Archiv für September, 2009




Dienstag, 29. September, 20 Uhr
Naxoshalle
Filmreihe „Von Frauen über Frauen“ (1)
Dokumentarfilm von Hanna Laura Klar (2006 / 80 Min.)

sophie-300-72Elisabeth Hartnagel ist die letzte noch Lebende der fünf Geschwister Scholl und mied bisher die Öffentlichkeit. Jetzt erzählt sie von ihrer Schwester Sophie, die ihr wie eine Zwillingsschwester ähnelte.

Der Film zeigt erstmals den sozialen und kulturellen Hintergrund der fünf Scholl-Geschwister. Es wird deutlich wie stark der familiäre Kontext das Denken und Handeln von Hans und Sofie Scholl geprägt hat.

Was Hans uns Sofie Scholl mit der Widerstandsgruppe „Weiße Rose” in München an subversiven Flugblattaktionen unternahmen, davon ahnte ihre Schwester Elisabeth in Ulm nichts. „Sofie war fordernd, burschikos, frech, das genaue Gegenteil von Elisabeth”. Elisabeth, die brave und ahnungslose Schwester, heiratete nach dem Krieg Sofie´s Verlobten Fritz Hartnagel, der nach seiner Verwundung in Stalingrad Sofie´s Verurteilung und Hinrichtung nur aus dem Lazarett verfolgen konnte. Er studierte nach 1945 Jura und recherchierte das Schicksal der „Weißen Rose”, wurde Richter und beriet Kriegsdienstverweigerer.

Erst seit 10 Jahren, als von den insgesamt fünf Scholl-Geschwistern nur noch Elisabeth Hartnagel lebt, tritt auch sie als Zeitzeugin in die Öffentlichkeit.

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Hanna Laura Klar, Regisseurin
  • Johannes Becker, Friedens- und Konfliktforscher, Universität Marburg

Moderation: Sandra Zimmermann, naxos.KINO IM THEATER

Die Filmreihe “Frauen machen Dokumentarfilme” wird gefördert vom Frauenreferat der Stadt Franfkfurt

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Montag, 28. September, 20 Uhr
Naxoshalle
Montags-Special (3): Die 1002te Nacht - Kino & Theater im Gespräch
Dokumentarfilm von Shaheen Dill-Riaz (2009 / 86 Min.)

korankinder_300rgbKorankinder verbindet auf bemerkenswerte Weise Einblicke in die Koranschulen, die sogenannten Madrasas, in Bangladesh mit dem privaten Blick des Regisseurs Shaheen Dill-Riaz auf seine eigene religiöse Erziehung und auf die Entwicklung des Islam in seiner Heimat Bangladesh.
In einer Madrasa, deren Bildungssystem von der religiösen Erziehung bestimmt wird, lernen die Schüler inmitten der weit verbreiteten Armut schon in der frühen Kindheit zwölf Stunden täglich über zwei Jahre hinweg die mehr als 6.000 Verse des Koran auf Arabisch auswendig. Eine Sprache, die sie nicht verstehen und die ihnen teilweise im wahrsten Sinne des Wortes eingeprügelt wird.
Ihre Kindheit opfern sie dem Ziel, sich dann „Hafiz” nennen zu können und als Koranlehrer in einer Moschee oder als Geistlicher bei Feierlichkeiten jeder Art wie Hochzeiten, Todesfällen oder Einweihungen zu arbeiten. Ein Hafiz in der Familie garantiert darüber hinaus den Eltern ein gutes Leben im Jenseits und eine Belohnung am Tag des jüngsten Gerichts. Ãœbersteht ein Schüler die harte Zeit der Ausbildung nicht und bricht ab, so hat dies fatale Folgen, denn oft ist es zu spät, noch eine staatliche Schule zu besuchen oder eine andere Ausbildung zu machen.
Nur wenige trauen sich, ihre Kritik öffentlich zu äußern. Einer der wenigen ist Prof. Salimullah Khan. Die Ausbildung sei sehr einseitig, sagt erund beklagt den Wandel der Madrasas von einer Bildungseinrichtung für Muslime - einem Gegenentwurf zum britischen Bildungssystem, eingeführt zu Kolonialzeiten - zur reinen Religionsschule.
Trotz des traditionellen Bilderverbots gelingt es Shahee dill-Riaz mit seiner Kamera, Zugang zu den Madrasas zu bekommen und Lehrer, Schüler und Eltern zu porträtieren.

