Archiv für August, 2009

Montag, 31. August 2009, 20 Uhr
Naxoshalle
Montags-Special (1): Die 1002. Nacht - Kino & Theater im Gespräch
Dokumentarfilm von Beatrix Schwehm (2007 / 52 Min)

Am 28. August hat im Theater Willy Praml ein ambitioniertes neues Stück Premiere: "Die 1002. Nacht". Das Stück erzeugt Gesprächsbedarf. Begleitend zeigen wir deshalb in einem vierteiligen Montags-Special vier Dokumentarfilme, die sich thematisch mit dem Theaterstück überschneiden. Zum anchließenden Filmgespräch werden neben den Regisseur/innen auch Willy Praml und Ensemblemitglieder anwesend sein.

luise1Der Film erzählt von einer deutschen Familie, deren einzige Tochter Luise im Alter von 19 Jahren den islamischen Glauben annimmt. Im Alltag trägt sie Kopftuch und islamische Kleidung, die Moschee besucht sie regelmäßig.
Mittlerweile ist die Tochter 25 Jahre, verheiratet mit dem algerischen Informatikstudent Mohamed und ist in ihrer selbst gewählten Welt glücklich. Sie hat eine dreijährige Tochter und erwartet ihr zweites Kind. Bis vor wenigen Wochen lebte das Paar gemeinsam im Haus mit Luises Eltern.
Nach außen funktioniert die Familie solidarisch, nach innen hat sie wie in einer Parallelwelt mit alltäglichen Widersprüchen und Grenzsituationen zu tun. Luises Eltern suchen einen Weg, mit der fremden Kultur umzugehen, die in ihrer Familie eingedrungen ist.
Der Film ist ein persönlicher und zugleich ein politischer Film. Er führt in die Lebenswelt einer Familie, deren private Konflikte geprägt und überlagert werden durch aktuelle gesellschaftliche Strömungen und weltpolitische Ereignisse. Im Mikrokosmos dieser Familie mischen sich westliche und islamische Werte, gleichzeitig spiegeln sich die Ängste wieder, die der Islam gegenwärtig hervorruft. Darüber hinaus erzählt er von Menschen, die sich lieben und streiten, er begleitet die Familie auf ihre Reise in Mohameds Heimat nach Algerien, er erzählt von Ängsten, Respekt, Resignation vom Aufeinanderprallen unterschiedlicher Weltbilder und Lebensentwürfe.
Der Film zeigt keinen Kampf der Kulturen, sondern den konfliktreichen und steinigen Weg hin zu Toleranz und Annäherung, aber auch die Grenzen von Verständnis und Akzeptanz.

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • der Regisseurin Beatrix Schwehm,
  • Hadyatulla Hübscg, Journalist und Schriftsteller in Frankfurt, vom Christentum zum Islam konvertiert
  • Willy Praml und weitere Ensemblemitglieder des Theaters Willy Praml

Moderation: Wolf Lindner, naxos.KINO IM THEATER

Die Filmreihe “Die 1002. Nacht - Kino & Theater im Gespräch” wird unterstüzt vom
Amt für multikulturelle Angelegenheiten, Frankfurt.

multikulti-logo

Dienstag, 25. August 2009, 20 Uhr
Filmmuseum, 20 Uhr
Filmreihe Die Schönen Künste (5)
Dokumentarfilm von Rüdiger Daniel (2008 / 72 Min)

das-neuss-testamentWolfgang Neuss (1923-1989) war “Der Mann mit der Pauke”, Filmstar, Spielverderber, Bundesfilmpreis-träger, Spaßvogel, Haschrebell. Am 5. Mai jährt sich der Todestag von Wolfgang Neuss zum 20. Mal.

Als junger Soldat schoss er sich den Zeigefinger der linken Hand ab. Er wollte raus aus dem Krieg, um Clown zu werden. Er mauserte sich zum populärsten Kabarettist im Nachkriegsdeutschland; verwandelte sich in den 68ern zum Kommunisten. Der Querkopf zieht uns in seinen Bann, erzählt, dichtet, singt und schreibt über sich und seine Wandlungen. Er spaltete die Nation und die Menschen, die ihm begegnet sind. Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker war sich mit ihm vollkommen einig: “Der war sehr gut.”
Am 2. Mai 1989, drei Tage vor seinem Tod, rief Neuss den Filmemacher Rüdiger Daniel in seine Wohnung in Berlin-Charlottenburg. Er wollte sprechen und hinterließ seinen finalen Monolog.
Das Selbstporträt basiert auf diesen zum Teil unveröffentlichten letzten Aufnahmen. Dazu gesellen sich Zeitzeugen, die das erste Mal vor der Kamera von Wolfgang Neuss erzählen: seine Schwester Eva, seine Geliebte Gisela Groenewold, sein Sympathisant Richard von Weizsäcker. Außerdem erinnern sich sein Anwalt, sein Biograf und seine beiden Masseure an “das Ungeheuer von Loch Neuss”, wie er sich selbstironisch bezeichnete. Der Film beginnt mit einem Zitat von Neuss zu seiner Beerdigung: “Wir haben gar keine Chance nicht zu leben. Wir leben immer, immer, immer…”

