Der Fluch des Tötens - Kindersoldaten im Kongo
Papy und Ngoy waren Kindersoldaten. Mit zehn Jahren liefen sie von zu Hause weg, weil sie hungerten und die kongolesische Armee ihnen gute Bezahlung versprach. Jetzt mit 16 wurden sie entlassen ohne Abfindung, ohne Schulabschluss, ohne Ausbildung.
Die internationale Kinderrechtsorganisation BICE-Deutschland hat in Zentralkongo das Friedensdorf Bupolé gebaut. Ein bisher einmaliges Rehabilitationszentrum für ehemalige Kindersoldaten, das sie auf ihre Rückkehr ins zivile Leben vorbereitet. Von Psychologen und Sozialarbeitern betreut, lernen sie, nach zivilen Regeln zu leben, Konflikte mit Worten und nicht mit Waffen auszutragen. Langsam bauen sie Vertrauen zu ihren Betreuern auf und beginnen über ihre schrecklichen Erfahrungen zu sprechen - erste Schritte einer Bearbeitung ihrer Traumata.
Flucht vor dem Krieg - Mädchenschicksale im Kongo
Yvette, 15, lebt in einem Waisenhaus der „Soeurs des Pauvres”. Vier Jahre lang war sie auf der Flucht vor den kämpfenden Truppen in Ostkongo. Dabei wurde ihr Vater getötet, ihre beiden Schwestern und ihre Mutter starben an Entkräftung. Yvette ist traumatisiert. Unter der Obhut eines Psychologen und einer Sozialarbeiterin beginnt sie allmählich wieder Vertrauen aufzubauen. Erst nach einigen Monaten ist sie in der Lage, über ihre schrecklichen Erlebnisse zu erzählen, über die Vergewaltigungen, die sie und ihre Mutter erleiden mussten.
Im besonderen Maße sind Mädchen in Flüchtlingssituation betroffen. Sie müssen oft zu Hause für die Familie mit sorgen, können dann nicht wie ihre Brüder weiter zur Schule gehen. Nicht selten müssen sie mit Geld verdienen und landen in der Prostitution. Gravierend wird es für Mädchen, die während ihrer Flucht vergewaltigt wurden. Sie gelten als entehrt, werden oftmals von ihrer Familie verstoßen.
Sierra Leone: Nur langsam heilen die Wunden des Krieges
Der Krieg in Sierra Leone, der im Juni 2002 zu Ende ging, lebt in den Erinnerungen der Menschen noch immer weiter: Zerstörung ihrer Häuser, Flucht und Vertreibung, Ermordung und Verstümmelung ihrer Angehörigen. Die Menschen leiden an posttraumatischen Stress-Symptomen wie Albträume, Schlaflosigkeit, Angstzustände. Immer wieder brechen Bilder in ihnen hoch, die sie nicht kontrollieren können. Intrusionen nennen das die Psychologen - Bilder der Seele, die so lebendig sind, als wären sie real da. Erkenntnisse der Holocaust-Forschung haben gezeigt, dass sich solche traumatischen Erfahrungen der Eltern als Transgenerationeneffekt auf ihre Kinder und Kindeskinder übertragen.
Caritas international hat dazu das „Trauma and Recovery Prgramm” (TAR) entwickelt. Ein bisher einzigartiger Ansatz, dessen Programm sich gezielt an Vorschulkinder - die Jüngsten der Gesellschaft - richtet, gleichzeitig aber in den Arbeitsprozess auch die Erzieherinnen und Eltern mit einbezieht.
Zum Filmgespräch kommen
- die beiden Filmemacher Stefanie Landgraf und Hannes Gulde
- Sibylle Rothkegel, Psychologin aus dem Berliner Zentrum für Flüchtlinge und Folteropfer. Sie hat selbst viele Jahre in Afrika gearbeitet.
Es moderiert Wolf Lindner, naxos.KINO IM THEATER