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Regisseur Shaheen Dill-Riaz
  • Hadyatullah Hübsch,  Islamwissenschaftler und Schriftsteller
  • Willy Praml vom Theater Willy Praml und Vertretern seines Ensembles.

Moderation: Wolf Lindner, naxos.KINO IM THEATER

Die Filmreihe “Die 1002te Nacht - Kino & Theater im Gespräch” wird gefördert vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten, Frankfurt.

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Dienstag, 22. September 2009, 20 Uhr
Naxoshalle
Zur Fairen Woche: Filmreihe "Die Schöpfung bewahren"
Dokumentarfilm von Marie-Monique Robin (2008 / 109 Min)

mit-gift-u-genenGenetisch veränderte Lebensmittel sind sicher. Das sagen die Hersteller-Firmen. Marie-Monique Robins brillante Recherche über den Biotechnologie-Konzern Monsanto untersucht, wie die „wissenschaftlichen Beweise” für diese Behauptung zu Stande kommen. Sie findet heraus, dass Gen-Manipulierer auch Forschungsergebnisse manipulieren. Gegenstimmen bringt Monsanto systematisch zum Verstummen. Robins Film enthüllt die Einflussnahme des Konzerns auf Politik und Kontrollbehörden bei seinem weltumspannenden Griff nach der Macht über unser Essen.
Der Dokumentarfilm stützt sich auf bisher unveröffentlichte Dokumente und auf Stellungnahmen von Wissenschaftlern, Vertretern von Bürgerinitiativen, Geschädigten, Rechtsanwälten, Politikern sowie Vertretern der staatlichen Food and Drug Administration (FDA).

Die mit dem angesehenen Journalistenpreis “Albert Londres” ausgezeichnete Regisseurin Marie-Monique Robin hat drei Jahre in Nord- und Südamerika sowie in Europa und Asien recherchiert. Sie hat mit Bauern in Indien, Mexiko und Paraguay gesprochen, um die Geschichte des heute vielleicht mächtigsten Samenherstellers der Welt zu rekonstruieren. Dabei zeichnete sich hinter dem von den Werbekampagnen bedienten Image des sauberen und umweltfreundlichen Konzerns eine gnadenlos nach Marktführerschaft strebende Unternehmenspolitik ab.

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Christoph Then, Gentechnik-Experte und Mitarbeiter von Greenpeace
  • Ulle Schröder, ARTE, Dokumentarfimredaktion

Es moderiert Manola Romalo M.A., freie Journalistin.

Dienstag, 15. September, 20 Uhr
Naxoshalle
filmreihe Frankfurt im Film 6
Dokumentarfilm von Malte Rauch

frankfurt-conacryJean Claude Diallo kehrt, nachdem er 16 Jahre im Exil gelebt hat, zurück in seine Heimat Guinea. Er trifft dort auf seine Ursprungsfamilie, die in dem Land, das er verlassen musste, eine wichtige Rolle spielt. Doch nach dem Tod des Diktators Sekou Touré scheint es auch für ihn in Guinea eine Zukunft zu geben. Der Regisseur Malte Rauch begleitet ihn auf seiner Reise und zu seinen Gesprächen mit führenden Politikern. Diallo wird 1984 vorübergehend Kulturminister, kehrt aber schon 1986 wieder nach Frankfurt zurück.
Malte Rauch zeigt bei seinen Streifzügen durch Guinea eindrücklich die wirtschaftliche Situation des Landes. So werden wertvolle Bodenschätze (etwa 1/3 der Weltvorkommen von Bauxit), die sehr wichtig sind für die Industrieländer und deren Warenproduktion, dorthin exportiert. Die in Conakry lebenden, geschickten Handwerker hingegen müssen sich bei der Herstellung von Gebrauchsgegenständen, wie Töpfen und Pfannen, mit Abfällen von Weißblech begnügen.
Gerade der doppelt fremde Blick des Filmemachers im Gespräch mit dem zurückgekehrten Diallo geht unter die Oberfläche. Ein so gar nicht kolonialer Blick auf das „ach so arme und rückständige” Afrika. „Frankfurt-Conakry” ist ein verunsichernder Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion über die Lage der Ersten Welt und wirft ein wenig günstiges Schlaglicht auf die Rolle der Ersten Welt und ihrer Abgesandten in den so genannten Entwicklungsländern. Nüchtern wird die Umbruchssituation in Guinea nach Jahren der Diktatur vorgestellt, den Hintergründen für die gescheiterte Unabhängigkeit nachgegangen und zugleich die spannende Geschichte eines Mannes erzählt, der viele Jahre im reichen Industrieland Deutschland gelebt und gearbeitet hat.

