Archiv für April, 2009

Dienstag, 28. April 2009 - 19.30 Uhr
Naxoshalle
Dokumentarfilm von Volker Kriegel (1977 / 70 Min.)

jazzkeller1Der 2003 verstorbene Musiker, Cartoonist und Autor Volker Kriegel hat die Frankfurter Jazzszene in den 60er und 70er Jahren aus nächster Nähe beobachtet.
Sein Dokumentarfilm beschreibt den Frankfurter Jazzkeller, der im Sommer 1977 sein 25jähriges Jubiläum feiern konnte. Er war das älteste Jazzlokal in Deutschland und das Zentrum der Frankfurter Jazzszene. Die Musiker, die aus dieser Szene hervorgegangen sind - vor allem der Posaunist Albert Mangelsdorff - spielten im europäischen und im internationalen Jazz eine wichtige Rolle. Für sie war dieser enge Keller mit der unsäglich schlechten Luft und der kleinen Bühne mehr als nur irgendein Jazzclub. Er war ihre Stammkneipe, ihr Trainingslager, ihr Vereinslokal. In den ersten Jahren wurde hier ohne Gage gespielt, höchstens für Bier und Schnaps.
Die große Zeit des Jazzkellers war Ende der 50er Jahre, als hier nächtelang die berühmten Jam-Sessions stattfanden. In dieser Zeit sind auch oft amerikanische Gäste eingestiegen, berühmte Stars, die bei ihren Tourneen dem Jazzkeller einen Besuch abstatteten. Der ZDFtheaterkanal erinnert mit diesem Beitrag an Albert Mangelsdorff, der am 25. Juli 2005 im Alter von 76 Jahren verstarb.

Der Film startet um 20.30 Uhr.

Im Anschluss (ab ca. 22 Uhr) Filmgespräch mit

  • dem Kameramann des Films, Pavel Schnabel
  • dem jetzigen Besitzer des Jazzkellers, Eugen Hahn

Es moderiert Susanne Hillebrand, naxos.KINO IM THEATER.

Dienstag, 14. April 2009 - 20 Uhr
Filmmuseum
Filmreihe Krieg und Frieden (2)

war-photographer

Der Andere im Augenblick
Dokumentarfilm von Katja Trenkler, Anna-Esther Younes, Eglantine Yamamoto-Masson, Martina Süess
(BRD 2008 / 36 Min.)

Wie begegnen Kriegs- und Konfliktfotograf/innen den Menschen in Krisen und Katastrophen?
Welche Möglichkeiten bietet die Fotografie, sich dem Leiden Anderer zu nähern, es zu verstehen und vielleicht sogar dazu beizutragen, es zu mindern? Politisch engagierter Fotojournalismus scheint in einer auf Sensationslust Bilderflut unterzugehen.
Die Fotografen Ursula Meissner, Lukas Gold und Fadi Arouri schätzen die Wirksamkeit ihrer Bilder ein und beziehen Stellung zu der Rolle der Medien. Sie geben einen Einblick in die Schwierigkeiten und Gefahren ihres Berufes und sprechen über Ihren ganz persönlichen Zugang zu Menschen, deren Leben in Kriegen und Konflikten sie fotografieren.


War Photographer
Dokumentarfilm von Christian Frei (Schweiz 2001 / 96 Min./ 35 mm)

War Photographer ist ein Film über den amerikanischen Fotografen James Nachtwey, über seine Motivation, seine Ängste und seinen Alltag als Kriegsreporter. Will man den Hollywood-Filmen glauben, dann sind sie alle abgebrühte und zynische Haudegen. Wie kann man im Augenblick des Grauens an die Belichtungszeit denken?
Der Schweizer Autor, Regisseur und Produzent Christian Frei folgte in seinem mehrfach ausgezeichneten Film (u.a. Grimme-Preis) dem Kriegsfotografen James Nachtwey während zweier Jahre in die Krisengebiete in Indonesien, Kosovo, Palästina… Christian Frei benutzte spezielle Mikrokameras, die am Fotoapparat von James Nachtwey befestigt wurden.
Die Zuschauer werden so zu unmittelbaren Zeugen der bewegenden Suche nach dem einen Bild, das uns alle aufrütteln soll.


