Hessischer Filmpreis 2009
|
Rund 420 Millionen sollen investiert werden. Auf 800 Hektar entstehen fünf luxuriöse Hotels, 600 Villen und Ferienwohnungen, mehrere Golfplätze, eine künstliche Seenlandschaft von 34 Hektar sowie eine Trabrennbahn mit angeschlossenem Pferdezentrum und Poloplatz. Und nicht zu vergessen: 1000 Arbeitsplätze winken. Der Motor des Ganzen ist Bürgermeister Henner Sattler. Ein außergewöhnliches Stadtoberhaupt. Nicht nur dass der CDU-Mann bei der letzten Wahl mit fast 70 % im eigentlich roten Nordhessen gewählt wurde. Er ist emotional, zupackend, sympathisch und offen - aber wenn es sein muss, kann er auch mal poltern. Und er hat Ministerpräsident Roland Koch hinter sich. Die Ausgangsfragestellung des Films ist schlicht und einfach: Wo kommen in Zeiten der weltweiten Immobilien- und Finanzkrise 420 Millionen für das größte Tourismusprojekt in Europa her? Zweieinhalb Jahre durfte der Film dem (un)gleichen Duo Sattler und Krause bei der Arbeit über die Schulter schauen, wenn sie auf Investoren, Botschafter und Bürokraten treffen.
Im Anschluss Filmgespräch mit - Frank Lehmann, Fernsehjournalist - Henner Sattler, Bürgermeister von Hofgeismar (angefragt) - Hermann Josef Rapp, Bürgerinitiative Hofgeismar (angefragt) - Kai Klose, DIE GRÜNEN / MdL Moderation: Malies Ortmeyer und Wolf Lindner
|
Doppelfeature: Als Vorfilm zeigen wir um 18 Uhr "Solo Sunny" (Details siehe unten)!
|
Der Regisseur Konrad Wolf feierte nationale und internationale Erfolge mit dem Film. Bei der Berlinale Februar 1980 gewann Renate Krössner den Silbernen Bären als „Beste Darstellerin.” Doch Sanije Torka, die reale Hauptfigur, wurde öffentlich nie erwähnt. Das authentische Interview von Jutta Voigt, das sie 1978 mit Sanije geführt hatte, wurde auch nicht veröffentlicht. Jutta Voigt: „Sanije war all das, was man in der DDR nicht sein sollte: hemmungslos, wild, ungebärdig. Sie war die Film-Sunny hoch drei. … So kam mein Name unter ‚Beratung’ in den Vorspann. Ich fand, daß auch Sanijes Name hinein gehört hätte. Doch durfte so eine Figur, besonders als authentische Person, nicht öffentlich werden.” Dieses Interview bekam die Filmemacherin Alexandra Czok von der Autorin. Sie empfand es als ein so ehrliches und spannendes Zeitdokument, dass sie auf die Suche nach Sanije Torka ging, um zu erfahren, was aus dieser widerspenstigen DDR-Künstlerin geworden war. Dabei erfuhr sie, dass Sanije Torka vor drei Jahren wegen zahlreicher Anzeigen der Prozess gemacht worden war - vor allem wegen Ladendiebstahls…
Zum anschließenden Filmgespräch erwarten wir unter anderem Regine Dopperschütz, die Gesangsstimme hinter Solo Sunny. |
|
Renate Krößner erhielt für ihre Darstellung der Sunny 1980 einen Silbernen Bären der Berlinale. |
|
Hossein und Shaima lieben sich seit ihrer Kindheit. Der Krieg reißt sie als Halbwüchsige auseinander. Im Kabul der 90er Jahre finden sie sich wieder. Die Armut zwingt Hossein, im Krieg zu kämpfen. Durch Granatsplitter wird er querschnittsgelähmt. Wenig später wird Shaima als vierte Ehefrau an einen 40 Jahre älteren Mann verkauft und wird schwanger. Shaimas Ehemann bleibt die Hälfte des Brautgeldes schuldig. Deshalb holt ihr Vater sie zurück in die partriarchalische Enge seiner Familie, wo sie mit ihrer inzwischen 5jährigen Tochter noch heute lebt. Das hindert die beiden Liebenden nicht, sich gegen den strikten Willen ihrer Familien so oft wie möglich zu sehen. Sie träumen von einem gemeinsamen Leben in Frieden. In Bedrängnis und Angst vor drohender Rache der streng mittelalterlichen Stammesgesetzen folgenden männlichen Mitglieder beider Familien versuchen Hossein und Shaima unter schwierigsten Umständen ihre Liebe zu leben. Der Film beschreibt einen Tabubruch, dessen Ausgang ungewiss ist. Wenn Armut und Krieg alle Mitmenschlichkeit beschädigt haben und die Familie das einzige soziale Band bedeutet, kann es kein persönliches Glück geben.
