Di., 03.05.2016, 19:30 Uhr
Naxos-Halle
überLeben
Biene Pilavci

Die Regisseurin Biene Pilavci berichtet die Geschichte ihrer Familie.

Und das ist keine schöne Geschichte.

Körperliche Gewalt und ein liebloser, respektloser Umgang miteinander bestimmen ihre Kindheit. Die Eltern kommen in den 1970er aus Mittelanatolien nach Deutschland und ziehen ihre fünf Kinder vor allem mit Schlägen groß.

„Allein  Tanzen“ bietet die seltene Gelegenheit das komplexe Geschehen in einer Familie aus der Innenperspektive zu beobachten.

Die Filmemacherin ist gleichzeitig eine der zentralen Figuren des Familiendramas. Aufgewachsen in einer kurdischen Migrantenfamilie, flieht sie mit 12 Jahren aus dem familiären Gewaltzusammenhang, um in einem katholischen Heim groß zu werden.

Nach dem Studium an der Filmakademie Berlin kehrt sie zur Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte in die Familie  zurück.

Interviewt und porträtiert werden die Mutter und die Geschwister, die in Deutschland geblieben

sind, und der Vater der in die Türkei zurückgekehrt ist.

Schuld, Verrat, Verantwortung und  Zerstörung sind die großen Themen dieses Films.  Die ungewöhnliche Bildersprache ähnelt der eines Frontberichts, roh,  gewalttätig, wild und die ZuschauerInnen direkt anspringend.

Allein Tanzen ist von einer Intensität, der man sich kaum entziehen kann.


Eindringlicher zeigte selten ein autobiographischer Film die Lebensgeschichte einer jungen Frau aus der zweiten Migrantengeneration, geboren in Deutschland, konfrontiert mit elterlicher Gewalt und familiären Katastrophen. Biene Pilavci gewährt uns einen intimen Einblick in eine komplexen Familienstruktur.

Zum Filmgespräch: die Regisseurin Biene Pilavci, die zugleich auch Protagonistin ist und Christine Wellershaus, Leiterin des Frauenhaus Frankfurt



19:30 Uhr
Die schönen Künste
Thomas Thümena

CH-2011 / 88 Min.

Kurzfilm: The Cure, von Theresa Kampmeier, D 2015. 5:16 Min.


Der berühmte Baseler Künstler, Vertreter der kinetischen Kunst wird in diesem „sorgfältig komponiertem Dokumentarfilm“ (NZZ) dargestellt. Es gelingt Thomas Thümena „das Kunststück, ein autentisches Bild des facettenreichen Künstlers zu zeigen.“ (La liberté)
Das Errichten von völlig sinnlosen, aber irgendwie funktionstüchtigen Maschinen war vielleicht das Markenzeichen schlechthin für Jean Tinguely, einen der größten Künstler des 20. Jahrhunderts. Frei nach dem Motto „Es bewegt sich alles – Stillstand gibt es nicht!“ baute der 1925 geborene Schweizer völlig abstrakte Gebilde und sah sich selbst dabei nie als Techniker, sondern stets als Poet. Beim Aufbrechen bürgerlicher Konventionen beschränkte er sich nicht nur auf sein künstlerisches Schaffen, sondern bestritt auch sein Privatleben entsprechend.
Zeitlebens hat Tinguely immer wieder mit Ironie und anarchischem Esprit sein Werk öffentlich kommentiert. Der Film zeigt Tinquely von seinen Anfängen als Schaufensterdekorateur in Basel, über seine bettelarmen Jahre als Avantgardekünstler in Paris. Dann sein rasanter Aufstieg zum Star der internationalen Kunstszene, bis hin zu seiner Anerkennung auch in der Schweiz, gefeiert als Nationalheld. “König der Schweiz” nannte ihn Niki de Saint Phalle scherzhaft. Als zweite Ehefrau Tinguelys und seine wichtigste künstlerische Weggefährtin ist die für ihre “Nana”-Figuren berühmte Künstlerin auch in Thümenas Film präsent.
Beim Filmgespräch dabei ist der Filmemacher Thomas Thümena (Zürich)
Moderation: Gerd Becker

Wir zeigen den Film mit freundlicher Unterstützung vom

Schweizer Generalkonsulat Frankfurt