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Regisseur Rüdiger Daniel
  • Heinrich Pachl, Kabarettist aus Köln, zeitweise politisch-kpnstlericher Wegbegleiter von Neuss
  • Matthias Thiel, Deutsches Kabarett-Archiv Mainz

Moderation: Wolf Lindner, naxos.KINO IM THEATER

Dienstag, 18. August 2009, 20 Uhr
Naxoshalle
Filmreihe Frankfurt im Film (5)

bob

Bob’s Place
Ein Dokumentarfilm von: Götz Schauder (21 Min)

Bob, ein Friseur in der Frankfurter Innenstadt. Amerikaner, Araber, Türken, Frankfurter lassen sich und ihren kleinen Söhnen eine neue oder alte Frisur kreieren. Sie sprechen mit Bob über ihre Familie, ihr Lebensgeschichte und ihre Wünsche - zum Haarschnitt.
Geboren wurde er im Sudan, wie er sagt, mit eritreischem Hintergrund. Aufgewachsen ist er, heute 40 Jahre alt, in einer deutschen Familie in Sachsenhausen. Als Jugendlicher hat er die Nähe zu Amerikanern gesucht. Denn dort traf er Menschen mit dunkler Haut; er wollte doch nicht immer anders sein als seine deutschen Mitschüler und seine Familie. Und er spricht von einem Doppelleben, das er geführt hat. Seine Kunden sagen über ihn: Er weiß viel, er spricht viele Sprachen auch arabisch. In seinem Geschäft sind Portraits aus der Geschichte Afrikas und der Afrikaner in Amerika zu sehen. Bob freut sich, wenn seine Kunden ihn darauf ansprechen und er die Geschichten dazu erzählen kann.
Der Regisseur zeigt mit den Portraits von Bob und seinen Kunden eine Seite des Lebens in Frankfurt, die voll ist von Bezügen zu der ganzen Welt und in diesem kleinen Laden zusammentrifft.

Bücher

Dokumentarischer Kurzfilm von Dieter Reifarth und Bert Schmidt (1987 / 12 Min.)

Bornwiesenweg/ Ecke Finkenhofstraße: Vor ca. 20 Jahren hatte hier ein Buchhändler sein Geschäft. Ihn und seine Büchertürme haben die Filmemacher Dieter Reifrath und Bert Schmidt zu den Hauptfiguren ihres Filmes gemacht. Der Buchhändler hat ein sehr eigenes System für die Ware Buch geschaffen, in dem er sich mit beinahe schlafwandlerischer Sicherheit bewegt. Auf der Suche nach einem bestimmten Buch - entweder von seinen KundInnen gewünscht, oder von ihm zur Lektüre empfohlen - streichen seine Hände die Büchertürme entlang.

Besonders spannend sind die Filmmomente, in denen er mitten aus einem der Büchertürme das gefundene Exemplar herauszieht und der Turm darüber, gleichsam entgegen der Gesetze der Schwerkraft, stehen bleibt.
Die Kamera scheint mit zu tanzen in der Enge des Ladens und nimmt auch schon mal die Vogelperspektive ein um Abstand zu schaffen und/oder die Atmosphäre des Raumes einzufangen.

Wie ich ein freier Reisebegleiter wurde

Film von Jan Peters (2007 / 15 Min.)

Ein inszenierter Dokumentarfilm im Land der 1-Euro-Jobs: Jan Peters versucht ein Praktikum bei einem Frührentner in Frankfurt anzutreten. Dieser bessert sich seine karge Pension mithilfe einer „zündenden Geschäftsidee” auf: freie Reisebegleitung. Das bedeutet den täglichen Kauf einer Gruppenkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel, mit der er dann seine Kunden gegen ein kleines Entgelt vom Flughafen dorthin bringt, wo sie hinwollen. Bringt zwischen 15 und 20 Euro Gewinn pro Tag. Mit einer Visitenkarte, einem Overall und einem feinen Duft als vertrauensbildende Maßnahmen steht einer Bilderbuchkarriere nichts mehr im Weg…
„Wie ich ein freier Reisebegleiter wurde” beleuchtet die Befindlichkeiten des Existenzgründers zwischen Generation Praktikum und Hartz IV. In einem filmischen Tagebuch wird von den Wirren und Mühen berichtet, sich auf dem Frankfurter Flughafen, einer Art Mikrokosmos der Beschäftigungspolitik und des freien wilden Arbeitsmarktes, mit einer Gruppenkarte der Verkehrsbetriebe etwas Geld zu verdienen.