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Malte Rauch, Regisseur

Moderation: Florian Schwinn, Hessischer Rundfunk

Dieser Filmabend wird gefördert von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt am Main.

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Montag, 14. September 2009, 20 Uhr
Naxoshalle
Montags Special (2): Die 1002. Nacht - Kino & Theater im Gespräch
Dokumentarfilm von Anne Pütz (2008 / 84 Min)

Seit August spielt das Theater Willy Praml ein ambitioniertes neues Stück: "Die 1002. Nacht". Das Stück erzeugt Gesprächsbedarf. Begleitend zeigen wir deshalb in einem vierteiligen Montags-Special vier Dokumentarfilme, die sich thematisch mit dem Theaterstück überschneiden. Zum anchließenden Filmgespräch werden neben den Regisseur/innen auch Willy Praml und Ensemblemitglieder anwesend sein.

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“Jesus Freaks” dokumentiert drei junge Frauen aus Berlin, die eins gemeinsam haben: Sie sind Christinnen, sogenannte Jesus Freaks, und haben eine ganz intime und lebendige Liebes-Beziehung zu Jesus. Claire, Mireille und Helke leben in einem ständigen Spagat zwischen Gottes Welt und unserer Welt. Geplagt von innerer Zerrissenheit, Ängsten, teuflischen Versuchungen und Konflikten mit Nichtchristen versuchen sie ihren Weg zu gehen…
Auf der Suche nach moralischem und sozialem Halt im postmodernen Deutschland haben sich Helke, Mireille und Claire in Berlin den Jesus Freaks angeschlossen - einer freichristlichen Bewegung mit betont coolem Anstrich. Aber nicht immer lassen sich die persönlichen Bedürfnisse der drei modernen, jungen Frauen und ihr Verlangen nach Geborgenheit und Zweisamkeit mit dem religiösen Regelwerk der Bewegung in Einklang bringen.
Ob Punk oder Vollakademiker, die Anfang der 90er Jahre von zwei orientierungslosen Jugendlichen in Hamburg gegründeten Jesus Freaks haben mittlerweile tausende junge Mitglieder und sind international aktiv. „Hört auf, Euch mit Alk breit zu hauen. Damit macht Ihr nur Euer Leben kaputt. Lasst Euch lieber mit dem Heiligen Geist abfüllen.” Mit Zitaten wie diesen hat sich die „Volxbibel” - eine kontroverse Ãœbersetzung der Bibel im Jugendjargon - bereits fast 100.00 Mal verkauft.
„Jesus Freaks” ist ein beobachtender, sehr einfühlsamer Dokumentarfilm, der tief in die extrem christlich geprägte und oft widersprüchliche Gedanken- und Gefühlswelt seiner Protagonistinnen eintaucht. Dabei geht er auch der Frage nach, warum heutzutage wieder mehr und mehr junge Menschen Halt bei religiösen Gemeinschaften, Sekten und im Spirituellen suchen.
Der Film der jungen Autorin Anne Pütz und entstand in Koproduktion mit der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Mentor war der renommierte Dokumentarfilm-regisseur Andres Veiel.

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Regisseurin Anne Pütz
  • Ulrike Trautwein, Gemeindepfarrerin
  • Rasmus Bertram, Pfarrer der Jugendkirche Sankt Peter in Frankfurt
  • Jugendliche der Jugendkirche Sankt Peter in Frankfurt

Moderation: Antje Schrupp, Journalistin

Die Filmreihe “Die 1002. Nacht - Kino & Theater im Gespräch” wird gefördert vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten, Frankfurt.

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Dienstag, 8. September 2009, 20 Uhr
Naxoshalle
Filmreihe "Jugend in Deutschland" (4)
Dokumentarfilm von Bettina Braun (2004 / 84 Min)