Im Anschluss Filmgespräch mit

  • Regisseurin Katja Trenkler
  • Ursula Meissner
  • Lukas Gold

Es moderiert Monika Haas, Deutschs Filmmuseum.

Dienstag, 7. April 2009
Naxoshalle
Reihe Krieg und Frieden (1)
Drei Filme von Hannes Gulde und Stefanie Landgraf (90 min.)

afrika-papyDer Fluch des Tötens - Kindersoldaten im Kongo
Papy und Ngoy waren Kindersoldaten. Mit zehn Jahren liefen sie von zu Hause weg, weil sie hungerten und die kongolesische Armee ihnen gute Bezahlung versprach. Jetzt mit 16 wurden sie entlassen ohne Abfindung, ohne Schulabschluss, ohne Ausbildung.
Die internationale Kinderrechtsorganisation BICE-Deutschland hat in Zentralkongo das Friedensdorf Bupolé gebaut. Ein bisher einmaliges Rehabilitationszentrum für ehemalige Kindersoldaten, das sie auf ihre Rückkehr ins zivile Leben vorbereitet. Von Psychologen und Sozialarbeitern betreut, lernen sie, nach zivilen Regeln zu leben, Konflikte mit Worten und nicht mit Waffen auszutragen. Langsam bauen sie Vertrauen zu ihren Betreuern auf und beginnen über ihre schrecklichen Erfahrungen zu sprechen - erste Schritte einer Bearbeitung ihrer Traumata.

afrika-madchenschicksalFlucht vor dem Krieg - Mädchenschicksale im Kongo
Yvette, 15, lebt in einem Waisenhaus der „Soeurs des Pauvres”. Vier Jahre lang war sie auf der Flucht vor den kämpfenden Truppen in Ostkongo. Dabei wurde ihr Vater getötet, ihre beiden Schwestern und ihre Mutter starben an Entkräftung. Yvette ist traumatisiert. Unter der Obhut eines Psychologen und einer Sozialarbeiterin beginnt sie allmählich wieder Vertrauen aufzubauen. Erst nach einigen Monaten ist sie in der Lage, über ihre schrecklichen Erlebnisse zu erzählen, über die Vergewaltigungen, die sie und ihre Mutter erleiden mussten.
Im besonderen Maße sind Mädchen in Flüchtlingssituation betroffen. Sie müssen oft zu Hause für die Familie mit sorgen, können dann nicht wie ihre Brüder weiter zur Schule gehen. Nicht selten müssen sie mit Geld verdienen und landen in der Prostitution. Gravierend wird es für Mädchen, die während ihrer Flucht vergewaltigt wurden. Sie gelten als entehrt, werden oftmals von ihrer Familie verstoßen.
sierra-leone-7Sierra Leone: Nur langsam heilen die Wunden des Krieges
Der Krieg in Sierra Leone, der im Juni 2002 zu Ende ging, lebt in den Erinnerungen der Menschen noch immer weiter: Zerstörung ihrer Häuser, Flucht und Vertreibung, Ermordung und Verstümmelung ihrer Angehörigen. Die Menschen leiden an posttraumatischen Stress-Symptomen wie Albträume, Schlaflosigkeit, Angstzustände. Immer wieder brechen Bilder in ihnen hoch, die sie nicht kontrollieren können. Intrusionen nennen das die Psychologen - Bilder der Seele, die so lebendig sind, als wären sie real da. Erkenntnisse der Holocaust-Forschung haben gezeigt, dass sich solche traumatischen Erfahrungen der Eltern als Transgenerationeneffekt auf ihre Kinder und Kindeskinder übertragen.
Caritas international hat dazu das „Trauma and Recovery Prgramm” (TAR) entwickelt. Ein bisher einzigartiger Ansatz, dessen Programm sich gezielt an Vorschulkinder - die Jüngsten der Gesellschaft - richtet, gleichzeitig aber in den Arbeitsprozess auch die Erzieherinnen und Eltern mit einbezieht.

Zum Filmgespräch kommen

  • die beiden Filmemacher Stefanie Landgraf und Hannes Gulde
  • Sibylle Rothkegel, Psychologin aus dem Berliner Zentrum für Flüchtlinge und Folteropfer. Sie hat selbst viele Jahre in Afrika gearbeitet.

Es moderiert Wolf Lindner, naxos.KINO IM THEATER