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Bernd Schmidt, Regisseur von “Bücher”
  • Götz Schauder, Regisseur von “Bob’s Place”
  • Bob Kebede, Frankfurter Friseur und Protagonist aus Bob’s Place

Moderation: Elke Peters, naxos.KINO IM THEATER

Dienstag, 11. August 2009, 20 Uhr
Naxoshalle
Filmreihe Die Schönen Künste (4)
Dokumentarfilm von Fatih Akin (2005)

crossing_the_bridge“Crossing The Bridge” ist eine spannende Musikdokumentation über Istanbul, die Stadt am goldenen Horn. Die Brücke über den Bosporus verbindet nicht nur den europäischen mit dem asiatischen Teil der Metropole. Als architektonisches Monument symbolisiert sie auch den Dialog zwischen Orient und Okzident - mit Istanbul im Brennpunkt. Als einzige Stadt, die auf zwei Kontinenten gebaut ist, ist das ehemalige Konstantinopel geradezu prädestiniert für eine Vermittler-Rolle.
Die dort arbeitenden Künstler sehen das größtenteils genauso. Von modernen elektronischen Sounds über Punkrock und HipHop bis zu traditionellen arabischen Klängen wirft der Film ein äußerst breit gefächertes Schlaglicht auf die quirlige Musikszene Istanbuls. Nicht nur der türkische Turbo-Rapper Ceza, die Psychedelic-Rocker Baba Zula und das DJ-Duo Orient Expressions demonstrieren die lebendige Vielfalt ihrer Heimat. Den friedlichen Clash der Kulturen hat sich auch Mercan Dede auf die Fahnen geschrieben. In ebenso avantgardistischen wie atmosphärischen Tracks er Lounge-Beats mit traditioneller Sufimusik. Die kurdische Sängerin Aynur wiederum repräsentiert eine lange unterdrückte Minderheit in ihrem Land. Und Sertab Erener, vielen bekannt als Grand-Prix-Siegerin des Jahres 2003, überrascht mit einer eigenen Fassung von Madonnas Dancefloor-Hit “Music”.
Alexander Hacke, seit über 20 Jahren Bassist der Band „Einstürzenden Neubauten”, übernimmt im Film die Rolle des Reiseführers. Er begibt sich mit einem mobilen Tonstudio auf Entdeckungstour durch Istanbul. Fatih Akin begleitet ihn bei dieser Mission mit der Kamera. Es entsteht ein einzigartiger Einblick in die aktuelle türkische Musikszene.

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Dr. Fehmi Akalin, Pressesprecher des Türkischen Filmfestivals in Frankfurt
  • Frau Sultan Can Atici vom Verein zur Förderung von Frauen aus der Türkei

Es moderiert Nicolai Bockelmann, naxos.KINO IM THEATER

Dienstag, 4. August 2009, 20 Uhr
Naxoshalle
Dokumentarfilm von Johann Kramer (2003 / 78 Min.)

das-andere-endspielEin Film über Liebe, Fußball und einen fehlerhaften Lautsprecher.
Am 30. Juni 2002, dem Tag an dem Deutschland und Brasilien um die Fußballweltmeisterschaft spielten, fand gleichzeitig ein anderes außergewöhnliches Fußballspiel statt. Ein Team der karibischen Insel Montserrat reiste bis ans andere Ende der Welt in das Königreich Bhutan im Himalaya, um dort das von der FIFA autorisierte Freundschaftsspiel, the other final, zu bestreiten.

Der Film “The Other Final” ist die Geschichte einer Reise zu den Wurzeln des Fußballspiels. Regisseur Johan Kramer drehte in Montserrat, den Niederlanden und Bhutan. Er folgte den Vorbereitungen auf das Spiel bis zum Finale in Thimphu, der Hauptstadt Bhutans vor 25.000 begeisterten Zuschauern über eine Zeitspanne von mehreren Monaten. Kramer dokumentierte die Erfahrungen der Mannschaften, der Organisatoren und der Menschen in den völlig unterschiedlichen Religionen und (Fußball-)Kulturen, die aber eines verbindet und an einem Nachmittag zusammenbringt: Die Liebe zum Fußball.

Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Dr. Thorsten Benkel, Sportwissenschaftler Universität Frankfurt
  • Jurgen Eimer, Fanbeauftragter des Fußballsportvereins Frankfurt (FSV)
  • Willy Praml, Theater Willy Praml

Moderation: Wolf  Lindner, naxos.KINO IM THEATER