnahmen von Menschenmassen und Verkehr untermalen die Interviews.

Ruhiger wird es erst, als Opitz sich auf die Suche nach alternativen Lebensmodellen begibt: ein ausgestiegener Investmentbanker und eine Schweizer Bergbauernfamilie. In Chile trifft er einen amerikanischen Multimillionär, der in Südamerika 900.000 Hektar Land gekauft hat, um es vor industriellem Raubbau zu schützen. Im Königreich Bhutan im Himalaja findet Opitz bestenfalls Anregungen, weil es in seiner Landesverfassung das persönliche Glück seiner Bürger über den wirtschaftlichen Profit gestellt hat. Schließlich meint er, dass wir einfach unsere Fantasielosigkeit überwinden müssten. Ob die Lösung nun Bruttonationalglück, Wachstumsverzicht, Grundeinkommen oder sonst wie heiße, sei „egal“. Entschleunigung sei in allen Richtungen offen. Sie erfordere allerdings einen Reifeprozess.

Ein solcher habe bereits zu zahlreichen Modellen geführt, wie etwa zu Dorf- oder Produktionsgemeinschaften, warf Becker ein. Vieles sei bereits projektiert worden, bestätigte Opitz. Aber die meisten Alternativmodell seien Kopfgeburten, die das bestehende Modell des Kapitalismus nicht sinnvoll ersetzen könnten. Er wolle mit seinem subjektiven Film lediglich Alternativen aufzeigen, wie sich gestresste Banker, gehetzte Berater oder techno-süchtige Freaks der Zwangsjacke Beschleunigung entledigt hätten.

Insgesamt drohe eine allgemeine gesellschaftliche Entfremdung durch einen gefühlten Mangel an Zeit, äußerten sich viele der Besucher. Allein der Begriff „Freizeit“ beinhalte eine Fremdbestimmung durch vorgestaltete und -geplante Organisation. Und geradezu ein Widerspruch in sich sei ein sog. Coaching für Leute, die aussteigen wollten.

Bildunterschrift:

Moderator Gerd Becker (l.) mit dem Filmemacher Florian Opitz.

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2017
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Frankfurt am Main, 19. April 2017 – Drop City gilt noch heute als die erste ländliche Hippie-Kommune der 1960er-Jahre in den Vereinigten Staaten. Regisseurin Joan Grossman erzählt in ihrem Filmprojekt von den ersten Ideen, der Realisierung und letztlich dem Verfall der Künstlerkolonie. Am 18. April 2017 war sie zu Gast im naxos.Kino und diskutierte mit den Besuchern im Anschluss an den Film „Drop City“ aus der neuen Filmreihe „Protest.Widerstand.Aufstand.“. „Es war äußerst schwierig, ein Experiment, das über acht Jahre lief, in einem 80-minütigen Film zu zeigen“, sagte sie zu Beginn.

Grossmans Film erzählt die Geschichte der Filmemacherin JoAnn und Gene Bernofsky, den Künstlern Richard Kallweit und Clark Richert sowie Kreativen und Intellektuellen, die im Laufe der Zeit in Drop City ihre Heimat fanden. Die Einwohner konzentrieren sich auf Kunst, Architektur und eine nachhaltige Lebensweise. Philip Wallmeier von der Goethe-Uni, deren „Excellenzcluster Normative Orders“ Kooperationspartner der naxos.Kino-Gruppe in dieser Filmreihe ist, bezeichnete diese Idee als „gutes Beispiel für Protest und Widerstand“. „Die Ursprungsidee von Drop City war die einer ehrlichen Gemeinschaft“, bestätigte Grossman.