Im Anschluss Filmgespräch mit der Regisseurin Helga Reidemeister |
Sondervorstellung!
|
Das Theater Willy Praml hat im Jahr 2004 aus Goethes glanzvollem Roman „Wilhelm Meister” eine Bühnenfassung entwickelt und Lebendiges daraus gemacht. Von Juni bis Oktober 2004 fesselte das THEATER WILLY PRAML mit seinem „Wilhelm Meister Teil 1 & 2 & 3″ Publikum und Presse. In zunächst drei, jeweils knapp 4stündigenTeilen wurden die 600 Seiten des Romans als grandioses Lese- und Hörerlebnis zum Bühnenleben erweckt und somit ein gewaltiges Stück deutscher Literatur einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Am 3. Oktober 2004 wurden die drei Teile schließlich in einem 13stündigen Theater- Marathon zur Aufführung gebracht. Birgit Becker und Wolf Lindner haben mit zwei Kameras die gesamten 11 Stunden aufgezeichnet. Daraus haben Willy Praml und Wolf Lindner eine gut dreistündige Kinofassung zusammengestellt. Diese wird am 30. August zum ersten Mal öffentlich vorgeführt, also mal wieder so etwas wie eine Premiere. Dazu laden naxos.KINO IM THEATER und das Theater Wily Praml ganz herzlich ein. Der Aufbruch von Wilhelm Meister bedeutet auch für die Zuschauer den Ausbruch aus dem Alltag. Stück für Stück entsteht eine junge, spannende Biografie in einem unmittelbaren und lebendigen Kontext, als Wanderung durch Raum und Zeit der denkmalgeschützten Frankfurter Naxoshalle. Die DVD mit dem Praml’schen „Wilhelm Meister” ist käuflich zu erwerben.
|
|
Mit der Wiederaufnahme des 1963 uraufgeführten Stückes “The Brig” von Kenneth H. Brown setzt das Living Theatre aus New York ein Zeichen gegen jede Form gewalttätiger Machtausübung. Das unter die Haut gehende Drama über das brüllend unmenschliche Innenleben eines US-Marines-Gefängnisses hat nichts von seiner erschreckenden Aktualität eingebüßt. Die Europapremiere in der Akademie der Künste Berlin und die Aktion am 1. Mai auf dem Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg lassen den Film in eine beklemmend klaustrophobische Welt eintauchen. Lange vor „Apocalypse Now” und „Platoon” testete das New Yorker „Living Theatre” mit seinem Stück „The Brig” („Der Knast”) die Belastbarkeit des Publikums. Kurz nach der Aufsehen erregenden Premiere im Jahr 1963 wurde das Theater unter dem Vorwand von Steuerschulden geschlossen, die Zuschauer kletterten am Abend darauf über die Absperrungen. Die Aufzeichnung des Stücks von Jonas Mekas erhielt 1964 auf dem Filmfestival von Venedig eine Auszeichnung. Mit „The Brig” verarbeitete Kenneth H. Brown seine 30-tägige Tortur in einem US-Marineinfanteriegefängnis im Jahr 1957 in Japan. Offenbar hat sein Stück bei der Wiederaufführung im Frühjahr 2008 in der Berliner Akademie der Künste nichts an seiner Aktualität verloren. Im Anschluss Filmgespräch mit Regisseur Dirk Szuszies |
„Dubai, die Osterinseln - und jetzt Hofgeismar in Nordhessen. Das wird ein ‘absolutes Leuchtturmprojekt’”,
Gespräche mit Sanije Torka inspirierten den Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase zum Filmstoff für SOLO SUNNY. Die Rolle der eigensinnigen Sunny, die sich nicht in das allgemeingültige DDR-Leben integrieren lassen wollte, war ein Affront gegen den Staat und seine Doktrin, unter anderem deshalb war SOLO SUNNY einer der bestbesuchten Filme des ostdeutschen Kinos.
Sunny lebt solo, aber keineswegs einsam. Als Schlagersängerin vom Berliner Prenzlauer Berg will sie Erfolg. Sie ist es gewöhnt, selbstständig und frei über ihr Leben zu entscheiden. Sunny sucht nach Glück, Anerkennung und menschlicher Bindung. Doch Harry, der Taxiunternehmer, der sie verehrt, der „seine Mark” macht und ihr materielle Sicherheit bieten könnte, ist nicht der Partner, den sie sucht. Ralph, der Philosoph, den sie zufällig kennen lernt, erwidert ihre tiefe Zuneigung nur halbherzig. In der Band, mit der sie tourt und von der sie finanziell abhängig ist, macht sie sich unbeliebt, als sie Norberts Zudringlichkeiten abweist. Und so muss sie schon bald einer jungen Sängerin weichen, die bereit ist, für ihre berufliche Karriere alles einzusetzen. Den Nackenschlägen und der Verzweiflung zum Trotz nimmt sie einen erneuten Anlauf und bewirbt sich bei einer jungen Band.