was-lebst-duIn ihrem Debüt-Dokumentarfilm „Was lebst du?” begleitet Bettina Braun über zwei Jahre lang mit der Kamera eine in Köln lebende Gruppe von Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft. Sie zeigt den Alltag der jungen Männer zwischen Schule und Ausbildung, traditionellem Elternhaus und westlichem Lebensstil, klischeehafter Selbstdarstellung und eigenen Träumen.
Die vier Freunde Ali, Kais, Ertan und Alban, alle zwischen 16 und 20 Jahre alt, scheinen durch Machogehabe und Sprücheklopferei gängige Vorurteile zu bestätigen. Auf den zweiten Blick jedoch durchbrechen sie diese Klischees. Selbstinszenierung und Posen fallen oder werden selbstironisch auf die Schippe genommen. Zu Tage tritt das konfliktbeladene, aber auch warmherzige und tiefgründige Wesen der Jugendlichen.
Ihr Treffpunkt ist das Kölner Jugendzentrum „Klingelpütz”, wo sie bereits in früher Kindheit ein zweites Zuhause gefunden haben. Die vier jungen Männer stammen aus marokkanischen, tunesischen, türkischen und albanischen Familien. Trotz unterschiedlicher Herkunft ist ihr Zusammengehörigkeitsgefühl stärker als alle ihre Differenzen. Loyalität und gegenseitiger Respekt bestimmen den Umgang miteinander, auch wenn der Ton oft rau und direkt ist. Letztlich sind sie alle in einer ähnlichen Situation: auf der Suche nach sich selbst und nach ihrem Weg im Leben.
Bettina Braun, Absolventin der Kölner Kunsthochschule für Medien, zeigt in einer Mischung aus großer Nähe und diskreter Distanz die Entwicklung ihrer jungen Protagonisten in einem unbekannten Alltag in Deutschland. Sie begleitet die Jugendlichen auf der Schwelle zwischen dem, was sie als Kinder waren und was sie als Erwachsene sein werden.

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Regisseurin Bettina Braun
  • Mitarbeitern des Jugendhauses am Heideplatz, Frankfurt

Moderation: Oliver Kirst, naxos.KINO IM THEATER

Dieser Filmabend findet statt in Kooperation mit dem Jugendbildungswerk der Stadt Frankfurt

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Dienstag, 1. September 2009, 20 Uhr
Filmmuseum
Zum Anti-Kriegstag: Filmreihe Krieg und Frieden (4)
Dokumentarfilm von Peter Lilienthal (2007 / 86 Min.)

camilo-nlDas Rückgrat der US- amerikanischen Armee kommt nicht aus West Point oder Annapolis, nicht aus Familien mit einer Militärtradition, die bis zum Sezessionskrieg zurückreicht, sondern wurde in den Armen-vierteln der Schwarzen aufgebaut und den Einwanderungswellen aus Lateinamerika weiter gestärkt. Die Rekrutierungskommandos der Streitkräfte haben zumeist leichtes Spiel bei den Perspektivlosen und gesellschaftlich Ausgestoßenen, die Verlockungen der vereinfachten Einbürgerung durch den Wehrdienst tun ihr Übriges.
Peter Lilienthal - einer der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films erzählt in „Camilo” die Geschichte von Camilo Mejia, der nach fünfmonatigem Einsatz im Irakkrieg während eines Heimaturlaubs die US-Armee verließ. Camilo Mejía wurde der erste offizielle Kriegsdienstverweigerer des Irakkriegs. Lilienthal begleitet den zwischenzeitlich Inhaftierten bei seinen Versuchen, wieder im Leben Fuß zu fassen und verfolgt sein neues Engagement für die Friedensbewegung.
Dabei stellt er nicht nur die „Legitimität” des Krieges der US-Armee im Irak in Frage, er fragt auch weiter: Wer sind die Opfer der Kriege? Warum lassen Väter ihre Söhne in den Krieg ziehen? Was bewegt junge Menschen dazu, in die US Armee einzutreten?
Zweite zentrale Figur des Films ist der Mexikaner Fernando Suarez del Solar, der im Irakkrieg seinen 19-jährigen Sohn Jesus durch eine US-Mine verlor. Auch Fernando zieht heute als Friedensaktivist durch die Schulen hispanischer Communities in den USA und setzt den beschönigenden Versprechungen der Rekrutierungskommandos seine bitteren Erfahrungen entgegen. Dennoch kann die Verwandlung von Camilo und Fernando zu aktiven Kriegsgegnern ihre Schuldgefühle nicht verdecken. In ihrem Bestreben, in ihrer Wahlheimat USA ein angepasstes Leben zu führen, wurden sie zu Komplizen der Gewalt.

Im Anschluss Filmgespräch

  • mit dem Produzenten des Films, David P. Stehl
  • Rudi Friedrich, connection e.V., Verein zur Unterstützung von Kriegsdienstverweigereren und Deserteuren

Moderation: Monika Haas, Deutsches Filminstitut