Ähnlich hätten sich zwischen 1965 und 1973 in den USA rund 600 Kommunen etabliert. Drop City gehörte zu den ersten dieser Art und hatte viele weitere Kommunen und experimentelle Projekte geprägt. Vor diesem Hintergrund fragte Moderator Andrej Bockelmann, ob es noch heute Kommunen oder gar „grüne“ Parteien in den Staaten gäbe. Daraufhin meinte die Regisseurin, dass die heutige gesellschaftspolitische Lage weniger für ein damaliges Argument des Verzichts spräche. Vielmehr hätten Technologie und Wissenschaft einen höheren Stellenwert in Sachen (Um-) Weltverbesserung. Und so etwas koste eben Geld. Obwohl Drop City letztlich scheiterte, habe das Beispiel Nachfolgern jedoch neue Impulse zur Weiterentwicklung der ursprünglichen Idee gegeben. So seien die frühen Experimente mit Sonnenenergie und Recycling längst von nachfolgenden Generationen aufgenommen worden. Zwar sei das Phänomen der Kommunen deutlich zurückgegangen. Dafür sei verstärkt eine neue Kultur des „Co-Housing“ mit Hilfe von Solarenergie, neuen Konstruktionsstrukturen und neuem Materialismus festzumachen. „Nur ist alles sehr viel teuerer“, sagte Grossman. Auch sei der Faktor Spaß heutzutage weitaus geringer ausgeprägt.

Immerhin habe Drop City acht erfolgreiche Jahre bestanden und sich gegenseitig mit anderen, damals entstehenden Kommunen positiv wie negativ beeinflusst. Die Bewohner waren zwar jung und entsprechend naiv, hatten jedoch eine soziale Struktur, die für eine Kommune notwendig ist. Die ursprüngliche Intention der Gründer, Drop City als einen Ort der Kunst und des intellektuellen Austausches zu schaffen, war am Ende allerdings verloren gegangen. Bereits 1969 hatten alle ursprünglichen Bewohner Drop City verlassen. Sie lebten teilweise in Nachfolgekommunen, deren Bau- und Lebensweise von Drop City inspiriert wurden.

Bildunterschrift:

v.l.n.r.: Modeartor Andrej Bockelmann, Regisseurin Joan Grossman und Philip Wallmeier vom Excellenzcluster Normative Orders der Goethe-Uni.

Das Filmgespräch wurde vom Excellenzcluster Normative Orders aufgezeichnet. Über den unten stehenden Link kann die Aufzeichnung angesehen werden.

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017
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Gut besucht war der Filmabend am 4. April. Mit CITIZENFOUR lief der erste Film in der sechsteiligen Reihe, die das naxos.Kino zusammen mit der Goethe Universität Frankfurt, Forschungsgruppe Internationale Dissidenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen", zeigt.

Schon um 19 Uhr erfolgte eine Einführung in die Reihe mit dem Titel „Dissidents on stage. Protest. Widerstand. Aufstand“ durch den Projektleiter Prof. Dr. Christopher Daase und Rebecca Schmidt, Geschäftsführerin des Excellenzclusters. Eine Übersicht über die sechs Filme gab Maik Fielitz vom Excellenzcluster.

Gerd Becker, Vorstandsmitglied des naxos.Kino-Dokumentarfilm & Gespräch e.V., begrüßte die Gäste und freute sich über die gelungene Kooperation zwischen der naxox.Kino-Initiative, die ausschließlich durch ehrenamtlich engagierte FilmfreundInnen getragen wird, mit dem renommiertem Institut der Goethe Universität. Gemeinsames Anliegen ist es, über Dokumentarfilme aus unterschiedlichen Ländern Widerstandsbewegungen in ihrer Entstehung und in ihrem Wirken vorzustellen. Die jeweils anschließende Diskussion mit den Filmemachern und Experten aus dem Excellenzcluster entspricht dem seit zwölf Jahren im naxos.Kino umgesetzen Konzept, den Besuchern nach jedem Film eine vertiefte authentische Beschäftigung mit der Filmthematik zu ermöglichen.

Nachdem der Film gezeigt wurde, gab es denn auch ein sehr interessantes Filmgespräch mit Dirk Wilutzky, dem Produzenten von CITIZENFOUR, Martin Schmetz vom Excellenzcluster und mit Moderator Wilfried Volkmann, naxos.Kino.

Die Einführung und das Filmgespräch wurden per Video vom Excellenzcluser aufgezeichnet und können über den untenstehenden Link angesehen werden.

Der nächste Film in der Reihe ist „Drop City“ (2012), zu dem wir die Produzentin Joan Grossmann, New York City, erwarten sowie Philip Wallmeier vom Excellenzcluster und den Filmemacher und Produzenten Andrej Bockelmann, naxos.Kino. Diesen Film können Sie am Dienstag, 18. April um 19.30 Uhr im naxos.Kino sehen - bei freiem Eintritt.

 

 

 

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2017